Der lange Weg zur digitalisierten Schule

Stand: 22.01.2021 10:18 Uhr

Besonders seit Beginn der Corona-Pandemie ist Digitalisierung an Schulen ein großes Thema. Teilweise gibt es Fortschritte, teilweise Nachholbedarf. Nicht nur die Bürokratie ist dabei eine Herausforderung.

Schon 2019 hat der Bund beschlossen, den Schulen bei der Digitalisierung des Unterrichts mit fünf Milliarden Euro Fördergeldern zu helfen. Für Schulen ist es aber alles andere als einfach, diese Gelder in Anspruch zu nehmen. Wenn der Bescheid endlich da ist, geht die Arbeit erst richtig los. Selbst für Bildungsstätten, wie das Berufsbildungszentrum (BBZ) in Norderstedt, das in Sachen Digitalisierung schon lange vorne dabei ist, ist es eine tägliche Herausforderung.

Berufsbildungszentrum in Norderstedt ist gut davor

Knapp 3.200 Schülerinnen und Schüler gehen am BZZ Norderstedt zur Berufsschule oder aufs Gymnasium. Derzeit steht zwar Corona-bedingt Homeschooling auf der Tagesordnung, sonst gibt es hier aber IT-Stunden und sogar ein eigenes Digitalbüro. Der Unterricht ist stark praxisorientiert. Deswegen hat Schulleiterin Ina Bogalski schon lange vor Corona begonnen, ihre Schule zu digitalisieren. Trotzdem kämpft sie täglich mit der Bürokratie, denn Fördergelder fließen nur mit Entwicklungs-, Fortbildungs- und Wartungskonzept.

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Mit Bewilligung von Fördergeldern tun sich neue Baustellen auf

Aktuell hat die Schulleiterin 200.000 Euro Fördergelder für neue Endgeräte bewilligt bekommen. Das Problem: Sie müssen alle auch an den Strom angeschlossen werden. "In diesem Klassenraum haben wir drei Steckdosen. Das reicht natürlich nicht", sagt Bogalski. Wenn alle Lernenden ihr eigenes Endgerät nutzen sollen und man von einem Acht-Stunden-Tag ausgeht, dann geht die Rechnung nicht auf. Eigentlich seien laut Bogalski 15 Steckdosen pro Klassenzimmer vonnöten. Kostenpunkt: 600.000 Euro. Dafür gibt es aber keine Fördergelder. Der Kreis Segeberg will die Kosten als Schulträger übernehmen, kleine Gemeinden oder Städte haben das Geld oft nicht.

Schulungen von Lehrkräften helfen bei Digitalisierung

Eine weitere Herausforderung: Wenn die Schule neue Technik anschafft, müssen die Lehrkräfte damit auch umgehen können. Welches Kabel kommt wo hin? Welche Schnittstelle ist wofür? Was gibt es für Einstellungsmöglichkeiten? Um all diese Fragen beantworten zu können, organisiert die Rektorin einmal pro Monat Schulungen. "Das läuft natürlich nebenbei - nachmittags oder ab mittags, wenn der normale Unterricht vorbei ist." Das Homeschooling funktioniere auch deswegen gut, sagt Bogalski. Doch Ausgleichsstunden bekommen die Lehrerinnen und Lehrer dafür nicht.

Im Sommer hat die Schulleitung 240 neue Laptops bestellt, um die Schülerinnen und Schüler im Homeschooling zu unterstützen. Der Liefertermin verschiebt sich seit Monaten. Bogalski hofft jetzt auf Mitte Februar.

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