Stand: 14.03.2019 11:32 Uhr

Ein Jahr GroKo: Wer profitiert in Borgwedel?

von Charlotte Horn, NDR Info

Kurz vor der Bundestagswahl im September 2017 hat NDR Info Menschen in verschiedenen norddeutschen Städten und Gemeinden gefragt: Was erwarten Sie von der neuen Bundesregierung? Eineinhalb Jahre später - und nach zwölf Monaten Großer Koalition aus Union und SPD in Berlin - war eine NDR Info Reporterin erneut in der Gemeinde Borgwedel, die in Schleswig-Holstein den höchsten Altersdurchschnitt hat. Was ist aus den Wünschen von Bürgermeister Holger Weiß an die Bundesregierung geworden: mehr Investitionen für die Jüngeren?

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Bürgermeister Holger Weiß freut sich, dass dank des Baukindergelds mehr Familien in Borgwedel bauen.

"Ich halte nichts davon, kurzfristige Wahlgeschenke für Rentner zu machen. Ich meine, dass man hier wirtschaftlicher haushalten sollte, weil man auch an die jüngeren, zukünftigen Generationen denken muss", hatte Weiß vor der Bundestagswahl 2017 in einem Beitrag auf NDR Info gesagt.

Beim Gang durch die Gemeinde Borgwedel geht er voran in ein Neubaugebiet. 13 Grundstücke seien dort angelegt worden, so der Bürgermeister von der Wählergemeinschaft Borgwedel. Er zeigt von der gerade angelegten Straße aus auf das Neubaugebiet - gegenüber alte, eingewachsene Einfamilienhäuser und grüne Wiesen bis hinunter an die Schlei.

Auf einer Collage sind links Fahnen der CDU und rechts Flaggen der SPD zu sehen. © dpa picture alliance Foto: Seeger/Stratenschulte

Baukindergeld, Digitalpakt Schule und Kitagesetz

NDR Info - Aktuell -

Seit einem Jahr regiert die Große Koalition. Doch wie hat eine Gemeinde wie Borgwedel in Schleswig-Holstein davon profitiert? NDR Info hat nicht nur beim Bürgermeister nachgefragt.

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Borgwedel profitiert vom Baukindergeld

Zehn Grundstücke sind schon verkauft - vor allem an junge Familien: "Dann werden wir jünger und generieren auch wieder mehr an Einnahmen, weil wir Schlüsselzuweisungen bekommen", sagt Weiß. "Die Leute haben eigene Arbeit, das heißt, sie zahlen Lohnsteuer. Am Ende bekomme ich Personal für meine Feuerwehr. Und insgesamt wird das Dorfleben dadurch hoffentlich belebt werden."

Gelungen sei das dank eines günstigen Quadratmeterpreises - und dank eines staatlichen Zuschusses: dem von der Großen Koalition eingeführten Baukindergeld. Das habe, so der Bürgermeister, mit Sicherheit bei dem einen oder anderen die Entscheidung beflügelt oder beschleunigt, sich tatsächlich aktiv in Borgwedel um ein neues, eigenes Haus zu bemühen. "Letztendlich sind es ja mindestens 1.200 Euro, die man pro Jahr pro Kind bekommt. Das hilft natürlich schon, wenn man ein Haus zu finanzieren hat."

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Später am Tag eröffnet Weiß eine Sitzung des Schulausschusses mehrerer Gemeinden. Vor der Bundestagswahl hatte er sich mehr Geld für Bildung gewünscht. Den Digitalpakt Schule der Großen Koalition findet er dringend notwendig, aber nicht ausreichend: "Ich habe eine 16 Jahre alte Tochter. Wenn ich sehe, was die in der Schule an IT-Ausstattung haben, das ist doch stark verbesserungswürdig. Neulich sollte sie einen Vortrag halten, hatte alles vorbereitet, aber zum entscheidenden Zeitpunkt waren dann in der Klasse kein Laptop und kein Beamer vorhanden. Das ist dann natürlich frustrierend."

Neben seinem Ehrenamt als Bürgermeister engagiert sich der Systemingenieur auch im Breitband-Zweckverband für schnelleres Internet. Er sehe die Motivation in Berlin, aber die Fördermittel müssten unbürokratischer fließen: "Die Bevölkerung wartet darauf. Sie ist es leid, ständig mit diesem langsamen Internet konfrontiert zu sein."

Pflege: "Wer kann das am Ende alles bezahlen?"

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Pflegeheimleiter Bernd-Dieter Dammin meint, dass das Pflegepaket der Großen Koalition für mehr Personal ein erster Schritt sei.

Ein paar Kilometer weiter im Ortsteil Stexwig hat auch Bernd-Dieter Dammin die Arbeit der Großen Koalition verfolgt. Er leitet eines von zwei Altenheimen im 700-Einwohner-Ort Borgwedel. Das Pflegepaket der Großen Koalition für mehr Personal sei ein erster Schritt. Außerdem unterstützt der Heimleiter die Idee von Tariflöhnen. Aber: In letzter Zeit hätten sich viele Angehörige gemeldet aus Sorge vor steigenden Heimkosten: "Also ich kann nur sagen, es ist toll, dass man darüber redet, dass Pflege nicht weggeguckt wird, dass man das beobachtet. Es darf am Ende keiner auf der Strecke bleiben, der pflegebedürftig ist. Die Frage ist: Wer kann das alles am Ende bezahlen?"

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Forderung: Kita-Gebühren überall abschaffen

Borgwedel hat zwar zwei Altenheime, die einzige Kita teilt sich die Gemeinde aber mit dem Nachbarort Fahrdorf. Eine Mutter, die ihren Sohn von dort abholt, reagiert beim Stichwort "Familienpolitik" zurückhaltend. Am Ende, so sagt sie, komme das Geld doch nie bei denen an, die es wirklich bräuchten - wie beim Bau-Kindergeld: "Außerdem werden damit ja nur ganz bestimmte Familien, die es sich überhaupt leisten können zu bauen, unterstützt."

Die Mutter fände es gerechter, wenn stattdessen die Kita-Gebühren in allen Bundesländern abgeschafft würden. Denn anders als in Niedersachsen und Hamburg kostet die Kita in Schleswig-Holstein noch - ebenso in Mecklenburg-Vorpommern. Mit dem im Januar verabschiedeten Kita-Gesetz will die Große Koalition unter anderem Familien mit kleinem Einkommen von der Gebühr befreien.

In das Neubaugebiet von Borgwedel ziehen die ersten Familien spätestens in diesem Herbst. Zurzeit plant die Gemeinde acht weitere Grundstücke.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 14.03.2019 | 07:20 Uhr

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