Stand: 18.12.2019 06:24 Uhr

Debatte über Asbest an Timmendorfer Schule

von Julian Marxen

Schadstoff-Gutachter Eberhard Franke steht auf der Gemeindevertretersitzung Rede und Antwort. © NDR Foto: Julian Marxen
Schadstoff-Gutachter Eberhard Franke beantwortete bei der Gemeindevertretersitzung die Fragen besorgter Eltern und Schüler.

Der Sitzungssaal im Grand Hotel Seeschlösschen in Timmendorfer Strand war am Dienstagabend gut gefüllt. Etwa 100 Besucher waren gekommen, um bei der Gemeindevertretersitzung dabei zu sein. Und das hatte einen Grund: der Asbestfund an der Grund- und Gemeinschaftsschule Timmendorfer Strand. Unter den Zuhörern waren Schüler, Eltern und Lehrer. Viele von ihnen standen auf, stellten Fragen. Fragen, die ihnen bis jetzt keiner beantwortet hat: Warum hat die Timmendorfer Verwaltung das Problem so lange verschwiegen? Wie groß ist die Gesundheitsgefahr? Und: Wie geht es jetzt weiter an der Schule?

Für Klarheit sollten zwei Gäste sorgen: Die Leiterin des Fachbereichs Bauen im Rathaus, Christina Bonken und Gutachter Eberhard Franke, der von der Gemeinde mit der Schadstoffuntersuchung beauftragt wurde.

Verwaltung: "Keine Notwendigkeit, zu informieren"

Allerdings sorgten sowohl Bonken als auch Franke mit ihren Antworten jedoch immer wieder für ein Raunen im Publikum. So zum Beispiel als herauskam, dass die Verwaltung bereits seit dem Frühjahr weiß, dass in der Grund- und Gemeinschaftsschule asbesthaltige Bodenplatten verbaut sind. Auf die Frage, warum die Öffentlichkeit darüber monatelang nicht informiert worden sei, hieß es: Man habe keine Notwendigkeit gesehen, da keine Gefahr bestanden habe und immer noch nicht bestehe.

Gleichzeitig berichtete der Gutachter aber auch von mehreren Rissen im belasteten Bodenbelag. Diese Stellen seien zur Sicherheit versiegelt worden. Allerdings nicht von Spezialisten, sondern vom Hausmeister und zuletzt von Mitarbeitern des Bauhofs. Kopfschütteln bei den Zuhörern. Es könne nicht sein, dass da keine Fachleute am Werk waren, meinte ein besorgter Vater. "Das sind keine Antworten, die mich beruhigen, sondern die mich noch mehr verunsichern", sagte eine Mutter nach der Sitzung.

Bodenplatten sollen ausgetauscht werden

Die Gemeinde Timmendorfer Strand will die asbesthaltigen Platten im kommenden Jahr austauschen lassen. Auch habe man bereits Staubproben in der Schule genommen. Der Schadstoffgutachter rechnet damit, dass die Ergebnisse schon bald vorliegen. Eine Überprüfung der Raumluft sei in Planung. Für den Fall, dass die Messungen bedenkliche Asbest-Werte zeigen, werde man über eine Schließung der Schule nachdenken, erklärte Bonken.

Wo der Unterricht stattdessen stattfinden könnte, ist aber noch unklar. "Einen Plan B haben wir nicht", so Bonken. Einige wenige Klassenkameraden seien mittlerweile sogar so verunsichtert, dass sie aus Angst vor dem Asbest nicht in die Schule gingen, berichtete eine Schülerin dem NDR Schleswig-Holstein. Und auch die Eltern sehen das Dilemma. "Was ist wichtiger", fragte eine Mutter, "die Schulpflicht oder die Gesundheit?"

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 18.12.2019 | 08:00 Uhr

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