Stand: 17.10.2018 16:06 Uhr

Der Mann, der Hartschaum zum Leben erweckt

Er ist gelernter Kaufmann für Herrenoberbekleidung, war auch schon Marinesoldat, Greenpeace-Aktivist und Zimmermann. Auch Comiczeichner, was er bis heute mit maritimen Postkarten auslebt. Doch Reiner Götsche aus dem kleinen Geltorf bei Schleswig, den alle nur "Reini" nennen, baut vor allem Tiermodelle. Keinen Kitsch für die Fensterbank, sondern täuschend echt aussehende Nachbildungen: Vögel aller Art oder Meeresbewohner, von der Miesmuschel bis zum Blauwal. Götsche arbeitet regelmäßig für die norddeutschen Seehundstationen. Zu seinen Kunden zählen das Multimar Wattforum in Tönning, das Meereszentrum Fehmarn, der Tierpark Hagenbeck in Hamburg und die Freizeitparks Legoland. "Der Betrachter bekommt ein Tier, das wirklich so in der Natur auch stehen würde", erklärt Götsche.

"Tiere auszustopfen, macht keinen Sinn"

Was erst nur ein unförmiger Klotz aus Hartschaum ist, verwandelt sich durch seine geschickten Hände zum Beispiel in einen Kiebitz für naturwissenschaftliche Ausstellungen. "Der Trend geht mittlerweile dahin, keine ausgestopften Tiere mehr zu nehmen, weil man ja viele Probleme damit hat - mit den Federn, mit Milben und Ähnlichem." Und es mache ja auch nicht unbedingt Sinn, einen seltenen Vogel erstmal zu erschießen, auszustopfen und dann irgendwo hinzustellen, findet Götsche.

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Was zunächst nur Hartschaum war, ist jetzt schon als eine Kiebitz-Familie zu erkennen.

Bis der Rohling aus Hartschaum wie ein Kiebitz aussieht, vergehen einige Stunden. Immer wieder mit Abbildungen vergleichen, nachbessern, Schnabel schnitzen, Haube basteln, die passenden Glasaugen finden - all das ist erst der Anfang. Anschließend wird der Rohling geharzt, grundiert und bemalt, "und dann baue ich ihm entweder die Beine oder die Mutti sitzt einfach bei den Lütten". Da gönnt sich Götsche gern mal die künstlerische Freiheit.

Einen liebestollen Seehund getäuscht

Mit seinen Objekten habe er schon die tollsten Sachen erlebt, sagt er. "Also ich habe beispielsweise mal einen Seehund an den Strand geschleppt, einfach mal so einen liegenden Seehund, und siehe da: Es kam ein stolzes Männchen an und versuchte sein Vergnügen zu haben." Dieses Erlebnis habe ihn in seiner Arbeit bestätigt. "Oder wenn ich einen Seeadler baue und nehme ihn mit raus, dann laufen meine Katzen weg - das finde ich immer sehr schön."

Wale für ein Museum im niedersächsischen Norddeich

Zurzeit arbeitet Reini Götsche an einer Ausstellung für das Waloseum Norddeich in Niedersachsen. Das bedeutet: 60 Illustrationen und 25 Tiermodelle, vom Entenwal über den südlichen Zwergwal bis hin zum Buckel- und zum Grauwal. "Ich habe auch den seltensten Wal der Welt gemacht, das ist der Omurawal. Den habe ich so hergestellt, dass man auch die Barten sieht." Es sei ganz wichtig, dass da wirklich jedes Detail stimmt, er könne da jetzt nicht irgendwas hinzu fantasieren. "Wenn ein Tier dick ist, dann ist es dick", erklärt Götsche. Da lasse er sich nicht reinreden, "auch nicht vom Kunden, der sagt: Mensch, kannst das nicht ein bisschen schlanker machen?". Er sage dann: "Nein, das gehört so!"

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 17.10.2018 | 19:30 Uhr

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