Stand: 08.12.2018 05:00 Uhr

Mit Kieler Technik zur Rückseite des Mondes

Fast 50 Jahre sind seit der ersten Mondlandung vergangen. Jetzt nehmen Länder wie China den Erdtrabanten wieder ins Visier. Als erste Raumfahrtnation will die Volksrepublik noch im Dezember eine Landung auf der Rückseite des Mondes versuchen - und da fliegt Technik aus Kiel mit: Ein kleines Gerät zur Messung von Strahlenbelastung wurde in Rekordzeit vom Institut für Experimentelle und Angewandte Physik der Christian-Albrechts-Universität (CAU) entwickelt und gebaut. Die Kieler Weltraumforscher hatten nur 13 Monate Zeit, um das Gerät fertigzustellen. Jetzt ist es an Bord des unbemannten Landemoduls "Chang'e 4", das im wissenschaftlich interessanten Aitken-Krater nahe des Südpols des Mondes aufsetzen soll. Am Freitagabend (MEZ) startete die Rakete.

Überlebt die Technik die Mondnacht?

Dass die Uni Kiel bei der internationalen Mondmission unter chinesischer Leitung dabei sein darf, ist eine Auszeichnung. Und eine schwierige Aufgabe, denn die Technik ist extremen Belastungen ausgesetzt. "Es muss die Landung überleben, das ist eine riesige Herausforderung. Dann muss es auf dem Mond einen Mondtag und eine Mondnacht überleben. Die Mondnacht ist 14 Tage lang - und es wird richtig kalt", sagt Robert Wimmer-Schweingruber von der Uni Kiel.

Signale aus dem Funkschatten

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China will eine Landung auf der Rückseite des Mondes versuchen. Mit an Bord: Technik aus Kiel.

Als erster Schritt war schon Ende Mai der Satellit "Queqiao" von den Chinesen ins All geschossen worden, der für den Datenaustausch mit der Erde gebraucht wird. Er wird in eine bestimmte Position gebracht, um Signale aus dem Funkschatten der erdabgewandten Seite des Mondes zur Erde senden zu können. Denn die Sonde mit dem Messgerät aus Kiel landet unsichtbar auf der Rückseite des Erdbegleiters. Ein direkter Kontakt ist gar nicht möglich.

Sonne sorgt im All für starke Strahlung

Ein chinesischer Chefentwickler und seine Kollegen aus Russland, Indien, Deutschland und der Schweiz haben zusammen das Messinstrument gebaut, das in bisher unbekannter Umgebung Daten über die Strahlenbelastung auf dem Mond sammeln soll. "Das klingt jetzt ein bisschen abstrakt", sagt Wimmer-Schweingruber. Doch Ausbrüche auf der Sonne sorgen im All für starke Strahlung. Das Messgerät aus Kiel soll deswegen helfen, die Raumfahrt für die Astronauten in Zukunft sicherer zu machen. Denn wenn die Astronauten wieder zurückkommen, sei das Gefährlichste die Strahlenbelastung, erklärt der Kieler Wissenschaftler. "Das ist das größte, unbekannteste Risiko, was die Astronauten nach einer erfolgreichen Mission haben. Und das messen wir", erklärt Wimmer-Schweingruber.

Seit fast 50 Jahren beteiligt sich die Uni Kiel an Raumfahrtprojekten. Apollo 16 und 17, Space Shuttle oder die Internationale Raumstation ISS - überall haben die Kieler ihren Beitrag geleistet. Das Institut genießt weltweit einen hervorragenden Ruf.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 08.12.2018 | 19:30 Uhr

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