Stand: 28.03.2015 10:30 Uhr

Eine neue "Ökofähre" für die Ostsee

von Sebastian Baak

Damit es oben sauber rauskommt, muss unten Hochprozentiges rein: Die schwedische Reederei Stena Line hat am Freitag in Kiel ihre umgebaute Fähre "Stena Germanica" der Öffentlichkeit vorgestellt. Das über 240 Meter lange Schiff nutzt künftig Methanol als Treibstoff. Sechs Wochen lang wurde das Schiff auf einer polnischen Werft umgerüstet. Für 22 Millionen Euro; davon hat die EU die Hälfte übernommen. Hintergrund für die Umrüstung sind die neuen strengeren Abgasvorschriften für Nord- und Ostsee, die seit diesem Jahr gelten.

Riesiger Schritt in Richtung Zukunft

Der Eigner der größten Fährreederei, Dan Sten Olsson, kam persönlich nach Kiel, um den neuen Antrieb vorzustellen. "Die Investition in diesen Antrieb ist ein riesiger Schritt in Richtung Zukunft", sagte Olsson. Nur durch Leistung und Innovationen habe das Unternehmen es dahin geschafft, wo es jetzt stehe. Methanol ist aus Sicht von Stena Line ein idealer Treibstoff: Er ist gut verfügbar, kann aus verschiedenen Rohstoffen produziert werden, kann wie alle flüssigen Treibstoffe gehandhabt werden und hat eine wesentlich bessere Umweltbilanz als Diesel: es werden weniger Rußpartikel und Feinstaub, weniger Stickoxid, Schwefel- und Kohlendioxid ausgestoßen. Aber Methanol ist teurer als Marinediesel. Deshalb will Stena Line Methanol erst einmal testen, bevor möglicherweise auch andere Schiffe umgerüstet werden. Und: Selbst mit Subventionen ist die Umrüstung einer Fähre auf Methanol-Verbrennung teurer als einen Abgas-Wäscher, einen sogenannten Scrubber, nachzurüsten.

Zufriedene Gesichter im Maschinenraum

Zufrieden mit dem Umbau ist der "chief" der "Stena Germanica", Schiffsingenieur Peter Holm. Einer der vier Motoren an Bord ist schon umgerüstet, die drei anderen folgen in nächster Zeit, und der 8.000-PS-Block liefert, was er soll: "Der Motor läuft rund", sagt Peter Holm. Es gebe keinen Leistungsabfall beim Umschalten. Allerdings betont er, dass der Langzeittest abgewartet werden muss. Über Druckleitungen wird das Methanol mit mehr als 450 bar in die Zylinder gepresst. Weil Methanol nicht ganz ungefährlich und leicht entzündbar ist, wird der Pumpenraum mit einem Brandsensor überwacht.

Vorsicht beim Bunkern

480 Kubikmeter Inhalt fasst der Methanoltank an Bord. Bei jedem Anlegen in Göteborg wird befüllt - und zwar nicht mit einem Tankschiff, sondern mit einem Tanklaster am Kai. Auch da gilt: "Wir passen auf, dass nichts passiert", sagt Kapitän Viggo Lander. Drei Stunden dauert das Betanken, dafür wird der Bereich abgesperrt und überwacht. Für die nächsten Jahre hat sich Stena Line auf jeden Fall ausreichend Methanol gesichert - der Liefervertrag für die "Stena Germanica" ist zehn Jahre gültig.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 27.03.2015 | 17:00 Uhr

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