Stand: 07.08.2019 20:54 Uhr

Droht ein großes Waldsterben in Schleswig-Holstein?

von Sven Brosda

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Hitze, Dürre und auch der Borkenkäfer machen den Wäldern zu schaffen.

173.000 Hektar Wald gibt es in Schleswig-Holstein, das entspricht ungefähr elf Prozent der gesamten Landesfläche. Mehr als die Hälfte der Wälder ist in privater Hand. Der Verband der Waldbesitzer sagt, den Bäumen in Schleswig-Holstein gehe es schlecht, die Lage sei dramatisch. Laut dem Verbandsvorsitzenden, Hans-Caspar Graf zu Rantzau, sorgen der Klimawandel und die Hitze dafür, dass der Grundwasserspiegel in vielen Regionen in Schleswig-Holstein stark gesunken ist. Die Bäume kommen mit ihren Wurzeln nicht mehr an das Wasser heran und vertrocknen langfristig - vor allem die Wälder auf der schleswig-holsteinischen Geest seien betroffen. Es nütze dann auch nichts mehr, wenn es stark regnet, sagt Graf zu Rantzau. Er vergleicht die Situation mit einem Blumenstrauß, der bereits vertrocknet ist. "Wenn sie den dann stark wässern, kommt die Blüte auch nicht mehr zurück."

Baum der Zukunft gesucht

Damit der Wald vor dem Hintergrund des Klimawandels auch in Zukunft eine Chance hat, müssten neue Arten in Schleswig-Holstein gepflanzt werden, argumentiert der Verbandschef. "Die Baumarten der Zukunft sind unter Umständen aber nicht in Deutschland zu finden, wir müssen dorthin gucken, wo das Klima, dass wir in den nächsten 50 oder 100 Jahren zu erwarten haben, jetzt schon herrscht." Diese Baumarten sollten importiert werden, sagt Graf zu Rantzau. Nur so könne das Ökosystem in Schleswig-Holstein stabil bleiben.

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Der Borkenkäfer macht den Waldbesitzern seit längerer Zeit zu schaffen. Der Schädling hat laut Graf zu Rantzau zur Zeit perfekte Lebensbedingungen, weil die Bäume durch die Dürre stark geschwächt sind. Der Borkenkäfer bohrt sich in die Rinde der Bäume - meistens in Fichten - und unterbricht dadurch den Wasser- und Nährstofftransport. Mit Chemie ließe sich das Problem Borkenkäfer nicht mehr lösen, weil sich der Schädling mittlerweile in ganz Europa ausgebreitet habe, ist sich der Verbandschef sicher. Experten sagen dagegen, die befallenen Bäume müssten schnell aus den Wäldern entfernt und vernichtet werden. So könnte der Borkenkäfer langfristig eingedämmt werden.

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Etwa ein Drittel des schleswig-holsteinischen Waldes gehört den Landesforsten. Auch hier sind die Borkenkäfer die große Bedrohung. Etwa 8.000 Arbeitsstunden haben die Mitarbeiter der Landesforsten damit verbracht, den Schädling zu suchen und die Plage einzudämmen. Es wurde zeitweise eine Urlaubssperre verhängt - mit Erfolg. "Die ganz große Katastrophe wird in Schleswig-Holstein in diesem Jahr in der Fichte nicht stattfinden", ist sich Tim Scherer, Direktor der Landesforsten, sicher.

Dennoch liegen die finanzielle Einbußen, vor allem durch den Borkenkäfer, voraussichtlich bei anderthalb bis zwei Millionen Euro. Laut Scherer befindet sich auch der Landeswald im Klimastress. Gemeinsam mit Landwirtschafts- und Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) zogen die Landesforsten heute in der Försterei Glashütte (Kreis Segeberg) die Bilanz zum Zustand des Waldes gezogen.

Große Sorge um den Landeswald

"Wir blicken mit großen Sorgen in die Zukunft, obwohl wir im Verhältnis zu anderen Bundesländern bezüglich des Waldsterbens oder der diesjährigen Borkenkäferplage bisher vergleichsweise glimpflich davongekommen sind", sagte Scherer. Albrecht wies darauf hin, dass das Land seit längerem bereits versucht den Wald umzubauen, "weil wir in vielen Teilen eben immer noch die Nadel- und Nutzwälder haben, die nicht wirklich darauf eingerichtet sind, dass solche Bedrohungen und solche Klimaveränderungen stattfinden".

Der Minister wies darauf hin, dass dies ein langfristiger Prozess sei, der extrem wichtig ist. Denn mit einem intakten Wald könne die Ursache des Klimawandels angegangen werden, sagte Albrecht. Langfristig will das Land die Waldflächen in Schleswig-Holstein von elf auf zwölf Prozent aufstocken.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 08.08.2019 | 08:00 Uhr

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