Stand: 13.03.2020 05:00 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Neuer Wirkstoff aus Lübeck soll gegen Coronavirus helfen

von Linda Ebener

Sie haben Tag und Nacht an ihm gearbeitet, bald präsentieren sie ihre Entwicklung der Wissenschaftswelt in der renommierten Fachzeitschrift "Science": Ein Forscherteam um den Professor Rolf Hilgenfeld von der Uni Lübeck hat einen Wirkstoff entwickelt, der gegen das neuartige Coronavirus helfen soll. Das ist für die derzeitige Covid-19-Pandemie verantwortlich . Der Wirkstoff wurde im Labor bereits in menschlichen Lungenzellen getestet, die mit dem neuen Virus infiziert sind. Der Wirkstoff sei aktiv, so Hilgenfeld. Das heißt, er hilft. Der Ansatz von Hilgenfeld und seinen Mitarbeiterinnen Xinyuanyuan Sun und Linlin Zhang: Der Wirkstoff soll die Viren in der Lunge unschädlich machen. Denn das Corona greift vor allem die Lunge an.

Lübecker Forscher entwickeln Wirkstoff gegen Corona

Schleswig-Holstein Magazin -

Chemiker der Uni Lübeck haben es in kurzer Zeit geschafft, die Struktur vom Sars-CoV-2 zu entschlüsseln. Ein neu entwickelter Wirkstoff soll die Viren in der Lunge unschädlich machen.

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Langer Weg vom Wirkstoff zum Medikament

Allerdings sei es noch ein langer Weg, aus dem im Labor wirksamen Stoff ein für Menschen verträgliches Medikament zu machen, berichtet Hilgenfeld. Dazu müssten noch Tierversuche an Mäusen vorgenommen werden, dann werde der Wirkstoff an gesunden und dann an kranken freiwilligen Testpersonen ausprobiert. Im Anschluss muss es noch Tests zur Wirksamkeit und möglichen Nebenwirkungen geben. "Bis am Ende das richtige Medikament in der Apotheke steht, kann es einige Zeit dauern", erklärt der Biochemiker. Normalweise dauert der Prozess Jahre. Er rechnet in diesem Fall allerdings damit, dass es schneller gehen könnte, "wobei das erstmal auch nur Spekulationen sind", so Professor Hilgenfeld.

"Entscheidend sind die Fördergelder"

Der Hintergrund für seinen Optimismus: Am 11. März 2020 hat der Bundestag im Haushalt 145 Millionen Euro zusätzlich zur Corona-Forschung bereitgestellt. "Das ist wichtig", sagt Hilgenfeld, "denn ohne Geld ziehen sich die einzelnen Schritte bis zum fertigen Medikament noch weiter in die Länge". Jetzt muss sich noch ein Industrieunternehmen finden, das den Wirkstoff aufgreift und zum Medikament weiterentwickelt. Das Hauptproblem bei der Entwicklung von Wirkstoffen gegen Viren ist: Wenn das Medikament endlich reif für die Testphase ist, gibt es womöglich keine Erkrankten mehr. Die Forscher müssen dann auf den nächsten Ausbruch warten, um das Medikament an freiwilligen Patienten zu testen. Erst wenn das gut geht, ist so ein neues Medikament reif für die Apotheke.

Bereits vor 17 Jahren konnte Hilgenfeld bei der Lungenkrankheit Sars in China helfen. Diese Erreger-Familie gehört auch zu den Coronaviren. Deshalb konnten der Professor und seine beiden Mitarbeiterinnen die Forschungen in der Uni Lübeck schnell weiterführen.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 12.03.2020 | 19:30 Uhr

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