Ralf Brendle zeigt Kindergartenkindern etwas auf einem Laptop. © NDR Foto: Hauke von Hallern

Digitalisierung: Lübeck wird zur "Smart City"

Stand: 24.10.2020 06:00 Uhr

Der Verein "Energiecluster Digitales Lübeck" will die Stadt digitalisieren. 43 Köpfe aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft haben sich im vergangenen Jahr zusammengetan und wollen Lübeck zur "Smart City" entwickeln.

von Hauke von Hallern

Ein intelligenter Nahverkehr, kostenloses W-LAN in der Fußgängerzone, oder per Smartphone-App Parkplätze finden: Der Verband der Digitalwirtschaft Bitkom hat in einer Studie die Digitalisierung deutscher Städte untersucht. Lübeck landete in diesem Jahr auf Platz 38 der smartesten Städte Deutschlands. Die Hansestadt machte im Vergleich zum Vorjahr 29 Plätze gut und wurde zum Aufsteiger des Jahres gekürt.
Der Verein Energiecluster Digitales Lübeck will die Stadt in den kommenden Jahren in die Top Ten bringen. Dazu hat der Verein gerade 13,5 Millionen Euro Fördergelder des Bundes eingeworben. Zum Energiecluster gehören unter anderem die Universität Lübeck, die Stadtwerke und die Sparkassenstiftung. Die Idee hatte Lübecks neuer Bürgermeister Jan Lindenau (SPD). Zurzeit verfolgen sie vier Projekte.

Sensoren messen die Raumluft in einer "Smart Kita"

Ein gutes Klima in den Räumen von Kitas ist wichtig damit sich Kinder und Erzieher wohlfühlen. Die Stadtwerke Lübeck haben dazu ein Konzept entwickelt, in dem Sensoren laufend Temperatur, Luftqualität, Lautstärke und Helligkeit erfassen. Die Daten werden anonym und verschlüsselt auf einen Server der Stadtwerke übertragen. Im ersten Schritt gehe es darum die Funktionsfähigkeit der Messtechnik und der zuverlässigen Datenübertragung zu testen, erklärt der Leiter des Projektes Smart Kita Ralf Brendle von den Stadtwerken. "Denkbar sind später auch pädagogische Experimente für Kinder zu den Themen Umwelt, Wetter, Klima und Temperatur", so Brendle. Im Einsatz sind die Sensoren in der Pilot-Kita Hallandhaus in Lübeck. Die intelligente Kita soll nach den Vorstellungen des Energieclusters erst der Anfang sein. Die Technik soll ausreifen und dann auch woanders zum Einsatz kommen - in Arztpraxen, Schulen oder Seminarräumen. Dort soll sie zu einem gesunden Raumklima beitragen.

Mit dem Smartphone einen freien Parkplatz finden

Enge schmale Gassen, wenig Platz und viele Brücken zur Altstadtinsel: Die Stadt Lübeck ist schon historisch bedingt anfällig für Verkehrsprobleme. Die Suche nach freien Parkplätzen trage erheblich dazu bei, ist sich Thomas Waldner, Sprecher des Energieclusters, sicher. Die Folge: Staus, Lärm und Schadstoffe. Dies sei eine Belastung nicht nur für die Umwelt, auch für die Lübecker Bürger. Das Unternehmen TraveKom hat deshalb 150 Sensoren auf Parkplätzen installiert. Auch der mit 49 Wohnmobilstellplätze großflächigste Parkplatz "Am Fischereihafen" wurde mit der neuen Technik ausgestattet. Die Verkehrsdaten werden gesammelt und sollen Autofahrer künftig über freie Parkplätze informieren. Von kommenden Mittwoch (28.10.2020) an sind die Daten unter parken-luebeck.de abrufbar. Die Technik soll unter anderem in der Hochsaison die Touristenströme besser lenken und Besuchern schon bei der Anreise den Stress einer langwierigen Parkplatzsuche ersparen. "Später könnten die Daten von der Homepage auch in eine App überführt werden", erklärt Waldner. So würden die Daten auch über Smartphones einfach abrufbar sein.

LÜMO - die Taxi-Alternative für die Lübecker

Ein weiterer Ansatz des Energieclusters Lübecks Verkehrsprobleme zu lösen ist es den Nahverkehr zu stärken. Mehr Autofahrer sollen auf den Nahverkehr umsteigen. Dazu wurde mit LÜMO ein sogenanntes Ridesharing-Angebot eingerichtet. Es bringt mehrere Fahrgäste mit unterschiedlichen Zielen ohne festen Fahrplan von Haustür zu Haustür. Bestellt und bezahlt wird per App. Bis zu 250 Fahrgäste nutzen LÜMO jeden Monat. Mit dem Projekt In2Lübeck will das Energiecluster Ridesharing-Modelle wie LÜMOwissenschaftlich erforschen. Das Projekt wird gemeinsam vom Stadtverkehr, der Universität Lübeck und der Hansestadt durchgeführt. "Damit das Projekt erfolgreich sein kann, müssen wir verstehen, wie die Menschen mit ihrer Mobilität umgehen", erklärt Thomas Franke vom Institut für Multimediale und Interaktive Systeme. Mobilität sei letztlich eine Ressource wie Zeit und Geld. Schwerpunkt der Forschung wird die Frage sein, wie sich die Lübecker ein modernes Ridesharing-Angebot vorstellen und wie es zugeschnitten sein könnte. Nutzen den Service auch älteren Menschen? Wie genau wird Ridesharing genutzt? Wird LÜMO ein Zubringer zum Linienverkehr sein oder ihn zu bestimmten Zeiten und in bestimmen Gebieten ersetzen? Auch andere Kommunen sollen von der Forschungsarbeit profitieren.

Digitalisierung von Schulen

Auch die Lübecker Schulen sollen bei der Digitalisierung vorankommen. Dafür wollen die Stadtwerke an allen Schulen die nötige Infrastruktur und Hardware bereitstellen und auch das nötige Wissen vermitteln, wie Lehrer und Schüler mit der digitalen Technologie umgehen. Ende des Monats sollen als erster Schritt 2.700 Tablets und Notebooks an den Schulen verteilt werden. Die Schulen können sie an Schüler ausleihen, die keine eigenen Geräte besitzen. Für die Zukunft soll die IT der Schulen zentral betreut werden. Lehrer können sich dann bei Technik-Problemen an eine zentrale Hotline wenden und müssen sie nicht mehr im Alleingang lösen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 27.10.2020 | 16:30 Uhr

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