Stand: 12.06.2020 12:20 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Entführte Studentin: Zwölf Jahre Haft für Angeklagten

Im Prozess um die Entführung und Vergewaltigung einer 21-jährigen Studentin ist das Urteil vor dem Lübecker Landgericht gefallen. Der 43-jährige Angeklagte ist zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Nach Überzeugung der Richter hatte der Mann die Studentin im Oktober 2019 nach der Vergewaltigung gefesselt und an einem Feldweg bei Mönkhagen (Kreis Stormarn) hilflos in der Kälte ausgesetzt. Nur durch Zufall wurde die junge Frau dort gefunden. Die Richter verurteilten des Mann deswegen auch wegen versuchten Mordes. Das Opfer ist nach wie vor in psychologischer Behandlung.

Angeklagter schwieg im Prozess

Der Angeklagte hatte während des gesamten Prozesses geschwiegen. Auch am letzten Verhandlungstag zeigte er sich völlig regungslos. Für den 43-Jährigen war es nicht die erste Tat. Bereits im September vergangenen Jahres verging er sich an einer anderen jungen Frau - auch dafür wurde er am Freitag verurteilt.

Ermittler: Frau sollte nicht gefunden werden

Staatsanwaltschaft und Nebenklage hatten das Vorgehen genau wie das Gericht als versuchten Mord gewertet und forderten lebenslange Haft. Der Mann habe gewollt, dass sein Opfer nicht gefunden werde, hatte Staatsanwalt Niels-Broder Greve in seinem Plädoyer gesagt. Deshalb habe er sie bewusst an einer abgelegenen Stelle hilflos zurückgelassen. Dadurch habe er verhindern wollen, dass er als Vergewaltiger der jungen Frau entdeckt würde, sagte er. Auch der Nebenklagevertreter schloss sich dem Antrag der Staatsanwaltschaft an.

Verteidigung: Keine Beweis für Mordabsicht

Die Verteidigung beantragte dagegen kein konkretes Strafmaß, sondern forderte nur eine "angemessene Strafe" wegen Freiheitsberaubung, Körperverletzung und Aussetzung. Der Angeklagte habe die Studentin unzweifelhaft entführt. Daran, dass er sie auch vergewaltigt habe, gebe es jedoch Zweifel, sagte die Verteidigerin. Auch für die von Staatsanwaltschaft und Nebenklage angenommene Mordabsicht gebe es keine hinreichenden Beweise, sagte sie.

Keine verminderte Schuldfähigkeit des Angeklagten

Im Zuge des Verfahrens wurde der Angeklagte auch psychiatrisch untersucht. Eine Sachverständige hatte den 43-Jährigen in einem Gutachten als einfach strukturiert und aggressiv im Umgang mit Frauen beschrieben. Eine psychiatrische Störung, die eine verminderte Schuldfähigkeit begründen könnte, sah sie jedoch nicht.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 12.06.2020 | 10:00 Uhr

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