Stand: 23.08.2019 15:59 Uhr

Drei Wochen ohne Handy: Schüler stechen in See

von Nils Hansen

Viele Emotionen und gemischte Gefühle hat es am Freitag gegeben, als die "Providentia" in Flensburg auslief. Von "Ich freu mich aufs Segeln und darauf, so lange weg zu sein" bis hin zu "Das ist hart für mich - ich werde meine Freunde und meine Familie total vermissen" reichten die Reaktionen. 14 Schüler der Flensburger Ostseeschule zogen die Taue und hissten die Segel. Sie sind nun auf dem restaurierten Hochseekutter unterwegs. Die Acht- und Neuntklässler fahren drei Wochen lang von Flensburg aus über Bornholm nach Göteborg - und werden dabei auch in den klassischen Schulfächern unterrichtet.

Ein alter Hochseekutter dient als Klassenraum

Verzicht auf Smartphone und Social Media an Bord

Das Betreten des 124 Jahre alten Hochseekutters war nur dank langer Arbeit im Handwerk-Unterricht der Schule möglich. Insgesamt haben rund 140 Schüler den Kutter innerhalb von fünf Jahren restauriert. Angestellte und freie Bootsbauern gaben den Schülern die Anweisungen, um die "Providentia" auf Vordermann zu bringen. Ihr Ziel war es, den alten Hochseekutter als einzigartiges Kulturdenkmal zu restaurieren.

"Die größte Herausforderung ist es nun, dreieinhalb Wochen mit 17 anderen auf einem Schiff zu sein und da die Dinge, die man erlebt, zu verarbeiten", sagte Schulleiter Ulrich Dehn NDR Schleswig-Holstein. Ebenfalls schwierig könne es für die Jugendlichen werden, auf Smartphone und Social Media zu verzichten, so Dehn.

Gruppe hat wochenlange Vorbereitung hinter sich

Jeder der Mitfahrer sollte in seiner Bewerbung für die Fahrt genau beschreiben, mit welchen Talenten er oder sie sich während des Trips in der Gruppe einbringen kann. Schulleiter Dehn vertraut auf seine Schützlinge und auf die wochenlange Vorbereitung.

Von Finkenwerder aus ging es in die eisige Nordsee

Das Schiff, auf dem sich die Schüler befinden, hat seine besten Jahre in Finkenwerder verbracht. Dort war es Teil einer Hochseeflotte und noch bis ins 20. Jahrhundert hinein fast jeden Tag im Einsatz - im Sommer und auch im Winter. Damals gab es einen harten Konkurrenzkampf zwischen den Fischern, deshalb fuhr der Kutter auch bei eisigem Wetter auf die Nordsee zum Fischen. Das hinterließ tiefe Spuren an der "Providentia".

Schlechter Zustand verschreckte potenzielle Käufer

Bis 2012 lag der Hochseekutter auf dem Trockenen. Keiner wollte das marode Schiff haben. Zu viel Arbeit und Schweiß hätte investiert werden müssen, damit die "Providentia" wieder läuft. Die Argumente, die potentielle Käufer abschreckten, zogen Ostseeschulleiter Ulrich Dehn an. Er bekam den maroden Kutter von einem Schiffbauer aus Hamburg geschenkt. Seitdem ist die "Providentia" ein Schulprojekt der Flensburger Ostseeschule.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Horst und Mandy am Morgen | 23.08.2019 | 12:00 Uhr

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