Stand: 13.01.2019 05:00 Uhr

Ein schwimmender Wanderweg für Ahrensburg

von Thilo Buchholz

Der Lkw wummert, die Bohrmaschinen knarzen, der Generator dröhnt. Laut ist es - und das mitten in einer, um die Jahreszeit, pittoresken Moorlandschaft südlich von Ahrensburg. Ein Kran hievt mehrere vier Meter lange Brückenelemente vom Lastwagen und stellt sie an das Ufer des Moores. Die Elemente bilden, wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind, einen neuen 320 Meter langen Wanderweg im Naturschutzgebiet Stellmoor-Ahrensburger Tunneltal. Der Wanderpfad soll beweglich sein, am Ende auf der Oberfläche des Moores schwimmen.

Einzigartige Moorbrücke in Ahrensburg

Alte Steganlage muss weg

Bekleidet mit Gummistiefeln, Wathosen und Schwimmwesten bringen sieben Stahlbetonbauer und Schlosser die Brückenmodule in Position. Die neue schwimmende Brücke ersetzt einen in die Jahre gekommenen maroden Steg, der an derselben Stelle durch das Moor führte. Mehr als 30 Jahre war der alt. Das Begehen der schiefen und krummen Steganlage war für Touristen und Ahrensburger oft eine rutschige Angelegenheit.

Einzigartig in Deutschland

"Die Konstruktion der neuen schwimmenden Moorbrücke ist in Deutschland so ziemlich einzigartig", erzählt Annette Kirchgeorg von der Stadt Ahrensburg. Sie ist verantwortlich für Umwelt-, Natur- und Landschaftsschutz. Regelmäßig schaut sie auf der etwas ungewöhnlichen Baustelle vorbei, macht sich ein Bild und bespricht sich mit dem Bauleiter. Andere Moorbücken in Deutschland stünden stets auf Pfählen. Das sei in dem bis zu 16 Meter tiefen Moor so gut wie unmöglich. Die Pfähle müssten mindestens 20 Meter lang sein und aufwendig in den Boden gerammt werden, damit der Wanderweg überhaupt stabil ist.

Eine Baustelle, originell wie kaum eine andere

Die Module sehen aus wie kleine Schwimmpontons. Hohlkörper aus Plastik bilden die Unterseite. Auf der Oberfläche liegen Holzbohlen aus Eichenholz. Sie sind mit den Hohlkörpern verschraubt. Ein Brückenmodul wiegt 800 Kilogramm. Der neue schwimmende Wanderweg besteht aus insgesamt 77 Elementen. Ein kleines Kettenfahrzeug schiebt sie wie Bausteine vom Ufer durch das schlammige Moor an den benötigten Platz. An der tiefsten Stelle stehen die Bauarbeiter auch mal bis zum Bauch im Wasser.

Ein kleines Raupenfahrzeug, das Bobcat T-110, hat nur Platz für den Fahrer. Er sitzt in einer Kabine. Das baggerähnliche Fahrzeug rollt auf weichen Gummiketten durch den rutschigen Moorboden. "Das ist schonend für das Moor", erzählt Schlosser Thomas Hagemeister. Er arbeitet seit 15 Jahren beim Hamburger Bauunternehmen HC Hagemann. Für ihn ist es eine ungewöhnliche Baustelle. Zum ersten Mal hat er Eulen in freier Wildbahn gesehen. "Die saß neben mir auf einem Ast", schwärmt er.

Handwerker arbeiten an einem Steg im Moor.

Nachhaltiger Bau: Die schwimmende Moorbrücke

Schleswig-Holstein Magazin -

Beim Bau der Moorbrücke im Stellmoor-Ahrensburger Tunneltal schwimmen die einzelnen Module auf Plastikhohlkörpern - so soll die Konstruktion so wenig wie möglich in die Natur eingreifen.

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Arbeiten auf sumpfigem Boden

Die Idylle des Moores kann aber auch täuschen, denn die Männer müssen sehr achtsam sein. Ihr Spielraum im Moor ist nur 2,30 Meter breit. Darin können sie sich bewegen. Aber nur, weil im Boden ein uralter Holzpfad liegt. Mehrere Jahrzehnte alt, hat das Moor diesen Pfad verschlungen. Und jetzt dient er den Bauarbeitern als eine Art Laufsteg. Treten sie neben diesen Laufsteg, versinken sie im morastigen Boden. "Das ist meinem Kollegen vor ein paar Tagen passiert. Beim Rangieren der Module im Moor, hat er das Gleichgewicht verloren und ist im Schlamm versunken. Die Wathose war voll mit Wasser. Passiert ist ihm zum Glück nichts", erzählt Stahlbauer Hagemeister.

Tatsächlich arbeiten die Männer aktuell bei sehr niedrigen Temperaturen und widrigen Wetterbedingungen. "Kalt ist es. Bei gerade einmal 2 Grad Celsius stehen wir lange im Wasser und verschrauben die einzelnen Module miteinander", so Hagemeister.

Europäischer Schutzstatus

Die Moorlandschaft ist ein Naturschutzgebiet und steht unter europäischen Schutz. Denn hier leben seltene Tierarten wie der Kammmolch oder der Moorfrosch. Durch den hohen Wasserstand fühlen sich auch viele seltene Pflanzenarten wohl, heißt es in einem Bestandsbericht der Stadt Ahrensburg. Die im Sommer blühenden Feuchtwiesen bieten gefährdeten Pflanzenarten wie der Sumpfdotterblume oder dem Sumpfblutauge einen extremen Lebensraum, an den sie sich ideal angepasst haben. In den Feuchtwiesen brüten seltene Vögel, wie Kiebitze, Bekassinen oder Wachtelkönige.

Bevor Kröten wieder wandern

Das Projekt kostet fast eine Million Euro. Die EU beteiligt sich mit 50 Prozent an den Kosten. Die andere Hälfte zahlt die Stadt Ahrensburg. Die neue schwimmende Brücke muss spätestens Ende Februar fertig sein. "Das schaffen wir", erzählt Thomas Hagemeister zuversichtlich. Wummernde, dröhnende und knarzende Geräusche würden dann auch stören. Denn dann wollen Kröten, Frösche oder Molche mit ihrer Wanderung beginnen.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 11.01.2019 | 19:30 Uhr

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