Fünf Personen sitzen in Kajaks am Ufer des Großen Plöner Sees. © NDR Foto: Julian Marxen

"Einfach mal raus!" Pfingsten in der Holsteinischen Schweiz

Stand: 24.05.2021 07:17 Uhr

von Julian Marxen

Es duftet intensiv nach Raps. Leuchtendes Gelb säumt den Wanderweg. Und dahinter das Blau der Seen. "Einfach herrlich diese Landschaft", schwärmt Maria. Sie wandert mit ihrer Freundin Ulla von Plön nach Bosau. Die beiden kommen aus Bremen und genießen die Aussichten auf den Großen Plöner See und den Vierer See. "Eineinhalb Jahre mussten wir wegen Corona darauf warten, dass wir endlich mal wieder zusammen in den Urlaub fahren können", berichtet Maria: "Das hat uns schon sehr gefehlt!" Da macht es auch nichts, dass an diesem Pfingstwochenende immer mal wieder regnet. Sie seien ja grauen Himmel gewöhnt, scherzen die Bremerinnen.

Aktiv-Urlaub oder gemütliche Tagestour

Trotz der eher dürftigen Wetter-Aussichten haben sich unzählige Touristen auf den Weg in die Holsteinische Schweiz gemacht. Viele wandern, radeln oder entdecken die Seenplatte mit Kajak und Stand-up-Paddling-Board (SUP). "Die Campingplätze sind ausgebucht und auch in den Ferienwohnungen gibt es nur noch wenige freie Zimmer", sagt Caroline Backmann von der Tourismuszentrale. Es brummt. Das zeigt allein der Blick auf die gut gefüllten Parkplätze in Eutin, Malente und Plön. Hier stehen Autos aus Berlin, München, Hannover, Osnabrück und vor allem aus Hamburg. Ein Ehepaar aus der Hansestadt hat es sich gerade auf einem Restaurant-Steg am Großen Plöner See gemütlich gemacht. Die Regenwolken haben sich verzogen. Mit ihren Kaltgetränken sitzen die Hamburger nur zwei Meter von der Wasserkante entfernt.

"Corona mal kurz vergessen"

"Es kann doch kein schöneres Plätzchen geben", sind sich beide einig. An den Küsten sei es ihnen zu voll. Deshalb fiel die Wahl für den Tagesausflug auf das Hinterland. Vor dem Restaurant hätten sie nicht einmal lange anstehen müssen. Die Registrierung mit der Luca-App habe bestens funktioniert, berichtet das Ehepaar. Und auch an den anderen Tischen sieht man zufriedene Gesichter. Ein Gast aus dem Lauenburgischen bringt es so auf den Punkt: "Es tut doch so gut! Einfach mal raus, die Natur genießen, ein Bierchen trinken und Corona mal kurz vergessen." Die Gastronomen in der Region hätten sich zwar beständigeres Wetter gewünscht. Trotzdem sind hier viele froh, dass sie überhaupt wieder Gäste bewirten können.

Schwimmen und Testen auf Campingplatz

Auch wenn viele Urlauber und Tagestouristen die Pfingsttage in der Holsteinischen Schweiz verbringen - zwischen den Hügeln, Seen und Wäldern verläuft es sich. "Wir finden es gut, dass es sich hier nicht so ballt wie an manchen Promenaden an Nord- und Ostsee", erklärt Dirk aus Niedersachsen. Er und seine Familie haben sich für einen Naturcampingplatz in Eutin entschieden, idyllisch am Kellersee gelegen. Während Dirks Sohn Finn sich gerade bei 12 Grad Wassertemperatur im See erfrischt, steigen andere Camper aufs Rad. Wieder andere lassen sich mit Wattestäbchen in der Nase bohren. Dreimal in der Woche fährt das Corona-Testmobil einer Apotheke auf den Campingplatz. Die Urlauber nehmen das Angebot gut an.

Ausflugsschiffe fahren wieder

"Das ist super geregelt hier", findet Katja aus Bremen. "Mit dem negativen Testergebnis können wir gleich losziehen und uns ins Restaurant oder Café setzen". Oder mit einem der Ausflugsschiffe fahren. Denn für die ist am Pfingst-Wochenende auf den Seen der Region Saisonstart. Mitfahren dürfen aber nur Geimpfte, Genesene oder Getestete. "Das macht uns zu schaffen", betont Markus Frick von der Eutiner Seerundfahrt. "Die meisten Gäste muss ich leider wieder wegschicken, weil sie keinen Test gemacht haben." Nur einige wenige Passagiere sitzen deshalb auf dem Schiff. "Da zahlen wir so viel drauf, das kann man keine Saison durchhalten", seufzt Frick.

Ungeahnt schön und Corona-sicher

Bei der 5-Seen-Fahrt in Malente ist der Andrang größer. Dort hat sich zumindest eine kleinere Schlange vor dem Anleger am Dieksee gebildet. Alle halten Abstand zueinander, tragen Maske. Andere Passagiere steigen gerade aus und sind begeistert: "Hätte ich gewusst, dass es hier so schön ist, wäre ich schon früher mal in die Gegend gekommen!", erzählt eine Nordrhein-Westfälin, die eine Unterkunft in Malente gebucht hat, weil in ihrem angestammten Urlaubsort in der Lübecker Bucht vieles ausgebucht war. "Zum Glück", sagt sie jetzt im Nachhinein. Zurzeit sei es doch besser, abseits des Trubels in einer Ferienwohnung zu wohnen und allein oder zu zweit auf Wandertour zu gehen. Corona-sicherer, meint sie, könne man doch gar nicht Urlaub machen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 24.05.2021 | 17:00 Uhr

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