Stand: 10.03.2020 11:58 Uhr

Coronavirus: Erster Kreis in SH untersagt Großveranstaltungen

Eine Menschenmenge auf einer öffentlichen Fläche läuft über ein Corona-Virus-Symbol, das auf dem Boden zu sehen ist. (Fotomontage) © imago images Foto: Ralph Peters
Der Bundesgesundheitsminister Spahn empfiehlt Veranstaltern und Behörden, Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Teilnehmern vorerst abzusagen.

Im Kreis Rendsburg-Eckernförde sind von Montag an öffentliche Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen untersagt. Eine entsprechende Verfügung hat der Kreis jetzt herausgegeben. Der Kreis ist damit der erste in Schleswig-Holstein, der einen solchen Schritt macht. Er reagiert damit auf Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Zum Eindämmen der Coronavirus-Epidemie hatten der CDU-Politiker und auch das Robert-Koch-Institut empfohlen, Großveranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen abzusagen oder zu verschieben.

Landrat Schwemer: Alles tun, um Ausbreitung des Virus zu verlangsamen

Mit dem Schritt hofft der Kreis, dass das Coronavirus nicht so schnell auf die Region überspringt. "Wir sollten alles dafür tun, was geeignet ist, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Und wenn es uns gelingt, den Ausbruch zu verlangsamen, dann werden wir auch die Folgen in unserem Gesundheitssystem wesentlich besser in den Griff bekommen als wenn auf einen Tag ganz viele Fälle bei uns entstehen", sagt Rendsburg-Eckernfördes Landrat Rolf-Oliver Schwemer.

Verfügung gilt bis zum 29. März

Nach Angaben Schwemers gibt es aktuell fünf Verdachtsfälle auf das Coronavirus im Kreis. Das bedeutet, Menschen die nicht infiziert sind, jedoch aus den betroffenen Krisenregionen kommen oder Symptome zeigen. Betroffen von Absagen durch den Beschluss des Kreises sind unter anderem Abi-Feiern, Konzerte, aber auch eine geplante Ehrenamtsmesse in Rendsburg. Sie sollte am Wochenende starten - muss nun verschoben werden. Das Verbot gilt nur für öffentliche Großveranstaltungen, die in geschlossen Räumen stattfinden - also nicht im Freien. Die Verfügung gilt vorerst bis zum einschließlich 29. März. Schwemer rechnet allerdings damit, dass sie über den März hinaus verlängert wird.

Veranstaltungsabsagen werden geprüft

Auch in der Landeshauptstadt Kiel nimmt man die Lage sehr ernst. Laut Pressesprecherin Kerstin Graupner prüft das Gesundheitsamt gerade, ob Veranstaltungen abgesagt werden müssen: "Das betrifft ja in erster Linie die Sparkassen-Arena aber auch das Kieler Schloss. Wahrscheinlich ist es angesagt, dass da keine Veranstaltungen mehr stattfinden, um das Ansteckungsrisiko zu reduzieren." Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) betonte, was Veranstaltungen betrifft, "so müssen die Gesundheitsbehörden vor Ort von Fall zu Fall entscheiden, ob ein Konzert, ein Fußballspiel oder ein Tanzabend stattfindet oder nicht. Auch hier gelten als Entscheidungsgrundlage die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts." Eine Grenze von 1.000 Besuchern sei eine Richtlinie, aber im Zweifel könne auch eine Gruppe von nur 180 Personen gefährlich sein, je nachdem woher die Teilnehmer kämen.

Philharmonische Konzerte sollen stattfinden

Beim Theater Kiel gehen die Verantwortlichen nach eigenen Angaben davon aus, dass die anstehenden Philharmonischen Konzerte am Sonntag und Montag im Kieler Schloss stattfinden. Dort gibt es 1.300 Sitzplätze. Unabhängig von einer Entscheidung des zuständigen Gesundheitsamtes denkt die Landes-SPD bereits darüber nach, den für nächste Woche Sonnabend geplanten Parteitag in Lübeck abzusagen. Man prüfe intensiv die Entwicklungen, heißt es. Endgültig soll der Landesvorstand in der nächsten Woche darüber entscheiden.

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Ministerium erteilt Vorgaben für Reiserückkehrer

Elf Fälle von infizierten Corona-Patienten gibt es in Schleswig-Holstein derzeit. Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) sprach deshalb am Montag von einem dynamischen Geschehen. Er gab deswegen eine Anweisung an Kreise und kreisfreie Städte heraus, wie sie mit sogenannten Reiserückkehrern aus Corona-Risikogebieten umzugehen haben. "Personen, die sich in den vergangenen 14 Tagen in Risikogebieten aufgehalten haben, wird das Betreten von Schulen, Kitas, Pflegeeinrichtungen oder beispielsweise auch Krankenhäusern, aber auch Berufsschulen oder Hochschulen untersagt", so der Minister. Sein Haus verwies auch auf Sanktionsmöglichkeiten: Die Anordnung stelle eine verbindliche Maßnahme nach dem Infektionsschutzgesetz dar. Bei Nichteinhaltung könne ein Bußgeld von bis zu 25 000 Euro fällig werden. Eine Meldepflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten besteht nicht.

Zunächst beim Hausarzt anrufen

Das Virus löst ähnliche Symptome wie eine heftige Erkältung aus. Dazu gehören Husten, Schüttelfrost und Kopfschmerzen. Fieber ist ein wichtiger Indikator. Auch Durchfall kann auftreten. Das Gesundheitsministerium rät im Verdachtsfall nicht gleich ins Krankenhaus zu gehen, sondern sich telefonisch beim Hausarzt Rat zu holen. Zusätzlich hat der Kreis Segeberg eine Hotline geschaltet, die auch am Wochenende von 10 bis 16 Uhr erreichbar ist. Die Nummer lautet: (04551) 951 98 33.

Personen mit Atemwegserkrankungen, die zuvor in einem Risikogebiet waren oder Kontakt mit einem bestätigten Fall hatten, können sich an die Telefonnummer 116 117 der Kassenärztlichen Vereinigung Schleswig-Holstein (KVSH) wenden - auch außerhalb der Sprechzeiten. Nur bei deutlichen Krankheitsbildern wird der Patient stationär aufgenommen. Die Gefahr, sich mit dem Virus angesteckt zu haben, besteht laut dem Virologen Thomas Lorentz vor allem dann, wenn man Kontakt mit einer Person hatte, die in einem Risikogebiet war - etwa im chinesischen Wuhan oder in Mailand in Italien.

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