Stand: 05.11.2018 20:11 Uhr

Die Debatte um den Wolf wird hitziger

Das Wolfsproblem beschäftigt zunehmend die Tierhalter und die Politik in Schleswig-Holstein. Es gebe schon etwa 50 nachgewiesene Risse durch die Tiere in diesem Jahr, sagte am Montag Martin Schmidt vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR). Es gebe immer eine genetische Untersuchung der Spuren und die dauere ungefähr drei Wochen. Dann erst wisse man genau, ob der "Täter" ein hungriger Wolf oder ein wildernder Hund war. Nach Angaben des LLUR gab es in Schleswig-Holstein 119 Wolfsnachweise seit 2007, davon 71 in diesem Jahr.

Oft tappten die Wölfe in eine Fotofalle oder hinterließen andere, harmlose Spuren. Doch in 74 Fällen drangen hungrige Wölfe in Schafkoppeln ein, um ihren Hunger zu stillen. Etwa 50 Mal in diesem Jahr, sagte Schmidt. Und konkretisierte: "Das ist die Zahl der Ereignisse, nicht die Zahl der toten Tiere." Deren Zahl könne man nur schätzen. "Denn auch Tiere, die eingeschläfert werden müssen, zählen dazu." Insgesamt gehen seit 2007 auf das Konto von Wölfen zwischen ein- und zweihundert tote Schafe, vermutete Schmidt. Denn meist tötet der Wolf nur ein Schaf, manchmal auch zwei. "Nur in ganz seltenen Fällen sind es Dutzende."

Vermeintlicher Schutz durch Zäune und Blinklichter

Der Schutz der Weidetiere geschieht in Schleswig-Holstein vornehmlich mit Hilfe von Zäunen, erklärte der Sprecher. Kurzfristig könne man einen Wolf auch mit einem Blinklicht vergrämen. Doch "Isegrimm" ist nicht blöd. "Letztlich hilft nur der Zaun, der ordnungsgemäß gesetzt sein muss."

Das ist entweder ein 105 Zentimeter hoher Zaun aus Maschengeflecht, der an der Unterseite im Boden vergraben sein muss und an dem auf der Außenseite in 20 cm Höhe ein Stromdraht angebracht ist. Oder vier Strom führende waagerechte Litzen - die niedrigste maximal 25 Zentimeter über dem Boden.

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"Weil ein Wolf in der Regel unter einem Zaun hindurch kriecht. Er springt nicht drüber, obwohl er das wohl könnte", sagte Schmidt. "Bisher haben wir in Schleswig-Holstein keinen Fall, dass eine wolfssichere Umzäunung von einem Wolf überwunden wurde." Trotzdem schlagen die Emotionen hoch im Land.

Umweltminister wollen über Wolfsproblem beraten

Auch in anderen Bundesländern häufen sich die Klagen über gerissene Tiere und zu viele Wölfe. Am Freitag soll es eine Umweltministerkonferenz der Länder und des Bundes geben, um über das Wolfsproblem zu beraten.

Die Zahl der Wölfe in Schleswig-Holstein ist verglichen mit anderen Bundesländern nicht hoch - drei bis fünf Tiere halten sich aktuell im Land auf, schätzen Wolfsbetreuer. Vor allem in den Kreisen Steinburg und Pinneberg sind sie aktiv. Dort treiben sich nach Angaben des Wolfsmanagements zwei Geschwistertiere herum. Sie stammen von einem Rudel in Dänemark. Die Tiere sind etwa ein Jahr alt. Auch im Kreis Segeberg hält sich ein Wolf auf, ein weibliches Tier, sagen die Wolfsbetreuer. Es stamme mit hoher Wahrscheinlichkeit von einem Rudel in Mecklenburg-Vorpommern. Bisher sei das Tier in Segeberg unauffällig und ernähre sich ausschließlich von Wildtieren.

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Wölfe sorgen auch politisch für Unruhe

Auch wenn es nur wenige von ihnen in Schleswig-Holstein gibt: Jede Attacke der Wölfe ist für die Schafzüchter eine zuviel. Nicht nur für die Betroffenen, sondern auch politisch sorgen die Wölfe für Unruhe. "Als Schafhalter fordern wir eigentlich, dass der Wolf hier so nicht leben kann, wo wir unsere Tiere haben" erklärte Karl-Henning Hinz vom Schafhalterverband.

"Wir tun tatsächlich alles, was in unseren Möglichkeiten liegt, um die Sicherung der Herden zu garantieren", beteuerte Umweltminister Jan Philip Albrecht (Grüne). "Wir haben in diesem Jahr bereits 400.000 Euro für Wolfschutzzäune ausgegeben, die abgerufen wurden von den Haltern. Und das ist auch der richtige Weg. Denn am Ende ist dort, wo wolfssicher gezäunt wurde, bisher kein Riss aufgetreten. Das heißt, es liegt auch in der Hand der Halter, diese Zäunung vorzunehmen."

Nicht jedes Gebiet lässt sich umzäunen

Es gibt Gebiete, die sind schwierig bis unmöglich zu umzäunen, halten Schafhalter- und Bauernverband dagegen. Zum Beispiel, wenn es besonders viele Gräben und viel Wind gibt. Da halten die Zäune nicht so gut. Ein Problem besonders an der Westküste: "Wir wissen, dass man nach der geltenden Rechtslage nicht ohne Weiteres Wölfe schießen kann. Das ist auch nicht unsere generelle Forderung. Aber was wir wollen, ist einfach eine Abwägung und eine Diskussion darüber, ob es möglicherweise hier im Lande Flächen gibt, an denen Wölfe und Weidetierhaltung nicht nebeneinander möglich sind", sagte Hans-Heinrich von Maydell vom Bauernverband.

"Wenn wir uns bestimmte Gebiete anschauen, bestimmte Schutz- und Kulturgüter, die wir in Schleswig-Holstein haben, ich nenne mal das Beispiel des Küstenschutzes. Deiche sind geschützt durch die Schafe, die Schafe leisten da eine ganz wichtige Arbeit", meinte der Landtagsabgeordnete Oliver Kumbartzky (FDP). "Das sind eben Gebiete, wo man sich schwer vorstellen kann, dass man da den Wolf haben will."

Wölfe im Einzelfall schießen dürfen?

Jetzt fordern Betroffene und auch einige Politiker Regelungen, die über das Ziehen von Zäunen hinausgehen. Unter anderem den Wolf ins Bundesjagdrecht aufzunehmen. Das heißt, dass er im Einzelfall unter bestimmten Voraussetzungen geschossen werden dürfte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 05.11.2018 | 19:00 Uhr

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