Stand: 10.04.2019 17:23 Uhr

Zwei Brüder aus dem Norden bauen edle Bassgitarren

Eigentlich sollten Meik und Reiner Dobbratz Tischler werden, ebenso wie Vater Siegfried, bei dem sie das Handwerk von der Pike auf gelernt haben. Stattdessen haben die zwei Brüder aus dem Örtchen Kiebitzreihe (Kreis Steinburg) aber ihr Hobby - die Musik - zum Beruf gemacht. Beim Holz sind sie geblieben. Allerdings bauen sie jetzt für Musiker aus aller Welt edle, handgefertigte Bassgitarren. Le Fay nennt sich das Label, mit dem die Brüder Dobbratz die Musikszene beglücken.

E-Bässe aus Schleswig-Holstein

Die Brüder haben Musik im Blut

Reiner gründete die Firma bereits 1985, sein jüngerer Bruder Meik ist seit der Jahrtausendwende mit an Bord. Beide haben nicht nur das Holzhandwerk sondern auch die Musik im Blut. Sie spielen seit Jahren als Bassist und Schlagzeuger bei diversen Bands und Musikprojekten.

Sie seien keine "Custom-Made-Bauer" für die ganz speziellen Wünsche, erklärt Reiner. Bei ihnen gäbe es keine Bassgitarren etwa in Form eines Feuerlöschers. Es gibt nur vier Grundlinien und insgesamt dreizehn Modelle, die aber offenbar bei den Profis sehr gefragt sind. So sind Le Fay Bässe etwa bei der Funk-Soul-Band Mother's Finest oder auch bei der Band von Herbert Grönemeyer zu finden.

Können nichts anderes, als "in Holz zu machen"

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Meik Dobbratz bearbeitet mit einem Schleifgerät einen Bass-Körber aus jahrelang getrocknetem Eschenholz.

Der Geruch von frisch gehobelter Esche, von gesägtem Nussbaum, von Lack und Leim. Meik Dobbratz steht in seiner Holzwerkstatt mit Schablonen und hochgeschobener Atemmaske vor einer etwa einen halben Meter breiten Bohle. "Gerade sind unsere chinesischen Gäste los. Händler und Musiker aus Hongkong. Dass die in unsere Werkstatt kommen - der Wahnsinn", lacht der 53-Jährige. Sie hätten eigentlich gar nicht anders gekonnt, als "in Holz zu machen", sagt der Ältere und wirft die Bandsäge an.

120 Jahre alt ist das Ding. Ein tonnenschweres Ungetüm. Sie wird angeworfen und wieder ausgemacht. Und man lernt, was Nachlaufzeit ist: Minuten braucht die Säge, bis sie wieder stillsteht. Meik schaut auf die Bohle, die jahrelang im Keller gelagert wurde. Jetzt ist sie herunter getrocknet auf neun Prozent. "Damit fängt immer alles an", sagt er und bewundert die tolle Maserung des Holzes. Er nimmt die Schablonen zur Hand und zeichnet an. Zehn Decken für zehn Bässe will er da rausholen.

Die Brüder arbeiten Hand in Hand

Dann ist die Kettensäge dran. Jede einzelne Decke schneidet der Tischler grob aus dem fünf Zentimeter dicken Holz. Schön langsam, um das edle Stück Holz nur nicht zu verhunzen. Reiner steht da schon an der Bohrmaschine. Im Schraubstock hat er sogenannte Brückenplatten aus Aluminium eingespannt, in die jetzt Gewinde geschnitten werden. Später werden darauf die sogenannten Böckchen montiert, auf den die Saiten aufliegen.

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Ein ganz besonderer Moment: Reiner Dobbratz testet den Klang eines fertig gestellten Basses.

Sie würden alles selbst bauen, sagt Reiner. Fast alles: Die Metallsaiten nicht, die kommen aus den USA. Auch nicht die Mechanik zum Stimmen der Saiten am Gitarrenhals, die sind aus Japan. Aber die Spulen für die Tonabnehmer wickeln sie selbst und auch Leiterplatten löten sie in Handarbeit. Nachdem in die dünnen Holzkörper noch feine Kabelkanäle gefräst und ein Haufen Elektronik untergebracht wurde, geht es zum Lackieren. Nach 25 bis 30 Durchgängen ist Meik mit der Lackierung zufrieden.

Ganz besonders ist der Moment, wenn Reiner die frischen Saiten auf dem nagelneuen Bass das erste Mal stimmt und ihn zum Klingen bringt. Und wer weiß, auf welcher Bühne dieses blaue Schmuckstück demnächst zu sehen ist. Dass Musiker aus aller Welt auf ihre Bässe schwören, ist auch eine Motivation für die Brüder: "Das macht einen stolz. Eine große Halle, tausende Fans - und dein Bass."

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Von Binnenland und Waterkant | 10.04.2019 | 20:05 Uhr

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