Stand: 18.08.2020 16:46 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Danewerk: Mächtige Steinmauer freigelegt

Vier Männer arbeiten bei der Sanierung des Verteidigungswalls am Danewerk an einer alten Backsteinmauer. © NDR Foto: Peer-Axel Kroeske
Mitarbeiter des Archäologischen Landesamtes legen beim Danewerk eine Steinmauer aus dem 8. Jahrhundert frei.

Viele Kulturinteressierte kennen das Weltkulturerbe Danewerk, den historischen Verteidigungswall bei Schleswig. Archäologen legen derzeit im Rahmen der Sanierung eine Steinmauer aus dem 8. Jahrhundert frei. Sie wird wahrscheinlich nur wenige Wochen zu sehen sein. Die wissenschaftliche Begleiterin der Grabungen, Astrid Tummuscheit, ist begeistert: "Es handelt sich tatsächlich um eine Mauer mit senkrechter Front und senkrechter Rückseite, wobei die Steine dann innen drin nicht gemauert waren, sondern eher ungeordnet eingefüllt. Das ist ein ziemlich mächtig-gewaltiges Bauwerk, weil diese Mauer ungefähr drei Kilometer lang ist." Ungefähr 20 Millionen Feldsteine wurden verwendet.

Tummuscheit: Ganz neue Bautechnik

Während der Sanierung des Verteidigungswalls am Danewerk wird eine alte Backsteinmauer freigelegt. © NDR Foto: Peer-Axel Kroeske
Die Waldemarsmauer aus dem 12. Jahrhundert ist mit einem Gerüst eingezäunt.

Zur Erklärung: Das Danewerk sieht aus wie ein Deich und ist an einer Stelle freigelegt. Hier kommt eine rote Ziegelsteinmauer zum Vorschein. Das ist die Waldemarsmauer aus dem 12. Jahrhundert. Dahinter befindet sich nun die Steinmauer. "Zu ihrer Zeit ist sie hier in der Region 'State of the Art'", sagt Astrid Tummuscheit. "Da muss man sich erstmal hineinversetzen in so ein Bild einer Landschaft, in der es nur Holzgebäude gegeben hat. Und dann baut man eben hier diese Mauer - auch in einer Technik, die man hier vorher nicht kannte."

Wer hat die Mauer gebaut?

Wer sie bauen ließ, bleibt allerdings ein Rätsel. Ein dänischer König war es wohl eher nicht. "Aber wir müssen davon ausgehen, dass es sich auf alle Fälle um jemanden handelt, der Ambitionen hatte, so etwas zu sein wie ein König. Und so müssen wir davon ausgehen, dass es sich bei dieser Feldsteinmauer um den Ausdruck der allerersten Anfänge eines sich später entwickelnden Königtums handelt", vermutet Tummuscheit. Wie auch die Waldemarsmauer könnte die Steinmauer ein Prestigebauwerk als Signal an die eigene Bevölkerung gewesen sein, meint die Archäologin.

Steinmauer nicht sichtbar für Spaziergänger

Wie es mit der Ausgrabung weitergeht, sei noch unklar, sagt der Leiter des archäologischen Landesamtes, Ulf Ickerodt: "Das wird sich in den nächsten zwei Wochen entscheiden, wie wir es abdecken, ob wir es abdecken und wie wir weiter vorgehen." Sichtbar bleibt die Steinmauer aber aller Voraussicht nach nicht. Selbst mit einem Dach würde sie die Witterung zu sehr angreifen. Die schlechte Nachricht: Spaziergänger dürfen den Wall nicht betreten und sich somit keinen eigenen Eindruck verschaffen.

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