Stand: 11.08.2019 11:12 Uhr

Flensburgerin zeigt Kunststücke mit ihrem Kaltblüter

von Christian Nagel

Wer sich ein Reitpferd kaufen möchte, hat nicht unbedingt ein Kaltblut auf seiner Wunschliste. Die Tiere sind schwer, sehr kräftig gebaut, eigenwillig und haben ein eher ruhiges Temperament. Für den eleganten Ritt über die Sommerwiese sind die Pferde also eher ungeeignet. Sie wurden ja auch vor allem als Arbeitstiere für die Land- und Forstwirtschaft gezüchtet.

"Mücke": Der Bud Spencer der Dressurpferde

Justine Kuppe aus Flensburg war das egal, als sie 2013 bei einem Spaziergang durch den Nutz- und Haustierpark Arche Wader zufällig auf "Mücke" stieß. Der damals eineinhalb Jahre alte Schleswiger Kaltblüter war zu diesem Zeitpunkt kaum größer als ein Pony und wurde gerade versteigert.

Mensch und Tier verbindet eine ganz besondere Beziehung

Die damals 21-Jährige hatte zwar schon Reiterfahrungen, aber ein ausgewachsenes Pferd dieser Rasse hatte sie noch nicht in natura gesehen. Trotzdem schlug die Flensburgerin zu und ersteigerte den Hengst für einen Kaufpreis von 1.200 Euro. Ihr erstes eigenes Pferd. Damals wog Mücke knapp 400 Kilogramm. Heute ist der Wallach deutlich größer und wiegt mit 900 Kilogramm auch mehr als doppelt so viel. Für Kuppe kein Problem. Denn die 28-Jährige und ihr Kaltblüter haben ein ganz besonderes Verhältnis zueinander. Um im Alltag mit "Mücke" umgehen zu können, war von Beginn an eine ordentliche Grundausbildung erforderlich. "Gerade bei der Masse von Tier ist es notwendig, dass er einem folgt, dass man von einem Ort zum anderen laufen kann und er nicht alle umrennt", lacht die Flensburgerin.

Ihr Trainer sagte: "Fahr doch mal zur Nordpferd"

Einem Pferdetrainer fiel dann auf, dass Justine Kuppe und ihr Wallach auffällig gut miteinander auskamen und gemeinsam arbeiten konnten. "Er sagte dann, das könne nicht jeder Schleswiger Kaltblüter. 'Zeig das doch mal! Fahr doch mal zur Nordpferd!'", erzählt die Flensburgerin. Gesagt getan. Inzwischen sind Kuppe und ihr "Mücke" seit Jahren mit ihrer Show auf Pferdemessen und -veranstaltungen zu sehen. Nicht nur auf der Nordpferd in Neumünster. Sie waren zum Beispiel auch Teil der inzwischen eingestellten Baltic Horse Show in Kiel und waren in Shows in Dänemark dabei.

Für die Zuschauer sind die Kunststücke, die dabei zu sehen sind, tatsächlich beeindruckend. Wenn die zierliche 28-Jährige und der fast eine Tonne schwere Kaltbüter in der Manege stehen, ist schnell zu erkennen, dass die beiden eine ganz besondere Beziehung zueinander haben.

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Unzertrennlich: Pferdetrainerin Justine und Kaltblut "Mücke"

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Seit sechs Jahren sind die beiden ein Dream-Team: Justine Kuppe und ihr Schleswiger Kaltblut "Mücke". Die Rasse wurde ursprünglich für die Landwirtschaft gezüchtet, doch Mücke kann auch Kunststücke. Video (03:47 min)

"Mücke" hat großen Spaß bei der Arbeit

Auch wenn beide weit voneinander entfernt stehen: Ein kleines Zeichen, und das muskelbepackte Pferd stellt sich auf ein stabiles Zirkus-Podest. Ein anderes Signal, und "Mücke" geht mit den Vorderläufen in die Knie, lässt die 28-Jährige aufsteigen und ohne Sattel und Trense auf ihm reiten. Für diese und andere Kunststücken gibt es vom Publikum viel Applaus. "'Mücke' hat einfach großen Spaß an dieser Arbeit", freut sich Kuppe. "Ich erinnere mich daran, dass er bei einem unserer ersten Auftritte auf einem Podest stand und als das Publikum applaudierte, wurde er gleich etwas größer", lacht sie. "Es ist egal, ob wir vor tausenden Menschen stehen oder nur vor wenigen. Er vertraut mir und folgt mir überall hin", sagt Kuppe.

Schleswiger Kaltblüter sind vom Aussterben bedroht

Wenn "Mücke" nicht auf Tour ist, steht er in einer großen Stallanlage auf einem Bauernhof in Steinbergkirche im Kreis Schleswig-Flensburg. Die Flensburgerin ist fast jeden Tag bei ihrem Wallach. Denn außer von der 28-Jährigen lässt sich "Mücke" nicht so gerne verpflegen. "Lange Urlaube sind nicht drin", meint sie. "Die Stallkollegen sind immer froh, wenn ich wieder da bin. Denen ist er zu kräftig und zu temperamentvoll", sagt Kuppe. Die Finanzbeamtin verbringt deshalb viel Zeit mit ihrem Wallach. "Hier gleich um die Ecke ist die Ostsee. Wir gehen oft im Meer schwimmen oder reiten am Strand", freut sich die 28-Jährige.

Mit ihrer Arbeit leistet Kuppe ganz nebenbei aktive Arterhaltung. Denn Schleswiger Kaltblüter sind vom Aussterben bedroht und stehen auf der Roten Liste. Etwa 30 Hengste und knapp 200 Stuten sind noch registriert. Bleibt die Frage: Warum heißt ihr Wallach "Mücke"? "Es gab da mal einen Film mit Bud Spencer, 'Sie nannten ihn Mücke'. Das fand ich sehr passend", lacht Justine Kuppe.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 06.08.2019 | 18:45 Uhr

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