Stand: 08.10.2018 18:00 Uhr

Die Idee hinter "Politik trifft auf Realität"

von Lucie Kluth

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Spitzenpolitiker des Landes treffen gewöhnliche Menschen aus Schleswig-Holstein an einem ihnen vorher nicht bekannten Ort.

Weiß der Landesbauminister, wie schwierig es gerade ist, eine bezahlbare Zwei-Zimmer-Wohnung in Kiel zu bekommen? Was antwortet ein eingesessener SPD-Vorsitzender einer Frau, die trotz jahrelanger Arbeit nur eine Mini-Rente bekommt? Wie verhält sich ein grüner Landwirtschaftsminister im Stall einer konventionellen Schweinelandwirtin? Für NDR Schleswig-Holstein haben meine Kollegin Linnéa Kviske und ich, Lucie Kluth, uns diese Fragen gestellt. Herausgekommen ist die Reihe "Politik trifft auf Realität".

Für Zufälle ist im Politiker-Alltag kaum Platz

Meistens erleben auch wir Journalisten Politiker nur in ihrer gewohnten Umgebung: Parlament, Fraktion, Parteitage. Ihre Arbeitstage sind zeitlich sehr eng getaktet, die Worte mit Bedacht gewählt - dem Zufall wird da selten etwas überlassen. Natürlich gibt es auch Ortstermine. Aber da fehlt meistens die Zeit, sich wirklich lange und ausführlich miteinander zu unterhalten.

Ziel: Menschen und Geschichten kennenlernen

Dabei entscheidet Politik über die Lebensrealität der Menschen - es ist wichtig, dass die Minister und Parlamentarier nicht nur aus Statistiken wissen, wie viele Alleinerziehende es im Land gibt. Sie sollten auch ein paar dieser Menschen und deren Geschichten kennenlernen. Gerade in Zeiten, in denen gerne von "denen da oben" gesprochen wird und sich einige Bürger nicht mehr wirklich vertreten fühlen.

Der Politiker bekommt höchstens ein Stichwort

Mit unserem Interviewformat versuchen wir, Mechanismen der perfekt organisierten Politikerwelt aufzubrechen. Wir haben Anfragen an die Ministerien und Fraktionen gestellt - und zwar mit diesen Bedingungen: Der Politiker erfährt nicht, welchen Menschen er an welchem Ort trifft. Zum Thema des Gesprächs gibt es maximal ein Stichwort. Und wir brauchen fast vier Stunden Zeit.

Fünf Zusagen - AfD sagt ab

So schwer war es gar nicht. Alle angeschriebenen Politiker fanden die Idee spannend. Lars Harms (SSW), Ralf Stegner (SPD), Bernd Buchholz (FDP), Hans-Joachim Grote (CDU) und Jan Philipp Albrecht (Grüne) sagten zu. Der AfD-Fraktionsvorsitzende Jörg Nobis entschied sich nach einer Bedenkzeit, nicht teilzunehmen.

Gesucht waren: Schleswig-Holsteiner mit Mut

Genauso wichtig wie Politiker sind für die Reihe aber auch Schleswig-Holsteiner, die Lust und Mut haben, sich vor die Kamera zu stellen und mal eben einem Politiker auf den Zahn zu fühlen. Denn auch das ist die Realität: Politiker wissen, wie sie sich in Medien geben müssen. Nicht-Politikern kann so eine Kamera auch mal Angst machen.

Weiteres Interview mit ein paar Tagen Abstand

Herausgekommen sind fünf außergewöhnliche Blind-Dates - zwischen Spitzenpolitikern des Landes und Menschen aus dem nördlichsten Bundesland. Nach dem Dreh haben wir ein paar Tage ins Land gehen lassen, ehe wir einige der Nicht-Politiker für NDR.de noch einmal interviewt haben. Wir wollten unter anderem wissen, wie das Treffen zwischen Politik und Realität aus ihrer Sicht gelaufen ist und ob sie glauben, dass sie im Politiker etwas ausgelöst haben.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 08.10.2018 | 19:30 Uhr

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