Stand: 17.08.2018 12:42 Uhr

Digitalisierung verändert die Arbeitswelt - aber wie?

Viele Experten diskutierten über Chancen und Risiken der digitalen Welt und was sich in der Arbeitswelt dadurch ändert - oder welche Jobs es weiter geben wird oder gar der Digitalisierung zum Opfer fallen. Schleswig-Holsteins Arbeitsminister Bernd Buchholz (FDP) appelliert an Unternehmen und Beschäftigte im Norden, den digitalen Wandel der Arbeitswelt ernst zu nehmen und mit zu gestalten. Anlass dafür sind Studien über die Folgen der Digitalisierung für den Arbeitsmarkt. Der Kieler Fachhochschul-Professor Björn Christensen hat für das Wirtschaftsministerium eine Auswahl an aktuellen Untersuchungen verglichen und ausgewertet. Demnach sind tiefgreifende Veränderungen für Arbeitsprozesse und Berufsbilder unstrittig.

Professor: "Es hängt davon ab, wie man mit dem Wandel umgeht"

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Der Kieler Fachhochschul-Professor Björn Christensen

Der digitale Wandel an sich sei unumkehrbar. "Es hängt davon ab, wie man mit dem Wandel umgeht, ob es dann eine Chance ist oder eine Bedrohung", sagt Christensen. Arbeitsplatzverluste würden aber nicht so stark ausfallen, wie immer wieder öffentlich debattiert werde, so der Professor und ergänzt: "Man betrachtet dabei nicht, welche Chancen der Wandel bietet, welche neuen Arbeitsplätze und welche zusätzlichen Tätigkeiten entstehen." Laut Christensens Studie kann aber nicht abschließend geklärt werden, welche Beschäftigungseffekte von der fortschreitenden Digitalisierung zu erwarten sind. So mangelt es an belastbaren Daten und Fakten, um ein ausgewogenes Bild vom digitalen Wandel und seinen Folgen zu erstellen.

Buchholz: Anschluss nicht verpassen

Wie für Christensen ist auch für Buchholz der digitale Wandel unumkehrbar. Für Politik und Wirtschaft heißt das laut dem Arbeitsminister, den Strukturumbruch anzunehmen. Konkret bedeutet das: Glasfasernetz ausbauen, Lernen in Schule und Beruf neu ausrichten, Eigeninitiative von Unternehmen und Beschäftigten fördern. Geld für Beratung und Weiterbildung seien vorhanden. Der Norden verfolge die richtigen Zielmarken, sagt Buchholz. Doch der Minister warnt davor, international den Anschluss zu verpassen. Er appelliert an betrieblichen Wagemut und verspricht, von den aufgestockten Finanzmitteln des Bundes für den Glasfaserausbau eine erhebliche Summe ins Land zu holen.

DGB Nord kritisiert ständige Verfügbarkeit

Der digitale Fortschritt belaste die Arbeitnehmer zunehmend, erklärt Ingo Schlüter, der stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds Nord (DGB Nord). "Man ist immer wieder geneigt, auch außerhalb der Arbeitszeit auf sein Smartphone zu gucken und dann möglicherweise schnell wieder eine Terminbestätigung oder eine Auftragsbestätigung entgegenzunehmen." Schlüter warnt davor, den Arbeitsschutz zu vernachlässigen, "also Entgrenzung von Arbeit, Arbeitszeiten. Das alles findet kaum statt."

UV Nord: Zu wenig Experten

Der Verband der Arbeitgeber im Norden, der UV Nord, sieht auch die Arbeitgeber in der Pflicht. Ein Sprecher sieht die Schwierigkeiten des digitalen Fortschritts vor allem im Fachkräftemangel und sagt, dass aber auch die schulische und die fachliche Ausbildung noch stärker auf den Wandel zugeschnitten werden müssten.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 17.08.2018 | 07:00 Uhr

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