Stand: 10.12.2018 20:16 Uhr

Ein Lungenarzt erklärt die Gefahren von Asbest

Schüler und Lehrer des Schulzentrums Mühlenredder in Reinbek im Kreis Stormarn mussten kurzfristig umziehen, weil in zwei Klassenräumen Asbestfasern in der Luft nachgewiesen worden sind. Das Gebäude wurde komplett geschlossen, bis alle Räume überprüft sind. Mitte der Woche soll es neue Mess-Ergebnisse geben. Doch Schüler und Lehrer sorgen sich um ihre Gesundheit - vor allem Lehrer, die teilweise schon seit 25 Jahren an der Schule sind und dieser Gefahr ausgesetzt sind. Wie gefährlich war der Unterricht für die rund 700 Schüler und Lehrer? Der Chefarzt der Lungenklinik Großhansdorf, Professor Klaus Rabe, erklärt im Interview, was an den nur wenige Mikrometer großen Asbestfasern so tückisch ist und warum die Gefahr schwer zu bewerten ist.

Einige Lehrkräfte der betroffenen Schule würden sich gern schnell untersuchen lassen. Was würden sie raten?

Professor Klaus Rabe: Wenn sich jemand Sorgen macht oder Symptome oder Beschwerden hat, die er sich bisher nicht erklären kann, sollte er einen Arzt aufsuchen. Man würde wahrscheinlich ein Röntgenbild oder ein Computertomogramm etwas niedrigschwelliger einsetzen, falls dort etwas sein könnte. Aber auch, um den Betroffenen zu beruhigen und zu sagen, dass zum jetzigen Zeitpunkt nichts ist.

Was kann passieren, wenn ich die nur wenige Mikrometer großen Asbestfasern einatme?

Rabe: Diese Fasern sind extrem schlecht abbaubar. Das heißt, ihr Körper führt ein - wenn Sie so wollen - frustralen Kampf dagegen. Das kann dafür sorgen, dass die Lunge Narben bildet. Der Doktor hört beim Abhören ein Knistern, weil die Lunge sich beim Entfalten sozusagen unregelmäßig aufmacht. Es ist eine Fibrose, so nennen wir das. Es kann in dem Lungengewebe Probleme geben. Es kann aber auch in der Lungenhaut Probleme geben, weil die Bläschen direkt unterhalb dieser Haut liegen. Dieses sind dann häufiger tumoröse Erkrankungen.

Wer ist denn besonders gefährdet?

Rabe: Bei Menschen, die Asebstfasern in hoher Konzentration eingeatmet haben, zum Beispiel in der industriellen Fertigung, können auch erst nach langer Zeit Erkrankungen in der Lunge oder an der Lungenhaut auftreten. Der Zusammenhang ist eindeutig. Weil wir in den 70er- und 80er-Jahren so viel von dem Baustoff verbaut haben und die Latenzzeit so hoch ist, glauben wir, dass wir in der westlichen Welt noch nicht einmal den Höhepunkt des Hauptauftretens gesehen haben.

Wann wird der Höhepunkt Ihrer Meinung nach erreicht sein?

Rabe: Es wird geschätzt, dass er jenseits der 2020er-Jahre liegt - in den Ländern, wo nach wie vor das Material gefördert und verbaut wird, erzeugt man das Potenzial einer Erkrankung jetzt erst.

Ist bei der Entsorgung von Asbest immer ein Risiko dabei?

Rabe: Wenn aber jemand erkannt hat, dass das asbesthaltige Material in einem Bau verbaut worden ist und man sachgerecht mit Vernunft, Verstand und technischem Einsatz das macht, kann man dieses Material mit einem minimalen Risiko entsorgen. Da ist schon viel passiert. Aber es wird nach wie vor Gebäude geben, und das wissen zum Teil auch private Hausbesitzer, dass im Heizungskeller oder damals auf dem Dachboden, das Material verbaut worden ist.

Das Interview führte Philipp Jeß.

Asbest: Eigenschaften und Gesundheitsgefahren

Da Asbest außerordentlich hitze- und weitgehend chemikalienbeständig ist, wurde er in der Vergangenheit im Baubereich häufig genutzt. Die Faserstruktur macht Asbest jedoch bei der Gewinnung, Verwendung und Entsorgung gefährlich. Die sehr feinen Fasern können mit der Atemluft in den Körper gelangen und lebensbedrohliche Erkrankungen auslösen. Die von Asbest ausgehenden Gesundheitsgefahren führten 1995 zu einem Verbot von Asbestprodukten in Deutschland. (Quelle: Umweltbundesamt)

 

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 09.12.2018 | 19:30 Uhr

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