Stand: 07.11.2019 05:00 Uhr

Mit Pinsel und Mundschutz auf Einbrecherjagd

Mit einem schwarzen Pinsel fängt Christian Nehl an, über die Fensterbank zu streichen. Mit vorsichtigen Bewegungen trägt er feine, schwarze Staubpartikel auf. Ein Fußabdruck erscheint. "Der ist sehr wahrscheinlich vom Täter", sagt er und betrachtet dabei das Muster der Schuhsohle. "Ich glaube nicht, dass einer der Bewohner hier mit Schuhen auf dem Fensterbrett herumläuft." Das Fenster des Einfamilienhauses in Quickborn (Kreis Pinneberg) ist zerbrochen. Scherben liegen rundherum. Hier kamen der oder die Einbrecher ins Haus. "Spurensicherung ist das Wichtigste. Das ist der Sachbeweis", erklärt Nehl und holt eine schwarze Folie aus seinem Koffer, die er auf den Abdruck presst.

Ein Beamter der Soko auf Spurensuche.

Soko Wohnung: Polizisten gegen Einbrüche

Schleswig-Holstein Magazin -

Mit der dunklen Jahreszeit beginnt die Hochsaison für Einbrecher. Unterwegs mit der Spurensicherung der Soko Wohnung in Pinneberg.

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Den Tatort erst mal dokumentieren

Mit Lupe und Taschenlampe hat Nehl die Räume des Hauses schon auf mögliche Spuren hin untersucht und mit einem Fotoapparat alles festgehalten. Seit sieben Jahren arbeitet er bei der Spurensicherung. Zu Beginn guckt Nehl sich jeden Tatort genau an, dokumentiert alle Hinweise. Er will nachvollziehen, wie die Täter genau vorgegangen sind, wo sie reingekommen und wo sind sie langgegangen sind. In dem Quickborner Wohnhaus haben der oder die Einbrecher vor allem in den drei Schlafzimmern im oberen Stock gewütet und nach Schmuck und Bargeld gesucht.

Nehl betrachtet die durchwühlten Schubladen und aufgerissenen Schränke. Die Inhalte sind auf dem Boden verteilt. Bilder, die der Spurensicherer in dieser Jahreszeit häufig sieht. Je früher es dunkel wird, desto mehr Einbrüche. Seit der Zeitumstellung sei er täglich bei bis zu sechs Tatorten in den Kreisen Pinneberg und Segeberg, berichtet er.   

Unterwegs mit den Einbrecher-Jägern

Einbruchschwerpunkt ist der Süden des Landes

137 Einbrüche gab es nach Angaben der Polizei allein im Oktober in den Kreisen Pinneberg, Segeberg, Stormarn und Herzogtum Lauenburg. Hier gebe es viele Menschen auf engem Raum, erklärt Philipp Rauch von der Kripo Pinneberg. Für die Täter sei dies ein lukrativer Spielraum. Rauch ist Teil der Abteilung Sachgebiet 4 bei der Kriminalpolizei. Eine kreisübergreifende Einheit der Kreise Pinneberg und Segeberg, die aus der SOKO Wohnung entstanden ist und sich ausschließlich mit Wohnungseinbrüchen, deren Aufklärung und der Prävention beschäftigt. "Die Bilanz ist gut", sagt Rauch. Seit 2017 gibt es die SOKO. Es sei gelungen, die Aufklärungsquote auf über zehn Prozent zu steigern, meint Rauch. Alleine in diesem Jahr gab es bereits 16 Haftbefehle.

Ein vermummter Einbrecher hinter einer Glastür. © Imago Foto: Kickner

Soko geht in Südholstein gegen Einbrecher vor

NDR 1 Welle Nord - Nachrichten für Schleswig-Holstein -

Die häufigsten Einbrüche gibt es in Südholstein. Allerdings gehen die Zahlen zurück. Das sei nur durch die organisierte Arbeit der Polizei möglich, erklärt Philipp Rauch von der Kripo Pinneberg.

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Fleck könnte Hinweis auf Täter geben

Das liegt nicht zuletzt an der Arbeit von Chrisitan Nehl und seiner Kollegen von der Spurensicherung. In dem Einfamilienhaus in Quickborn hat er einen dunklen Fleck an einer durchwühlten Kommode im Flur entdeckt. Nach dem er ein kleines Maßband neben den Fleck geklebt und ein Foto gemacht hat, nimmt er ein etwa 15 Zentimeter langes Spurensicherungsröhrchen aus seinem Koffer. Er setzt einen Mundschutz auf. "Damit die Probe nicht kontaminiert wird", erklärt er. Vorsichtig reibt der Ermittler mit einem Stäbchen über den Fleck. Um was es sich handelt, kann er noch nicht sagen. Das muss das Labor nun herausfinden. Er schraubt das Röhrchen zu und steckt es in seinen Koffer zurück.

Einbrecher suchen vor allem in Schlafzimmern nach Wertgegenständen

Für Nehl handelt es sich um einen klassischen Einbruchstatort: "Täter konzentrieren sich auf die Schlafzimmer, weil dort in der Regel Wertsachen aufbewahrt werden." Nach einer Stunde Spurensuche packt Nehl Pinsel, Fotoapparat und die Proben zurück in seinen Koffer. Mit diesem Tatort ist er fertig. Ganz zufrieden ist er nicht: "Auffälligkeiten gab es hier keine." Die Spuren, die er gefunden und eingesammelt hat, schickt er nun zu den Kollegen des Landeskriminalamtes, die werten seine gesammelten Proben dann aus. Er selbst muss los, zum nächsten Tatort.

Weitere Informationen

Soko "Wohnung" will mehr Einbrüche verhindern

Wenn es draußen länger dunkel ist, steigt die Zahl der Einbrüche. Damit die Diebe in diesem Jahr weniger erfolgreich sind, arbeiten die Kreise Pinneberg und Segeberg jetzt gemeinsam in einer Soko. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 06.11.2019 | 19:30 Uhr

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