Stand: 21.11.2019 16:18 Uhr

Für mehr Fische: Angeln mit Stromschlägen

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Bernhard Röder (l.) und Torsten Michaelsen vom AV Forelle setzen das Wasser an bestimmten Stellen unter Strom, betäuben so die Fische und fangen sie mit den Netzen ein.

Von Oktober bis März ist Schonzeit für die Fische - das heißt: Angelverbot auch in Schleswig-Holsteins Gewässern. Der Grund: Im Oktober beginnt die Laichzeit der Forellen und Lachse, die bis Dezember andauert. Eine Ausnahme gibt es allerdings für die Angler vom Verein AV Forelle in Bad Bramstedt (Kreis Segeberg). Sie haben einen Auftrag, der dafür sorgen soll, dass es in den Auen auch in Zukunft noch Fische gibt. Dafür ist die Laichzeit ideal. Deswegen angeln sie - aber ohne Haken.

"Sonst würden die Fische in den Auen aussterben"

Der Angelverein gehört zur "Arbeitsgemeinschaft zur Wiedereinbürgerung von Meerforellen und Lachsen" im Dienste des Landesfischereiministeriums in Kiel. Die Angler helfen ehrenamtlich dabei, die Fischpopulation in den Auen stabil zu halten. Deswegen wird jeden Sonnabend um 7 Uhr in der Bramau, Osterau und Schmalfelder Au gefischt. "Wir machen das, damit die Lachse und Meer- und Bachforellen weiterhin Bestand haben. Wenn wir das nicht tun würden, würden die Fische irgendwann in den Auen aussterben", sagt Bernhard Röder vom AV Forelle.

Gummikleidung schützt vor Stromschlägen

Die Angler benutzen bei ihrer Arbeit eine spezielle Methode - das sogenannte Elektrofischen. Dabei geben sie Stromschläge ins Wasser ab, maximal 600 Volt in einem Durchmesser von ein paar Metern. Für dieses Elektrofischen brauchen die Angler eine besondere Ausbildung und Schutzkleidung in Form von Gummihose und Gummihandschuhen.

Ein Fisch im Fischernetz.

Elektrofischen für den Arterhalt

Schleswig-Holstein Magazin -

Die Mitglieder des Angelvereines AV Forelle fangen Forellen und Lachse für die Zucht. Ihre Methode: Elektrofischen. Ihr Gebiet: Bramau, Osterau und Schmalfelder Au.

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Fischlaich kommt ins Bruthaus

Durch den Strom werden die Lachse und Meerforellen ganz kurz betäubt und können so aus dem Wasser geholt werden. Die gefangenen Männchen werden nach Entnahme der Samen vor Ort gechipt, gewogen und direkt wieder ins Wasser gelassen. Die Weibchen kommen dann mit zur Brutanlage. Der Ort ist geheim, weil die Fischer befürchten, dass die Fische "geklaut" werden. In diesem Bruthaus bleiben die Weibchen bis sie abgelaicht haben. Dann kommen sie sofort zurück ins Wasser, ebenfalls gechipt und gewogen. Mit diesen Daten verfolgen und beobachten die Angler die Entwicklung und den Weg der Fische genau.

Mehr Eier überleben - und damit mehr Fische

Die Brutanlage hat Platz für bis zu 200.000 Eier. Hier überleben wesentlich mehr als in freier Wildbahn, wo viele Fische auch den Laich fressen. Nach einem halben Jahr werden die kleinen Fische dann freigelassen - in den Auen, in denen ihre Eltern entnommen wurden.

"Wir tun etwas für den Artenerhalt"

Röder weiß, dass Elektrofischen bei Naturschützern umstritten ist. Allerdings gilt das seiner Meinung nach nur für Fischer, die mit dieser Methode Geld verdienen und die Fische in großer Zahl aus dem Wasser holen. Er selbst habe bislang nur positives Feedback bekommen. "Das ist wirklich ein großer Unterschied zu den großen Fischern, die das Elektroangeln betreiben. Bei uns sind die Fische wirklich nur sehr kurz betäubt, so bald ich den Fuß vom Schalter nehme, ist alles vorbei. Wir sind keine Fischräuber. Im Gegenteil: Wir tun etwas für den Artenerhalt."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 21.11.2019 | 19:30 Uhr

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