Stand: 14.02.2019 17:39 Uhr

Die Diskussion um den Wolf spaltet die Koalition

Wolf gegen Schafe, Tierschützer gegen Nutztierhalter und jetzt offenbar auch Koalitionspartner gegen Koalitionspartner: Es knirscht an einigen Ecken im Landeshaus. Der Wolf sorgt für Spannungen in der eigentlich so friedlichen Jamaika-Koalition. Hintergrund sind die Pläne von Umwelt- und Landwirtschaftsminister Jan Philipp Albrecht (Grüne), dass Schafhalter ihre Tiere in den Kreisen Dithmarschen, Steinburg, Pinneberg und Segeberg künftig mit Elektro-Zäunen schützen müssen.

Es rumort in der Jamaika-Koalition

Dieser Vorstoß sorgt nicht nur unter den Schäfern für Unverständnis. Auch die Koalitionspartner hatten sich das alles anders vorgestellt. Der CDU-Landtagsabgeordnete Heiner Rickers sagt es deutlich: Es rumort in der Jamaika-Koalition. Er hält es für die falsche Entscheidung, die Pläne zu veröffentlichen, ohne vorab mit den Schäfern gesprochen zu haben.

Parteikollege und Fraktionsvorsitzender Tobias Koch hat vor allem die Kosten für die Elektro-Zäune im Blick: "Tatsächlich sprechen wir am Ende schon über zweistellige, wenn nicht sogar dreistellige Millionenbeträge, wenn man neben Schafen auch Rinder und Pferde einzäunen würde. Das ist für mich schwer vorstellbar, dass man derartige Größen an Mitteln aufwendet", so Koch.

"Man kann nicht das ganze Land einzäunen"

Beim Koalitionspartner FDP heißt es vom Landtagsabgeordneten Oliver Kumbartzky, man könne nicht das ganze Land einzäunen. Das sei sowohl eine Kosten- als auch Artenschutz-Frage. "Ich fordere einen Umgang mit dem Wolf, der gemeinsam mit den Weidetierhaltern erarbeitet und umgesetzt wird", so Kumbartzky. "Der heftige Protest von Schäfern und Tierhaltern zeigt, dass bei dem aktuellen Konzept über Nachbesserungsmöglichkeiten definitiv gesprochen werden muss. Insbesondere die Ausweisung von Wolfspräventionsgebieten bedeutet einen zusätzlichen Nachteil für Landwirte, aber auch für Wildtiere."

Problem auf Bundesebene angehen

Zudem fordert der FDP-Politiker, das Problem auf Bundesebene anzugehen: "Vor dem Hintergrund der stark steigenden Wolfspopulation in Deutschland und Europa bin ich nach wie vor der Meinung, dass wir auf Bundes- und Europaebene den Rechtsrahmen für den Wolf ändern müssen, um dessen Bestand zu regulieren", sagt Kumbartzky.

Am Freitag tagt in Kiel ein Runder Tisch zum Thema Wolf. Neben Vertretern des Umweltministeriums und des Landesamts für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume werden auch Schafhalter dabei sein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 14.02.2019 | 18:00 Uhr

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