Stand: 20.11.2019 22:00 Uhr  - NDR Info

Der Bauer, der den Trauerseeschwalben hilft

Unter dem Titel "Nicht meckern, machen!" berichtet NDR Info gemeinsam mit der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung", den "Kieler Nachrichten", der "Ostsee-Zeitung" und dem "Hamburger Abendblatt" über Menschen, die etwas bewegen. Sport, Kultur, Politik, Kinder-, Senioren- oder Behinderten-Betreuung, aber auch Naturschutz. Vieles in diesen Bereichen klappt nur dank unzähliger Ehrenamtlicher. Einer von ihnen ist der Bauer Claus Ivens aus Schleswig-Holstein, der sich für den Schutz der Trauerseeschwalbe auf Eiderstedt einsetzt.

von Janine Artist, NDR Info

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Claus Ivens kennt die Trauerseeschwalben seit seiner Kindheit - damals gab es noch viel mehr von diesen Vögeln.

In Gummistiefeln stapft Claus Ivens durch das saftige, feuchte Gras seiner Weideflächen. Der Hof des 79-Jährigen liegt an der Bundesstraße zwischen Tönning und St. Peter-Ording. Ivens zeigt auf den Kirchturm von Kotzenbüll in der Ferne. Sein Land reicht bis an das Dorf heran: 16 durch Gräben voneinander getrennte Parzellen. Und jede Weide hat eine sogenannte Tränkekuhle, in der sich Wasser sammelt. In diese Kuhlen setzt Ivens im Frühjahr mit Reet bedeckte Styropor-Flöße, damit die Trauerseeschwalbe darauf Eier legen und ausbrüten kann. Ivens erzählt, dass er auf den Flößen auch ein Nest forme, damit die "Wohnung" quasi bezugsfertig für die Schwalbe ist. "Die Schwalbe ist nämlich so faul, dass sie sich auch auf die rohen Flöße legen und dann beim nächsten Wind runterrollen und in den Graben fallen würde", sagt Ivens.

"Früher rissen sie uns die Mützen vom Kopf"

Auf den schwimmenden Nisthilfen sind die Vögel sicher vor herumtrampelndem Weidevieh und Raubtieren wie Fuchs und Marder. Die Trauerseeschwalbe fasziniert Ivens schon seit seiner Kindheit. Damals gab es noch viele davon - und es war eine Mutprobe, sich an die Kolonien der angriffslustigen Vögel heranzuschleichen. "Wenn wir damals an die Kuhlen gingen, rissen sie uns die Mützen vom Kopf oder koteten uns das Gesicht voll, um uns irgendwie abzuwehren", erinnert sich Ivens.

Mehrere Männer stehen in einem Wassergraben und installieren darin Beobachtungsflächen für Vögel. © Claus Ivens

Claus Ivens schützt die Trauerseeschwalbe

NDR Info - Infoprogramm -

Der Landwirt Claus Ivens aus Schleswig-Holstein engagiert sich ehrenamtlich. Er kümmert sich auf der Halbinsel Eiderstedt um den Schutz der Trauerseeschwalbe.

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Immer weniger Brutpaare

Der Bestand der Trauerseeschwalbe ist seit den 1950er-Jahren extrem geschrumpft - von 1.500 Brutpaaren auf heute nur noch 17. Ivens - anerkannter Experte auf dem Gebiet - führt das auf zwei Gründe zurück: Veränderungen in der Nutztier-Haltung, die zu eingezäunten Weiden führten, und die in seinen Augen verfehlte Wasserbewirtschaftung. Die landschaftstypischen Gräben würden dadurch häufig trockenfallen oder zuwuchern. Ein freies Ufer sei aber wichtig, damit die Schwalbe daran entlangfliegen und einen Fisch fangen können, erklärt Ivens. Und dafür müssten die Zäune weg, damit die Rinder das Schilf bis auf die Wasseroberfläche abbeißen können.

Kleine Fische als Futter

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Auf den schwimmenden Nisthilfen schlüpfen die Küken der Trauerseeschwalben.

Die Artenvielfalt in den Gräben hat auch stark abgenommen und so findet die Trauerseeschwalbe immer weniger Nahrung. Die Folge: Viele Küken verhungern. Zusammen mit anderen Grünlandbauern setzt Ivens seit zehn Jahren regelmäßig Tausende kleine Fische wie etwa Stichlinge in die Gräben, damit die Vögel mit dem schiefergrauen Körpergefieder und dem schwarzen Kopf etwas zu fressen haben. Die Jungen, die durchkommen, ziehen dann im August Richtung Elfenbeinküste und Kongo. Ivens bewundert ihr Reise-Gedächtnis. Manchmal würden sie auch erst nach zwei Jahren zurückkommen, aber garantiert in die Region zurück, wo sie ausgebrütet worden sind.

"Naturschutz und Landwirtschaft sind vereinbar"

Der Vogelfreund ist überzeugt: Wenn man nur will, kann man auch scheinbar widerstrebende Interessen miteinander vereinen, auch wenn es immer wieder heiße, der Naturschutz und die Landwirtschaft gingen nicht zusammen. Das sei Quatsch, das liege alles an Personen, so lautet die Position des 79-Jährigen. Er hofft, dass die Trauerseeschwalbe in Zukunft vielleicht doch wieder häufiger auf Eiderstedt zu hören ist.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 21.11.2019 | 07:50 Uhr

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