Stand: 21.10.2019 20:26 Uhr

Die wichtigsten Themen im Kieler Wahlkampf

von Cassandra Arden

Kiel ist die größte Stadt Schleswig-Holsteins - und wächst noch. Das bringt eine Reihe von politischen Herausforderungen mit sich.

Kiel ist die größte Stadt in Schleswig-Holstein. Wie bei vielen Großstädten hat das Vor- und Nachteile. Kiel ist eine Wissenschaftsstadt mit mehreren zehntausend Studenten, Sitz des Landtages, Heimat einer der größten deutschen Werften und Tor nach Skandinavien. Viele Themen werden vor der Oberbürgermeisterwahl am 27. Oktober heiß diskutiert, drei Hauptthemen beschäftigen Bürger und Politiker aber besonders stark.

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Oberbürgermeister-Wahl in Kiel: Auszählung läuft

27.10.2019 18:00 Uhr

Wer macht das Rennen um den Chefsessel im Kieler Rathaus? Fast 200.000 Kieler waren aufgerufen, heute den Oberbürgermeister zu wählen. Die Wahllokale sind geschlossen, die Auszählung läuft. mehr

In der Landeshauptstadt leben nach den jüngsten Zahlen der Einwohnermeldestelle zurzeit 247.132 Bürger, verteilt auf 30 Stadtteile. Anfang der 2000er Jahre waren es noch rund 17.000 Menschen weniger. Die Stadt wächst - und damit braucht sie mehr Wohnungen. Ein Thema, das viele Kieler sehr beschäftigt: bezahlbare Wohnungen. Aber auch Klimaschutz und der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) spielen im Wahlkampf eine wichtige Rolle.

Was ist mit bezahlbarem Wohnraum?

Egal ob Studenten, Zugezogene, Singles oder Familien - Wohnraum wird gleichermaßen händeringend gesucht. Der Wohnungsmarkt in Kiel ist angespannt. Nach Angaben der Stadt wird für die Jahre bis 2025 noch einmal ein Einwohnerzuwachs von 10.000 Menschen erwartet. Rund 9.000 neue Wohneinheiten seien nötig.

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Für mehr Wohnungen: Regierung will Bauregeln lockern

15.05.2019 13:00 Uhr

Änderungen in der Landesbauordnung sollen dazu beitragen, dass in Städten mehr günstiger Wohnraum entsteht, hofft die Landesregierung. Über diesen Plan hat der Landtag diskutiert. mehr

Das Bündnis für bezahlbaren Wohnraum spricht davon, dass in den vergangenen 20 Jahren 11.000 kommunale Wohnungen verkauft wurden und seither keine soziale Wohnungspolitik stattgefunden habe. Der Bestand an sozialen Wohnungen sei um mehr als die Hälfte gesunken. Nun werden nach Angaben des Mietervereins mindestens 13.000 Wohnungen benötigt, die bezahlbar sind.

Björn Thoroe kandidiert für die Linke für das Amt des Kieler Oberbürgermeisters (OB). Er findet, Neubauprojekte sollten zu mindestens 50 Prozent Sozialwohnungen enthalten. Ähnlich sieht es Andreas Ellendt, der für die CDU antritt. Er hält 30 Prozent sozialen Wohnungsbau bei neuen Projekten für angemessen. Der amtierende Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) macht sich für eine Wohnungsbaugesellschaft in kommunaler Hand stark - langfristig sollen so 4.000 bezahlbare Wohnungen entstehen. Außerdem will er neue Stadtteile im Kieler Süden, an der Uni und auf dem ehemaligen Militärgelände in Holtenau (MFG5) entstehen lassen. Florian Wrobel hält es für das Beste, den Theodor-Heuss-Ring zu überdachen, um so neuen Platz für Wohnraum zu schaffen. Wrobel tritt für die satirische Partei Die Partei an.

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Kandidaten im Check: Andreas Ellendt, CDU

Andreas Ellendt von der CDU ist promovierter Chemiker. Seit zehn Jahren unterrichtet er in der Kieler Gelehrtenschule. Der 57-Jährige will Oberbürgermeister von Kiel werden. Video (02:04 min)

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Kandidaten im Check: Ulf Kämpfer, SPD

Seit 2014 ist SPD-Politiker Ulf Kämpfer in Kiel Oberbürgermeister. Der 47-jährige Jurist will im Amt bleiben und mit seinen Leistungen der vergangenen fünf Jahre für sich werben. Video (02:04 min)

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Kandidaten im Check: Florian Wrobel, Die Partei

Florian Wrobel ist 27 Jahre alt und will Oberbürgermeister der Stadt Kiel werden. Er studiert soziale Arbeit an der Fachhochschule in der Landeshauptstadt und geht für die satirische Partei ins Rennen. Video (02:04 min)

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Kandidaten im Check: Björn Thoroe, Die Linke

Björn Thoroe tritt für Die Linke bei der Oberbürgermeisterwahl in Kiel an. Dem 35-Jährigen liegt vor allem günstiger Wohnraum am Herzen, aber auch eine autofreie Stadt. Video (02:04 min)

Was ist mit dem Klimaschutz?

Der vielbefahrene Theodor-Heuss-Ring sorgt wegen überhöhter Abgaswerte seit langem für Negativschlagzeilen. Die Konzentration an Schadstoffen, wie Feinstaub und Stickoxide, überschreitet regelmäßig die erlaubten Grenzwerte. Lösungsansätze reichen von Absauganlagen über Tempolimits bis hin zu Straßensperrungen für Dieselfahrzeuge. Im Mai dieses Jahres hat die Ratsversammlung den Klima-Notstand ausgerufen. Damit verpflichtet sich die Stadt, dass bei allen Entscheidungen auf den Klimaschutz geachtet wird.

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Kieler Stadtrat hat den Klimanotstand ausgerufen

16.05.2019 15:00 Uhr

Als eine der ersten Städte in Deutschland hat Kiel den sogenannten Klimanotstand ausrufen. Dadurch soll künftig bei allen Beschlüssen der Stadt der Klimaschutz im Vordergrund stehen. mehr

Florian Wrobel erklärt, durch das Überdachen des Theodor-Heuss-Rings würde auch das Luftproblem gelöst. Denn nach seinen Worten könnte ein Filtersystem dafür sorgen, dass Frischluft aus dem Tunnel herauskommt. Das Überdachungskonzept würde er auf die ganze B76 ausweiten, wenn es sich als rentabel erweise, meint der 27-Jährige.

Ulf Kämpfer hat sich immer gegen Dieselfahrverbote ausgesprochen und stattdessen eine Absauganlage an der Straße installiert. Davon würde Andreas Ellendt mehrere aufstellen lassen. Außerdem ist er der Meinung, ein Umdenken hin zu einem klimafreundlicheren Verhalten müsse schon in der Schule viel stärker thematisiert und vermittelt werden. Björn Thoroe möchte den Theodor-Heuss-Ring auf einer Spur sperren lassen - alle vierspurigen Straßen, will er auf zwei Fahrbahnen reduzieren.

Was ist mit dem ÖPNV?

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Verkehrsbetriebe in SH wollen auf E-Busse setzen

21.03.2019 07:00 Uhr

In Zukunft sollen die Busse im Land einen Elektroantrieb haben. Das ist das Ergebnis einer NDR Umfrage unter den Verkehrsbetrieben im Land. Das Problem: Die Busse sind teuer. mehr

Eng verwoben mit dem Wunsch nach besserer Luft, Klimaschutz und weniger Verkehr ist die Frage: Wie soll der öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in Kiel in Zukunft aussehen. Hybridbusse fahren bereits, die Kieler Verkehrsgesellschaft (KVG) will bald auch E-Busse einsetzen. Nach Angaben der KVG sollen Mitte März 2020 die ersten E-Busse geliefert werden. Insgesamt sollen es 36 sein, die ab 2021 durch Kiel fahren. Aber immer lauter werden auch Forderungen nach günstigeren Buspreisen. Nach dem Willen von SPD, Grünen und der FDP in der Kieler Ratsversammlung soll ein Finanzierungskonzept für ein Ein-Euro-Ticket in Angriff genommen werden.

Für ein Ein-Euro-Tages-Ticket will sich auch Björn Thoroe einsetzen, genauso wie für eine Stadtbahn. Das ist auch das Ziel des amtierenden OB Kämpfer, der außerdem die Investitionen in die Fahrrad-Infrastruktur verdoppeln möchte. Florian Wrobel will den ÖPNV langfristig kostenlos und komplett barrierefrei machen. Kurzfristig will er zudem die Strafen für Schwarzfahrer auf einen Euro reduzieren. Andreas Ellendt verspricht, für mehr direkte Busverbindungen zwischen den Stadtteilen zu sorgen. Außerdem findet er ein 365-Euro-Jahresticket sinnvoll - so könnte der ÖPNV für umgerechnet einen Euro pro Tag genutzt werden.

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OB-Wahl: Kiel hat gewählt

Kiel hat einen neuen Oberbürgermeister gewählt. Im Dossier von NDR.de finden Sie alles Wissenswerte über den Wahlabend, die Kandidaten, Videos und Hintergründe. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 27.10.2019 | 18:00 Uhr

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