Stand: 18.10.2019 12:34 Uhr

Dauerregen - und trotzdem trockene Böden

Von wegen goldener Herbst: Bis auf wenige einzelne Tage gibt es in Schleswig-Holstein seit vielen Wochen fast immer nur Regen, Regen, Regen. Doch was viele Menschen nervt, ist für Flora und Fauna ein Segen. Denn der Boden leidet vielerorts noch immer unter den Folgen des extrem trockenen Jahres 2018. "Die Wasserreservoirs für Bäume und Pflanzen sind noch lange nicht aufgefüllt", erklärte Jens-Birger Bosse von den Schleswig-Holsteinischen Landesforsten im Gespräch mit NDR 1 Welle Nord. Die anhaltende Trockenheit in tieferen Bodenschichten mache insbesondere Buchen, Fichten und Lärchen zu schaffen. Auch für das Grundwasser ist der Regen langfristig wichtig.

"Viele Bäume sind noch zu retten"

Bosse geht davon aus, dass Tausende Bäume wahrscheinlich nicht überleben werden. "Bäume vertrocknen nicht von heute auf morgen", so Bosse, "dies kann zwei Jahre dauern, aber für viele stehen die Chancen sehr schlecht." Das Ausmaß der Dürrefolgen sei für Schleswig-Holstein ungewöhnlich, wenn auch nicht vergleichbar mit Niedersachsen. Dort sind die Baumbestände laut Bosse zum Teil flächendeckend gefährdet. In Schleswig-Holstein könne der Regen, wenn er anhalte, noch zahlreiche Bäume retten. Andererseits könnten aber ein oder gar zwei weitere trockene Jahre dazu führen, dass noch sehr viel mehr Buchen, Fichten und Lärchen sterben, so Bosse.

Regenwasser versickert nicht tief genug

Das Dürrejahr 2018 hat bis heute ebenfalls Folgen für den Grundwasserspiegel in Schleswig-Holstein. Der bewegt sich weiterhin auf einem niedrigen Niveau, auch wenn es laut Statistik in diesem September so viel geregnet hat, wie im September, Oktober und November des vergangenen Jahres zusammen. Wie der Wasser- und Bodenverband Ostholstein berichtet, versickert der Regen zurzeit nur höchstens 80 Zentimeter tief im Boden, weil der noch so trocken ist und Pflanzen viel Wasser aufnehmen.

Wasserreserven im Norden größer als in Süddeutschland

Was es jetzt braucht, sind viele regnerische oder schneereiche Winter. Nur so könnten die Grundwasserbestände wieder auf das Niveau vor dem extrem trockenen Jahr 2018 kommen, erklärt Martin Schmidt vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume. "Die Tiefengrundwasserleiter, auf die wir für die Trinkwasserversorgung angewiesen sind, die merken so was nicht so schnell, da dauert das Jahre, manchmal Jahrzehnte, bis ein Tropfen von oben bis unten im Grundwasserleiter ist." Grund zur Panik besteht laut Schmidt jedoch nicht. Selbst wenn es ein weiteres sehr trockenes Jahr geben sollte, stünden Schleswig Holsteins Wasserreserven auch jetzt noch gut da. Anders als in einigen Regionen im Süden Deutschlands.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 18.10.2019 | 08:00 Uhr

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