Das Imland-Klinikum Eckernförde © Screenshot

Eckernförde: Aus für Geburtsstation der Imland Klinik

Stand: 15.02.2022 15:03 Uhr

Die Imland Klinik in Eckernförde wird in Zukunft nur noch eine Notfall-Ambulanz mit einer psychiatrischen Station, Altersmedizin und einer Inneren Abteilung haben. Dafür hat der Kreistag gestimmt.

Damit ist auch das Aus für die Geburtsstation besiegelt. Eine Wiedereröffnung der Geburtenstation in Eckernförde sei nicht zielführend, sagte Markus Funk, Geschäftsführer der Imland Klinik am Dienstag. Mehr als eineinhalb Stunden hatte der Kreistag am Montagabend über die Zukunft der Imland Klinik debattiert. Das öffentliche Interesse war groß - mehrmals brach der Live-Stream zusammen, weil es zu viele Nutzer gab. Am Ende stimmten 34 für das sogenannte Szenario 5, 24 waren dagegen und eine Person enthielt sich.

Bis zur Umsetzung des Beschlusses wird es noch dauern

Der Umbau des Standortes Eckernförde soll nun zügig vorangehen, so Funk. "Für uns beginnt jetzt so richtig die Arbeit. Das heißt, wir werden jetzt in die Planungen gehen, wie wir in die weitere Umsetzung gehen werden", sagte er. Bis der Beschluss dann wirklich umgesetzt wird, können nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein aber noch Monate, vielleicht sogar Jahre vergehen. Ein Beispiel: Eine Folge der Kreistag-Entscheidung ist, dass die psychiatrische Klinik von Rendsburg nach Eckernförde umziehen soll. 2023 ist der Umzug geplant, in das schon bestehende Krankenhaus-Gebäude. Bis 2027 soll zudem ein Teilersatzneubau für die Psychiatrie entstehen.

Gegner diskutieren über Bürgerentscheid

Landrat Rolf-Oliver Schwemer (CDU) sagte im Anschluss an die Abstimmung, dass es gut sei, dass nach einem Jahr endlich eine Entscheidung gefallen ist. "Die Unsicherheit dauerte nun schon fast ein Jahr", sagte er: "Das hat Patienten verunsichert, und das hat vor allem auch an den Nerven der Beschäftigten der Imland gezerrt." Die Gegner dieser Pläne, die die Klinik in Eckernförde so erhalten wollten wie sie ist, waren enttäuscht. Die Initiative "Geburtsstadt Eckernförde" will sich für ein Bürgerbegehren stark machen, um den Beschluss des Kreistags zu stoppen.

CDU: "Guter Tag für Kreis und Bevölkerung"

Die Entscheidung unterstützt hatte vor allem die CDU-Fraktion. "Ich glaube, für den Kreis und auch für die Bevölkerung ist es ein guter Tag, insbesondere weil es auch eine eindeutige Entscheidung war und keine knappe", sagte Tim Albrecht, Vorsitzender der Kreistagsfraktion.

SPD: Sicherung beider Standorte wurde versprochen

Iris Ploog von der SPD hätte sich eine andere Entscheidung gewünscht: "Das ist eine demokratische Entscheidung, und die müssen wir natürlich hinnehmen." Allerdings werde ihre Fraktion darauf achten, ob die versprochenen Punkte jetzt auch eingehalten werden: "Dazu gehört für mich ganz klar die Standortsicherung beider Standorte."

Wählergemeinschaft: "Das wird die Lebensqualität reduzieren"

"Es gibt viele Aspekte, die nicht geklärt sind", sagte Andreas Höpken von der Wählergemeinschaft WGK. Seine Fraktion hatte erfolglos eine Vertagung der Entscheidung beantragt. Sein Einwand: "Wir reduzieren einfach unsere Versorgungsmöglichkeit. Wir werden immer weniger Krankenhausversorgung haben, und das wird auch die Lebensqualität reduzieren." Er erwartet, dass es zu einem Bürgerentscheid kommen wird.

"Das ist nicht wirklich zu Ende gedacht - jedenfalls was die Geburtshilfe betrifft", kritisiert Anke Bertram, Vorsitzende des Hebammenverbands. "Ich weiß nicht, wo Rendsburg die zusätzlichen Hebammen herbekommen möchte." Es gebe schließlich einen Hebammenmangel. Und die Eckernförder Hebammen hätten klargemacht, dass sie für den Rendsburger Standort nicht zur Verfügung stünden. Klinik-Chef Funk erneuerte sein Angebot an Hebammen und werdende Mütter, die Kinder in Rendsburg zur Welt zu bringen. Die Geburt soll auch weiterhin nach dem Beleg-Hebammen Konzept möglich sein.

Vier Szenarien zur Abstimmung

Vier Szenarien standen im Kreistag zur Abstimmung: Beim sogenannten Szenario 1 sollte alles bleiben, wie es derzeit ist. Szenario 1a sah fast genau so aus, nur mit dem Unterschied, dass die Geburtsstation nach Rendsburg gehen sollte und die Altersmedizin in Eckernförde ausgebaut wird. Eine Chirurgie sollte es nur noch in der Regelarbeitszeit geben, also nur wochentags und nicht nachts.

Das nun von der Kreistagsmehrheit gewählte Szenario 5 (Psychiatrie, Altersmedizin, Notfallambulanz und Innere Medizin in Eckernförde) war auch von der Klinik-Leitung favorisiert worden. Beim Szenario 5a wäre die Innere Medizin weggefallen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 15.02.2022 | 13:00 Uhr

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