Stand: 10.03.2020 15:47 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Coronavirus: Landesregierung verbietet Großveranstaltungen

Schleswig-Holsteins Landesregierung untersagt Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen wegen des neuen Coronavirus. Das hat das Kabinett am Dienstag (10.3.) auf Vorschlag von Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) beschlossen. Der Erlass gilt bis zum 10. April (Karfreitag). "Es ist eine vorübergehende Maßnahme", sagte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) in einer Pressekonferenz am Nachmittag. Er warb um Verständnis für die Entscheidung, die die Landesregierung gemeinsam getroffen hat. "Das ist ohne Zweifel eine Einschränkung. Sie ist aber wichtig. Wir schützen damit Menschen - insbesondere ältere Menschen, die ein höheres Infektionsrisiko haben", sagte er. Die Menschen sollten aber das Leben einschließlich des Arbeitslebens normal weiterleben.

Garg: "Ausbreitungsdynamik des Virus verlangsamen"

Ausgenommen von der Regelung sind Schulen, der öffentliche Nahverkehr und Arbeitsstätten. Jeder könne dazu beitragen, die Ausbreitungsdynamik des Virus zu verlangsamen, erklärte Garg und fügte an: "Alle Maßnahmen dienen dazu, Zeit zu gewinnen. Zum einen, um die weitere Entwicklung eines Impfstoffes vorantreiben zu können, um ein entsprechendes Medikament an den Markt bringen zu können. Und es dient dazu, die Leistungsfähigkeit des Gesundheitssystems jederzeit aufrecht zu erhalten."

Ausbreitung des Virus soll verlangsamt werden

Wegen der zunehmenden Corona-Infektionen hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Sonntag empfohlen, Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern vorerst abzusagen. Daraufhin hatte der Kreis Rendsburg-Eckernförde gestern als erster Kreis in Schleswig-Holstein eine solche Verfügung herausgegeben. "Wir sollten alles dafür tun, was geeignet ist, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Und wenn es uns gelingt, den Ausbruch zu verlangsamen, dann werden wir auch die Folgen in unserem Gesundheitssystem wesentlich besser in den Griff bekommen als wenn auf einen Tag ganz viele Fälle bei uns entstehen", sagte der Landrat von Rendsburg-Eckernförde, Rolf-Oliver Schwemer.

Handball- und Fußballspiele vor leeren Rängen

Die Entscheidung der Landesregierung hat auch Folgen für zahlreiche Sportveranstaltungen im Land - drinnen und draußen. Nach dem Erlass der Regierung müssen große Sportveranstaltungen ohne Zuschauer stattfinden, zu denen mehr als 1.000 Menschen erwartet werden. Das gilt ebenfalls bis Karfreitag. Betroffen sind unter anderem die Bundesliga-Handballer des THW Kiel und der SG Flensburg-Handewitt, die Zweitliga-Fußballer von Holstein Kiel sowie die Fußball-Regionalligisten VfB Lübeck und Weiche Flensburg. Auch die Partie der Kieler am Sonntag muss ebenfalls ohne Zuschauer ausgetragen werden. Auch der Freistaat Bayern hat sich auf eine Absage von Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Personen verständigt. Das betrifft auch das Spiel der Kieler bei Jahn Regensburg.

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Kieler Woche wird vorerst weiter geplant

In der Landeshauptstadt Kiel wird der Erlass inzwischen umgesetzt. Viele Veranstaltungen wurden abgesagt. Die Stadt appelliert außerdem an Veranstalter von kleineren Events, genau zu prüfen, ob die Veranstaltungen stattfinden müssen. "Auch wenn wir derzeit noch keinen bestätigten Covid-19-Fall in Kiel haben, müssen wir mögliche Ansteckungsketten unterbinden", sagte Oberbürgermeister Ulf Kämpfer (SPD). Ob die Kieler Woche stattfinden wird, könne er im Moment noch nicht verbindlich sagen. Momentan gehe man davon aus, dass sich die Situation bis dahin entspannte habe. Das größte städtische Event werde bis dahin weiter planmäßig vorbereitet, so Kämpfer.

Appell an Rückkehrer aus Risikogebieten

In Schleswig-Holstein haben sich mindestens 16 Menschen mit dem Sars-CoV-2-Virus infiziert. Das Land stelle sich auf weitere Fälle ein, meinte Garg. Am Montag wurde außerdem bekannt, dass der Deutsche, der am Sonntag in Ägypten an den Folgen des Virus gestorben war, aus dem Kreis Herzogtum Lauenburg stammt. Gesundheitsminister Garg hat an das Verantwortungsbewusstsein von Rückkehrern aus Corona-Risikogebieten appelliert. Am Montag wurde verfügt, dass solche Reisenden 14 Tage lang keine Kitas, Schulen, Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen und Hochschulen betreten dürfen.

Bußgeld von bis zu 25.000 Euro droht

Am Dienstag verwies das Ministerium auch auf Sanktionsmöglichkeiten: Die Anordnung stelle eine verbindliche Maßnahme nach dem Infektionsschutzgesetz dar. Bei Nichteinhaltung könne ein Bußgeld von bis zu 25.000 Euro fällig werden. Eine Meldepflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten besteht nicht.

Auch Bildungsministerin Karin Prien war in einem Risikogebiet und befindet sich im Moment im Home Office. Die CDU-Politikerin kehrte vergangene Woche aus Südtirol zurück. Bis nächste Woche Donnerstag muss sie erst mal zu Hause bleiben. Ein erster Test auf das Virus fiel negativ aus. Ein weiterer soll in dieser Woche folgen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 03.03.2020 | 13:00 Uhr

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