Eekholt: Vom Schnuppertag zur besten Zoopflegerin Deutschlands

Stand: 12.01.2021 20:18 Uhr

Sie geht mit Turmfalken spazieren, setzt auch mal einen Mäusebussard auf Diät: Johanna Schumacher aus Bad Bramstedt kann gut mit Tieren - so gut, dass sie als Zoopflegerin 2020 den besten Abschluss gemacht hat.

von Jelto Ringena

Morgens geht es für Johanna Schumacher zuerst in die Küche. Hier gibt es aber kein Pausenbrot oder Kaffee, sondern tote Küken und Mäuse. Zuerst bereitet sie das Futter für die Greifvögel vor. Die Küken und Mäuse werden aufgetaut und portioniert und das Fleisch abgewogen. All das erzählt sie, während es nebenbei permanent klimpert. Denn auf Johannas Arm sitzt eine Turmfalkendame mit einer Glocke am Fußgelenk. Während der Vogel neugierig über das Parkgelände guckt, erzählt die Bad Bramstedterin: "Wenn ich mich um das Futter gekümmert habe, gehe ich meistens meine erste Runde mit einem der Greifvögel durch den Park. So bekommen sie etwas Abwechslung und können sich ein wenig umsehen."

Auch Tiere müssen mal Diät halten

Während die beiden durch den Park gehen, streckt der Turmfalke immer wieder seine Flügel zum lüften aus. Nach den Spaziergängen füttert die Bad Bramstedterin die Greifvögel und macht die Gehege sauber. Der Sand wird aufgefrischt, die Wände sauber gemacht, Futterreste eingesammelt und frisches Wasser nachgefüllt. "Außerdem müssen wir jetzt zum Frühjahr hin gucken, dass auch alle Vögel wieder ihre Sommerfigur bekommen. Der 'Specki' bei uns ist eine Mäusebussard-Dame. Mit der müssen wir dann ein kleines Diätprogramm durchziehen", sagt Johanna schmunzelnd.

Eine Zootierpflegerin des Wildparks Eekholt hat einen Raubvogel auf ihrem Arm sitzen © NDR Foto: Jelto Ringena
Johanna Schumacher aus Bad Bramstedt schließt ihre Lehre als Zoopflegerin bundesweit am besten ab.
Beste Zoopflegerin Deutschlands

Im vergangenen Jahr hat Johanna Schumacher ihre Ausbildung zur Zoopflegerin abgeschlossen und dabei 95 von 100 möglichen Punkten erreicht. Damit hat sie 2020 den besten Abschluss in ganz Deutschland gemacht. Während der Ausbildung bestand ihr Alltag aus der Arbeit im Wildpark und dem Unterricht in der Berufsschule.

Für Johanna war es ein ganz besonderer Moment, als sie das erste Mal alleine eine Runde durch den Park machen durfte. "Damals musste ich mich um die Grundversorgung der Kolkraben und Hühner kümmern", sagt sie. Und auch noch ein anderer Moment ist ihr ganz besonders in Erinnerung geblieben - das erste Mal Klauen schneiden bei den Ziegen. "Da war ich sehr unsicher und hab bei jedem Schritt nochmal nachgefragt, wie das jetzt genau geht. Aber am Ende hat doch alles ganz gut geklappt", sagt sie zufrieden.

Die Prüfung mit dem Stachelschwein

Auch mit ihrer Abschlussprüfung - einem schriftlichen und einem praktischen Teil - hat alles geklappt. Für Johanna versteckte sich hinter dem praktischen Teil ein Stachelschwein. In ihrer Abschlussprüfung musste sie eine Fütterung vor Publikum im Stachelschweingehege machen. Wie die ausging, ist klar: Die Stachelschweine waren satt, die Prüfer zufrieden und Johanna bestand mit Bravour.

Vom Geburtstagsgeschenk zur Ausbildung

Dass Johanna Tierpflegerin werden möchte, ist ihr in der Schulzeit klar geworden. Zum 16. Geburtstag bekam sie einen "Falkner für einen Tag"-Gutschein. Bei dieser Aktion kann jeder einmal Falkner im Wildpark Eekholt sein. Nach dem Schnuppertag war Johanna vom Tierpfleger-Fieber infiziert. Kurz darauf machte sie einen richtigen Falkner Schein und blieb mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Wildpark in Kontakt.

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Dadurch hatte sie neben der Schule die Möglichkeit, immer wieder im Park mit anzupacken. Irgendwann hat sie dann auch am Wochenende als Aushilfe im Wildpark gearbeitet. "Wenn mal Personalnot war, dann hieß es hier immer - ruf' doch mal Johanna an. Die kann das ja sowieso und vielleicht hat sie Zeit", sagt sie. Nach der Schule musste die Bad Bramstedterin gar nicht lange überlegen, wo sie jetzt ihre Ausbildung anfangen soll.

Tiere vermissen die Besucher

Im Moment brauchen die Tiere besonders viel Zuneigung von ihr, denn Besucher sind im Wildpark zur Zeit nicht erlaubt - und das fehlt vielen Tieren. "Die suchen auch den Kontakt zu den Menschen. Gerade die Wildschweine freuen sich wenn Besucher kommen, die Futter haben. Die Hirsche und Ziegen werden sonst auch viel häufiger gekrault. Und letzten Endes freuen ja nicht nur wir uns, wenn wir Tiere anschauen können - die Tiere freuen sich auch, wenn sie Menschen gucken können", berichtet Johanna.

Für die Vögel hat sich die Bad Bramstedterin in den letzten Tagen schon ein paar Gedächtnisspiele ausgedacht. Manchmal nimmt sie die Vögel auf den Spaziergängen auch mit zu den anderen Tieren. Generell wären aber alle froh, wenn wieder Besucher in den Park kommen dürften - die Wildpark-Mitarbeiter wie Johanna, aber auch alle Tiere in Eekholt.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 12.01.2021 | 19:30 Uhr

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