Auch eine Puppe im Rollstuhl gehört zur Ausstellung. © NDR Foto: Jörn Schaar

Emanzipation in 28 cm: Ausstellung "Busy Girl" in Heide

Stand: 13.11.2021 06:00 Uhr

28 Zentimeter groß, blond und in vielen Kinderzimmern zuhause: Seit 1959 begeistert die Barbiepuppe Kinder auf der ganzen Welt. War sie zunächst lediglich eine Ankleidepuppe, hatte sie später wechselnde Berufe. Daran, wie Barbie jeden Beruf ergreifen kann, sollen Kinder sehen, dass sie das auch können.

von Jörn Schaar

Kuratorin Bettina Dorfmann setzt vorsichtig die ersten Barbiepuppen in eine Glasvitrine im ersten Stock der Museumsinsel Lüttenheid in Heide. Eine Astronautin mit Helm ist es, die als erste ihren Platz findet. "Die ersten Berufe von Barbie waren Krankenschwester oder Sekretärin", erklärt Bettina Dorfmann. "Mit der Ausstellung wollen wir die Berufstätigkeit der Frau und wie sie sich weiterentwickelt hat an die Menschen weitertragen. Dafür ist Barbie ideal, denn sie hatte sehr viele Berufe, die wir hier zeigen können."

18.000 Puppen im Fundus

Bettina Dorfmann sammelt seit 25 Jahren Barbies und steht mit ihrer Sammlung von 18.000 Puppen im Guiness Buch der Rekorde. Auf die Ausstellungsreise begleiten sie ungefähr 1.000 Barbies und Kens, die dicht gepackt in Umzugskisten liegen. Seit 15 Jahren zeigt sie ihre Sammlung nun schon regelmäßig - in Heide bekommt die Ausstellung noch einen besonderen Kniff: Die Gleichstellungsstelle des Kreises Dithmarschen begleitet die Ausstellung mit eigenen Materialien. Auf Texttafeln erfahren die Gäste der Ausstellung etwas über Frauen in Dithmarschen und wie sich deren Berufe über die Jahrzehnte verändert haben.

Robuster als andere Puppen

In den 1950er-Jahren wurde Barbie als Ankleidepuppe entwickelt. Zuvor gab es eher Papierpuppen, die schnell kaputt gingen. Das Ziel des Herstellers Mattel war, eine robuste Puppe zu entwickeln, die man an- und ausziehen konnte. Das sei auch Grund gewesen, wieso Barbie schnell Beliebtheit erlangte, sagt Bettina Dorfmann: "Früher hat man viel Handarbeit erledigt und konnte auch mal Kleider für die Barbie nähen, das machte das Spielzeug erschwinglicher für die Familien."

Die erste Barbie wurde in einem Badeanzug verkauft. So konnte man stricken, häkeln oder nähen für seine Puppe, es wurden aber auch schon Kleidersets angeboten. "Zu Anfang gab es nicht so viele Sets, weil man erst mal sehen wollte, wie gut das angenommen wird", erklärt die Kuratorin. "Da gab es aber auch schon Abendkleider, Nachtwäsche und Alltagskleidung, aber auch schon ein Karrierekostüm." So wie die Männer im Anzug ins Büro gingen, trugen die Frauen ein schicken Kostüm - so auch Barbie.

Reise durch die Berufsbilder

Kurz nach der Markteinführung gab es Barbie als Lern- und Oberschwester im Krankenhaus oder als Stewardess, seit den 1970er-Jahren auch als Ärztin. Heute finden sich nahezu alle Berufsbilder wieder. "Und natürlich gab es bei Barbie auch schon immer Traumberufe wie Model oder Astronautin", sagt Bettina Dorfmann. "Das geht bis hin zur Präsidentin oder Kanzlerin. Sie zeigen, dass man von der Babysitterin bis zur Kanzlerin alles werden kann."

In der Ausstellung gibt es auch Fragebögen, die man für sich selbst auswerten und aus denen man sehen kann, in welche berufliche Richtung es gehen könnte: Ist man eher der kühle Rechner, der gut mit Zahlen umgehen kann, oder der emotionale Typ, der gern mit Menschen zu tun hat? In der Ausstellung gibt es dann die passende Puppe, mit der man sich identifizieren kann.

"Wir wollen zeigen, dass jeder alles werden kann"

Die Puppen sind dabei in Szenen aufgebaut - neben einem Ärztehaus gibt es auch den Pferdestall und alle Sportarten. Denn Barbie hat schon immer viel Sport getrieben, sowohl privat als auch im Leistungssport. "Natürlich gibt es inzwischen auch alle Hautfarben und auch Barbies mit sichtbaren Behinderungen", zeigt Bettina Dorfmann. Eine Barbie sitzt im Rollstuhl, eine andere hat eine Beinprotese und sie sind damit immer mitten im Leben, machen Sport oder sind berufstätig. "Es ist auch wichtig zu sehen, dass es mit Barbie kein "Du kannst das nicht" gibt. Im Gegenteil, wir wollen zeigen, dass jeder alles werden kann."

"Barbie ist ein Spiegel unser Wirklichkeit"

Mit der Weiterentwicklung von Barbies Berufsbildern kann man auch die Entwicklung der Frauen und der Gesellschaft ablesen. "Das geht ja über die Berufe hinaus und zeigt sich auch an den Materialien der Kleider, also wie etwas hergestellt ist", sagt Kuratorin Bettina Dorfmann. "Früher hatte man vielleicht Samtstoffe, Naturfasern oder echte Pelze, heute ist so etwas eher Synthetik." Darüber hinaus habe sich auch der Kleidungsstil verändert oder die Frisuren. "Das sehen wir immer in unseren Ausstellungen, wenn Schulklassen kommen oder Familien und es um die Frage geht, was die Kinder mal werden können. Barbie ist damit eine gute Identifikationsfigur", meint Bettina Dorfmann.

Puppen aller Zeiten in der Ausstellung

Die Baujahre der Puppen reichen von 1959 bis heute, dazu gibt es Spielhäuser und viel Zubehör zu sehen, teilweise echte Raritäten. "Wir haben zum Beispiel das Barbie-College mit, das ist etwas ganz besonderes aus den 60er.Jahren, das ist noch aus Pappe und wurde in Deutschland gar nicht verkauft", erzählt Bettina Dorfmann und strahlt. "Auf der Bühne ist nicht nur die Puppe das Exponat, sondern auch alles was dazu gehört, also ein Auto, ein Fahrrad oder ein Pferd mit Stall." Die Ausstellung läuft noch bis zum 6. Januar 2022 in der Museumsinsel Lüttenheid in Heide.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 13.11.2021 | 19:30 Uhr

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