Susanne Rudloff Museumsleiterin Industriemuseum Kupfermühle steht neben einem Fundstück aus Messing und einem großen alten Buch. © NDR Foto: Nadina von Studnitz

Der Schatz von Kupfermühle - im Süden Afrikas entdeckt

Stand: 25.06.2021 20:22 Uhr

135 Jahre lang hat ein Schiffsblech, made in Schleswig-Holstein, im südafrikanischen Küstensand gelegen - bis es ein Paar fand und in den Norden zurücksandte.

Im Industriemuseum in Kupfermühle bei Harrislee (Kreis Schleswig-Flensburg), direkt an der deutsch-dänischen Grenze, ist ein ganz besonderer Schatz aus schwarzem Tuch gewickelt worden: Ein ungefähr 80 x 40 Zentimeter großes verbeultes Schiffsblech, gefertigt um das Jahr 1890. Es stammt aus dem damaligen "Crusauer Kupfer- und Messingwerk", zu seiner Zeit ein weltweit agierendes Unternehmen. Werften auf der ganzen Welt kauften diese Bleche und schützten damit ihre hölzernen Handels-Segelschiffe vor dem Holzwurm.

Anwohner finden das Blech im südafrikanischen Sand

Das Gebäude des Industriemuseums Kupfermühle steht bei Sonnenschein vor dem blauen Himmel. © NDR Foto: Nadina von Studnitz
Im Museum Kupfermühle soll demnächst eine Ausstellung zum historischen Schiffsblech Besucher über die Geschichte aufklären.

Eines dieser Schiffsbleche segelte Ende des 19. Jahrhunderts unten an den Bug einer Bark genagelt an die Küste von Mosambik. Das Schiff strandete und gammelte 135 Jahre am südafrikanischen Strand vor sich hin - bis zu diesem Mai. "Zwei Anwohner sind am Strand spazieren gegangen und haben etwas Glänzendes am Strand gesehen", erzählt Susanne Rudloff, Museumsleiterin in Kupfermühle. "Sie haben gedacht, sie hätten Gold gefunden." Rudloff zeigt sich begeistert über das Fundstück: "Was ist das für ein tolles Material."

Viele Briefe aus Mosambik in den Norden - und zurück

Mit dem Messingblech in der Hand berichtet Rudloff vom Fund: Nachdem es das Paar ausgebuddelt und mitgenommen hatte, fand es zu Hause eine Punze - eine Art Marke - auf dem Metall. Sie gaben die Daten in Google ein und landeten auf der Homepage des Industriemuseums Kupfermühle. Das südafrikanische Paar trat mit Norddeutschland in Kontakt. Rudloff sagt: "Das waren unzählige Briefe, die wir da beantwortet haben."

"Bis auf ein paar Beulen wie neu"

Susanne Rudloff Museumsleiterin Industriemuseum Kupfermühle zeigt mit ihrem Finger auf den Stempel auf dem Fundstück aus Messing. © NDR Foto: Nadina von Studnitz
AUDIO: Nach 135 Jahren: Der Schatz von Kupfermühle wieder im Norden (1 Min)

Die Finder haben das Blech schließlich - ganz korrekt deklariert - nach Kupfermühle geschickt. "Und dann kam es hier an - und wir haben uns sehr gefreut", sagt Rudloff sichtlich beeindruckt. "Wir haben viel recherchiert und haben in den alten Kontorbüchern Verweise gefunden, dass Messingbleche in den 1890er-Jahren über einen Zwischenhändler nach Norwegen gegangen sind", erzählt die Museumsleiterin von der Recherche. Das Schiff, an das dieses Blech geschlagen war, sei an der Gold Coast Südafrikas zerfallen - doch das Messingteil sei bis auf ein paar Beulen gut erhalten geblieben. "135 Jahre in Südafrika im Sand gelegen, und dann wird es rausgenommen - und ist wie neu", so Rudloff.

Juristisches Nachspiel

Allerdings: Auch die Gesellschaft für Südafrikanische Kulturgüter (SAHRA) hat Wind vom Blech bekommen und fordert die Rückgabe. Jetzt wird rechtlich gestritten - mit offenem Ausgang. Aber egal, ob das verbeulte Schiffsblech bleibt oder nicht - eine Ausstellung über seine Geschichte wollen sie in Kupfermühle auf jeden Fall machen.

Weitere Informationen
Industriemuseum Kupfermühle. © NDR Foto: Cornelius von Tiedemann

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Moin! Der Tag in Schleswig-Holstein | 25.06.2021 | 17:00 Uhr

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