Diakonie will bessere Bedingungen für Pflegekräfte

Stand: 16.11.2020 17:39 Uhr

Die Corona-Zeit bringt die Pflegekräfte nach Einschätzung des Diakonischen Werks Schleswig-Holstein zunehmend an ihre Grenzen. Grund: zu wenig Fachkräfte, die strengen Hygieneregeln und die angekündigten Corona-Schnelltests.

"Die Pflegekräfte haben in den vergangenen Monaten ein Wechselbad der Gefühle erlebt“, sagte Diakonievorstand und Landespastor Heiko Naß. Erst seien sie als Helden beklatscht worden, dann seien sie an die Grenzen ihrer Belastbarkeit gestoßen. Hygienekonzepte, Besucherregeln, Corona-Schnellstest bedeuteten mehr Aufwand für die Pflegerinnen und Pfleger. Außerdem müssten sie fehlende Sozialkontakte der Menschen in den Heimen ausgleichen.

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"Wir dürfen die Pflegekräfte nicht weiter mit Erwartungen überfrachten", mahnte Pflege-Referentin Nicole Richter. Die Rahmenbedingungen müssten dringend verändert werden. "Nur so könnten wieder mehr Menschen für diesen Beruf gewonnen werden." Die Zusage von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU), zusätzlich 13.000 Pflegefachkräfte einzustellen, war aus Sicht der Diakonie ein Schritt in die richtige Richtung. "Allerdings waren die bürokratischen Hürden derart hoch, dass bislang nur rund 4.000 dieser Stellen bundesweit besetzt werden konnten", sagte Richter. Der Fachkräftemangel sei daher immer noch zu spüren. Deshalb müsse das Prozedere für die vom Bund angekündigten 20.000 zusätzlichen Assistenzstellen dringend optimiert werden. Auch brauche es flexible Arbeitszeit-Modelle für die Pflegekräfte.

Landespastor: Pflege auf breitere Grundlage stellen

Die Diakonie verlangte zusätzliche Anstrengungen in der Ausbildung. In Schleswig-Holstein verzeichnen viele Pflegeschulen eine größere Nachfrage als angebotene Plätze. "Darüber hinaus setzen wir uns für gute Arbeitsbedingungen und eine angemessene Bezahlung in der Pflege ein", sagte Landespastor Naß. Die Finanzierung der Pflege müsse auf eine breitere Grundlage gestellt werden, damit nicht gleichzeitig Mehrbelastungen bei den zu Pflegenden und ihren Angehörigen entstehen. Unter dem Dach der Diakonie gibt es im Norden 73 Pflegeheime mit 5.200 Plätzen sowie mehr als 80 ambulante Pflegedienste und Sozialstationen.

 

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