Drei Jahre Haft für Waffensammler aus Winnert

Stand: 07.01.2021 20:09 Uhr

Der Angeklagte soll über Jahre Kriegswaffen, Sprengstoff und anderen Waffen besessen, erworben und verkauft haben. Am Donnerstag wurde er deswegen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und drei Monaten verurteilt.

Mit dem Urteil blieb die Richterin am Flensburger Landgericht unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die hatte zuvor auf vier Jahre und drei Monate plädiert. Der Verteidiger des 41-jährigen Familienvaters aus Winnert (Kreis Nordfriesland) hatte sich in seinem Plädoyer für eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren ausgesprochen.

Richterin sieht Angeklagten "voll schuldfähig"

In ihrer Urteilsbegründung sagte die Vorsitzende Richterin, dass es in jeder Hinsicht ein "außergewöhnliches" Verfahren gewesen sei. Sie erklärte diese Aussage mit der großen Menge an verbotenen Waffen, der besonderen Sammelleidenschaft des Angeklagten, dem unscheinbaren Leben, das er bis dahin hatte, sowie mit dem umfangreichen Geständnis des 41-Jährigen. Er sei voll schuldfähig, so die Richterin. Von seiner Freiheitsstrafe gelten drei Monate bereits als verbüßt. Der Angeklagte aus dem nordfriesischen Winnert nahm das Urteil nach Angaben eines NDR Schleswig-Holstein Reporters mit Fassung auf.

Angeklagter hat gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verstoßen

Bei einer Durchsuchung 2015 hatten Ermittler im Haus des 41-jährigen Mannes große Mengen an Kriegswaffen, Munition und Sprengstoff gefunden. Eine Erlaubnis hatte er nicht. Die Anklage hatte sich verzögert, da Sachverständige generell jeden einzelnen Fund waffenrechtlich einordnen müssen.

Auch 2020 fanden Ermittler Waffen

Im Februar 2020 war erneut eine Durchsuchung bei dem Mann durchgeführt worden. Und wieder wurden Waffen im Privathaus und einer Scheune gefunden - darunter unter anderem TNT-Sprengstoff, Panzerfäuste und Maschinengewehre. Er soll die Waffen nicht nur erworben und besessen, sondern auch mit ihnen gehandelt haben. Die Ermittler entdeckten auch Devotionalien aus dem Nationalsozialismus. Laut Gericht ist von dem Angeklagten aber keine extremistische Gesinnung bekannt. Weil er nach den ersten Funden 2015 aber weiter sammelte, sei eine Bewährungsstrafe nicht in Frage gekommen, so das Gericht.

Angeklagter war sofort geständig

Am ersten Prozesstag dauerte allein die Verlesung der Anklageschrift etwa 70 Minuten. Alle einzelnen Funde wurden akribisch aufgelistet: Waffen, Sprengstoff, Munition, Patronen. Der Angeklagte zeigte sich gesprächsbereit. Er beschrieb, wie seine Sammelleidenschaft immer exzessiver geworden sei. Ihn habe das Verbotene gereizt. Er bewundere auch die handwerkliche Verarbeitung der alten Waffen. "Ich habe jahrelang dafür gelebt", sagte der 41-Jährige und bewies bei Nachfragen seine Fachkenntnis. Vor seiner Partnerin aber habe er versucht, die Sammlung zu verstecken.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 07.01.2021 | 14:00 Uhr

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