Stand: 14.04.2019 06:00 Uhr

Der Kieler Tiessenkai: Zukunft ungewiss

von Christian Wolf

An fast jeder Ecke von Kiel kann maritime Luft eingeatmet werden - der Förde, die sich tief in die Landeshauptstadt bohrt, sei Dank. Im Kieler Stadtteil Holtenau geht das besonders gut. Hier können Besucher ungefähr erahnen, wie es vor langer Zeit in Kiel gewesen sein muss. In wenigen Tagen machen dort am Tiessenkai wieder viele Traditionssegler fest. Das zieht: Gerade in den Ferien und vor allem an den Wochenenden kommen Hunderte vorbei, schauen sich die alten Segler an, essen etwas oder gehen einfach spazieren. Außerdem gibt es jetzt seit zehn Jahren mit dem "Tag am Kai" ein eigenes Hafenfest. Damit, so scheint es zumindest, könnte es schon bald vorbei sein. Der Bund muss nämlich über die Zukunft des rund 300 Meter langen Kais entscheiden und will sich momentan nicht zum Standort bekennen.

Anwohner und Geschäftsleute in Sorge

Prüfung des Bundesrechnungshofs

Im vergangenen Jahr hatte der Bundesrechnungshof das Areal an der Schleuse zum Nord-Ostsee-Kanal unter die Lupe genommen. Das Fazit - der Kai ist defizitär, ein Verkauf des Areals wurde dem zuständigen Bundesverkehrsministeriums empfohlen. In einem ersten Schritt ist das Ministerium nach Angaben der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV) zu dem Schluss gekommen, dass der Tiessenkai nicht mehr als Schutz- und Sicherheitshafen erforderlich sei. Diesen Status verliere er nun kommenden Monat, heißt es in einer Antwort der WSV. Das bedeutet unter anderem, dass bestimmte Investitionen nicht mehr nötig sind. So kann Geld gespart werden.

Unsicherheit bei Gastronomen und Seglern

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Das Schiffercafé am Tiessenkai in Kiel Holtenau ist ein beliebtes Ausflugsziel. Ob das auch in Zukunft so sein wird, ist offen.

Dieses Jahr können die Traditionssegler problemlos noch festmachen, allerdings nicht auf ganzer Länge. Auf einen Teilabschnitt sollen dieses Jahr erstmals Schiffe der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung festmachen. Enger wird es außerdem noch, weil der so genannte Yacht-Hafen teilweise abgerissen wird. Schuld ist nach Angaben des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Kiel-Holtenau ein Hochwasserschaden aus dem vergangenen Jahr. Gerade zur Kieler Woche hatten hier viele Segler festgemacht. Unklar ist auch, wie es weitergeht, wenn die kleine Schleuse neu gebaut wird. Seit knapp fünf Jahren können Schiffe hier nicht mehr durch, ein Neubau soll sie ersetzen. Dafür hat der Bund 260 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.

Unsicherheit macht sich breit

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Noch ist nicht klar, wann mit dem Neubau begonnen wird. Vermutlich ab kommenden Jahr wird das der Fall sein. Völlig unklar ist auch, wie lange es dauern wird, bis die neue Schleuse fertig gebaut sein wird. Anwohner, Gastronomen und Geschäftsleute gehen von einer Bauzeit von zehn Jahren aus. Sie befürchten, dass während dieser Zeit der Tiessenkai komplett gesperrt sein wird und nur für die Schiffe der WSV zur Verfügung stehen. Sorgen macht sich auch Alex Stieler, der ein Café betreibt: "Sollten die Schiffe nicht mehr festmachen, dann kommen die Leute auch nicht mehr und dann ist das schon existenzbedrohend." Vor allem ärgert er sich über die Informationspolitik. "Es kommt ja nie einer und sagt, was los ist und was passieren wird", so der Gastronom.

Stadt Kiel steht zum Tiessenkai

Etwa hundert Meter neben dem Café organisiert Cay Helmich Segelreisen. Er erzählt, wie sich bei den Eignern der Traditionssegler bereits jetzt schon die Unsicherheit breit macht: "Es gibt in Kiel nicht viele Stellen, wo die Schiffe festmachen können. Das geht höchstens am Sartorikai. Hörn und der Germania-Hafen sind zu flach." Deswegen suchen Skipper schon nach Alternativen, unter anderem in Eckernförde und Rostock.

Für Kiel sei der Tiessenkai ein wichtiges Ausflugsziel, erklärt Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD). Er betont aber auch, dass die Stadt nicht Eigentümer ist: "Trotzdem wollen wir alles tun, damit die Traditionssegler dort ihren Ort behalten können. Und wenn das mal nicht der Fall sein sollte, dann werden wir uns als Stadt bemühen, nach Alternativen zu suchen." Die Zukunft bleibt also ungewiss, auch die Antwort der WSV hilft da nicht wirklich weiter: "Als Liegestelle kann der Tiessenkai bis auf Weiteres genutzt werden. Die Einzelheiten der künftigen Nutzung sind noch zu klären."

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 14.04.2019 | 11:00 Uhr

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