Stand: 13.07.2019 17:18 Uhr

Kiel: Protest gegen Kreuzfahrtschiffe, fürs Klima

Am Sonnabend haben gleich drei Kreuzfahrtschiffe in Kiel festgemacht: "MSC Meraviglia", "Mein Schiff 1" und "AIDAprima". Und die sorgten nicht nur für insgesamt rund 20.000 Passagiere in der Stadt: Aktivisten sind für das Klima und bessere Arbeitsbedingungen an Bord auf die Straße gegangen - mit Rettungsringen, Schlauchbooten und in Neoprenanzügen. Nach Ansicht der Umweltschützer tragen auch Kreuzfahrtschiffe erheblich zur Luftverschmutzung und zum Klimawandel bei.

Demonstranten halten ein Laken hoch mit der Aufschrift "Kreuzfahrtschiffe kentern".

Kiel: Demo gegen CO2-Ausstoß von Kreuzfahrern

Schleswig-Holstein Magazin -

In Kiel haben Klimaaktivisten von der Turbo Klima Kampfgruppe Kiel gegen den CO2-Ausstoß von Kreuzfahrtschiffen demonstriert. Sie wollen, dass die Passagiere anfangen nachzudenken.

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Etwa 300 Teilnehmer

Bei der Demonstration, die laut Polizei gegen 13.30 Uhr am Platz der Matrosen am Kieler Haupftbahnhof gestartet war, waren unter anderem Greenpeace und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) dabei. Insgesamt hatten sich 200 Menschen angemeldet, beim Abschluss der Kundgebung waren es nach Angaben der Polizei etwa 300 Teilnehmer. Die Demonstranten hielten auf ihrer Route durch die Innenstadt für Zwischenkundgebungen vor zwei Reisebüros. Die Abschlusskundgebung fand gegen 15 Uhr am Ostseekai statt, wo die Tui "Mein Schiff 1" angelegt hatte. Die Demonstranten riefen den Passagieren auf dem Schiff "Euer Urlaub stinkt" zu.

Polizei hat aufgerüstet

Die Polizei war im Großeinsatz und zeigte deutlich Präsenz. Eine genaue Zahl der Beamten im Einsatz wollte sie nicht nennen, doch was zu sehen war, fiel auf: Dutzende Mannschaftswagen hatten sich vor dem Kieler Hauptbahnhof aufgestellt, einige fuhren in der Innenstadt. Auch am Kieler Ostseekai und auf der Kieler Förde patroullierten die Beamten. Dieses Mal seien sie vorbereitet, sagte Polizeisprecher Oliver Pohl vorab, für den Fall, dass es wieder zu überraschenden Handlungen kommen sollte: An Pfingsten hatten Aktivisten im Kieler Hafen stundenlang ein Kreuzfahrtschiff blockiert und damit ein Auslaufen verhindert. Sechs Stunden lang konnte die "Zuiderdam" den Hafen nicht verlassen. Schließlich konnte die Polizei der Aktion, von der sie sich überrumpelt zeigte, ein Ende machen.

Protest gegen Kreuzfahrtschiffe in Kiel

Naturschützer fordern, Kreuzfahrtbranche hält dagegen

So unterschiedlich die Teilnehmer der Demo waren, so unterschiedlich sind auch die Forderungen: So verlangt zum Beispiel Greenpeace Kiel, dass die Reedereien gesetzlich verpflichtet werden, während der Liegezeit Landstrom zu beziehen. Der BUND hält eine Klimagebühr für jeden Kreuzfahrttouristen für einen ersten Schritt, um das Problembewustsein der Reisenden anzuregen. Mit dabei bei den Protesten war auch die Turboklimakampfgruppe. Sie kündigte an: Keiner der Pötte ist sicher vor einer weiteren Blockade.

Die Reedereien hatten bereits am Freitag auf Anfrage der dpa zu den bekannten Forderungen Stellung genommen. AIDA kündigte an, dass bis 2023 rund 94 Prozent aller Fahrgäste auf emissionsarmen Schiffen reisen würden, zum Beispiel mit Flüssiggas-Antrieb. Tui Cruises verteidigte sich mit der Aussage, die Schiffe erfüllten bereits die Emissionsstandards, die ab kommenden Jahr gelten und dass sie rund 30-40 Prozent weniger Energie als vergleichbare Schiffe verbrauchen würden. Der Direktor des Kreuzfahrtverband Clia in Deutschland, Helge Grammerstorf, äußerte Bereitschaft, mit den Kritikern "faktenbasiert und sachlich" zu diskutieren.

"AIDAprima" liegt ausnahmsweise außerhalb

Ungewöhnlicherweise hatte die "AIDAprima" im Scheerhafen angelegt, direkt am Nord-Ostsee-Kanal. Die Folge: Die Abfertigung der Passagiere erwies sich als eine logistische Herausforderung. Passagiere und Gepäck mussten umständlich mit Bussen zum Liegeplatz gebracht werden. Dennoch sagte ein Sprecher des Seehafens Kiel, die Verlegung der Schiffe habe nichts mit der Demonstration zu tun.

Oberbürgermeister Kämpfer: Druck auf Reedereien hoch halten - aber friedlich

Ulf Kämpfer, Oberbürgermeister von Kiel. © NDR

Kämpfer: Kreuzfahrten müssen ökologischer werden

NDR Info - Aktuell -

Kiel hat für sich den Klimanotstand ausgerufen. Auch die vielen Kreuzfahrtschiffe sind dabei eine Umweltbelastung. Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer fordert nun Maßnahmen.

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Kiels Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD) zeigte sich der Demonstration zugewandt. "Ich freue mich ja auch über eine kritische Diskussion, weil wir ja auch Druck auf die Reedereien ausüben, damit sie auch umweltfreundlicher werden", sagte Kämpfer am Tag vor der Kundgebung. Das würde die Stadt gerade durch die Landstromanlagen schaffen und mittlerweile habe sie auch die starke Bereitschaft, dass die auch genutzt würden.

Zu Anfang hatte die Reederei Color Line gegen den Preis des Landstroms protestiert und sich aus Kostengründen geweigert, den Strom längerfristig zu nutzen. Vor einigen Tagen hat sie allerdings umgeschwenkt und die Nutzung fest zugesagt. "Wir müssen den Druck aber hoch halten, weil die Kreuzfahrtschiffe insgesamt sauberer werden müssen", sagte Kämpfer weiter. Wenn das mit angemeldeten und friedlichen Demonstrationen passiere, sei er sehr dafür, so der Oberbürgermeister. "Von Besetzungen und Blockadeaktionen, wie vor wenigen Wochen, halte ich gar nichts."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.07.2019 | 14:00 Uhr

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