Stand: 17.03.2020 14:41 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Wirtschaftsforscher rät von Direkthilfen für Firmen ab

Das Coronavirus legt derzeit das gesamte öffentliche Leben nahezu lahm. Viele Geschäfte müssen dicht machen, Restaurants dürfen nur noch eingeschränkt öffnen, der Tourismus ist komplett gestoppt: Die Maßnahmen in Schleswig-Holstein, um die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, haben auch enorme wirtschaftliche Folgen. So rechnet das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) mit einem Einbruch des Bruttoinlandsprodukts von Schleswig-Holstein um 500 Millionen Euro wöchentlich.

Arbeitsplatzverlust: Verlierer der Corona-Pandemie

Schleswig-Holstein Magazin -

Wegen der Corona-Pandemie droht vielen Arbeitnehmern Kurzarbeit - auch Kündigungen sind nicht ausgeschlossen. In der Agentur für Arbeit häufen sich die Anfragen.

0 bei 0 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

IfW: Steuerstundung ist ausreichend

Das Bruttoinlandsprodukt in Schleswig-Holstein beträgt pro Woche rund zwei Milliarden Euro. Das geht es aus den Zahlen des Wirtschaftjahres 2018 hervor. Bis zu ein Viertel fällt also nach Einschätzung durch die Coronakrise aktuell weg. Ganz konkrete Zahlen zu berechnen, ist aber auch für die Experten des IfW noch schwierig. Um den finanziellen Schaden für Unternehmen möglichst klein zu halten, kündigte die Landesregierung unterschiedliche Maßnahmen an, beispielsweise die Stundung von Steuervoraus- oder Nachzahlungen.

Weitere Informationen

Wie sich das Coronavirus auf Einkaufszentren auswirkt

Auch in Einkaufszentren, Shoppingmals und großen Möbelhäusern gelten von dieser Woche wegen des Coronavirus' an Auflagen. Unter anderem ist die Zahl der Besucher beschränkt. mehr

Der Kieler IfW-Konjunkturchef, Stefan Kooths, hält das zurzeit für ausreichend: "Wenn sich der Staat selbst zurücknimmt, indem er auf die Steuereinnahmen verzichtet, kann er selbst das problemlos verkraften. Das kann der einzelne vor Ort ungleich schwerer." Es sei eine vernünftige Maßnahme, dass der Staat seine Ansprüche an die Unternehmensergebnisse nun erstmal zurückstellt, so Kooths weiter. Direktzahlungen wie vom Handelsverband Deutschland gefordert, seien laut Kooths nicht nötig. Er ruft stattdessen zur Besonnenheit auf und rät dazu, erst nach Ende der Krise den genauen Schaden zu berechnen. Denn vorschnell Finanzhilfen zu verteilen, wäre aus Sicht des Experten der falsche Weg.

Tourismus: Umsatzeinbußen bis zu 90 Prozent

Mit deutlichen Einbußen rechnet nicht nur der Handel. Nachdem am Montag (16.3.) der Tourismus auf Basis der Beschlüsse der Landesregierung komplett gestoppt wurde, spricht der Hotel- und Gaststättenverband bereits von einem nie da gewesenen Einbruch für die Branche. Stefan Scholtis, Hauptgeschäftsführer des Verbandes, erwartet vom Land sofortige und unbürokratische Finanzspritzen für die betroffenen Betriebe. Er beziffert die Umsatzeinbußen der Hotels auf bis zu 90 Prozent. Dabei sei es unerheblich, ob es sich um ein Ferien- oder Businesshotel handele.

Weitere Informationen

Günther: Politik wird Tourismus-Betriebe unterstützen

Ministerpräsident Günther hat im Interview erklärt, warum die Regierung die Maßnahmen gegen den Coronavirus erneut verschärft hat. Außerdem kündigte er Hilfe für die Hotel-Branche an. mehr

Hotels rechnen mit Totalausfällen

Der Geschäftsführer des Hotel Birke in Kiel, Florian Buchebner, rechnet im April im schlimmsten Fall mit einem finanziellen Totalausfall. Der Grund: Derzeit beschränken die Unternehmen Geschäftsreisen auf ein Minimum. Veranstaltungen und Events sind ebenfalls untersagt und fallen daher weg. Auf Sylt sieht Hotelier Sebastian Schmidt die Lage äußert kritisch, zumal die Unternehmen auf der Insel in der buchungsarmen Zeit investierten und Ostern zum ersten Mal ordentlich Geld in die Kasse käme. "Bis zum 19.4. dürfen wir keinen einzigen Gast mehr bei uns begrüßen. Die Umsatzeinbußen bei uns liegen damit bei ungefähr 350.000 Euro", erklärt Schmidt.

Von diesen Entwicklungen ist auch das Personal in den Hotels betroffen. Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss Gaststätten fordert, das Kurzarbeitergeld per Tarifvertrag deutlich aufzustocken. Vom derzeitigen Kurzarbeitergeld, dass bei 60 Prozent des Einkommens liege, könnten Kellner, Köche und Hotelfachangestellte kaum leben, so die Gewerkschaft.

Auch Versandhandel von Einbußen betroffen

Während der Einzelhandel inzwischen größtenteils geschlossen hat, läuft der Versandhandel weiter. Aber auch der spürt die Auswirkungen der Corona-Pandemie. Jeder zweite Versandhändler in Deutschland erwartet einen Umsatzrückgang. Das geht aus einer Umfrage des Bundesverbandes E-Commerce und Versandhandel hervor. Schon jetzt seien neun von zehn Händlern von den Auswirkungen betroffen, sagte Sprecherin Susan Saß. "Gerade im Bekleidungs- und Moderbereich gehen die Anfragen zurück, die Bestellungen auch, dadurch, dass die Leute im Moment einfach andere Sorgen und Probleme haben." Weil ein Großteil der Ware aus asiatischen Ländern stammt, befürchten Versandhändler zudem mögliche Lieferengpässe. Viele asiatische Unternehmen haben wegen des Coronaviruses die Produktion heruntergefahren oder ganz eingestellt.

Weitere Informationen

Coronavirus: Auch Restaurants müssen schließen

16.03.2020 19:30 Uhr

Die Landesregierung hat wegen des Coronavirus weitere Regelungen beschlossen. Ab Mittwoch müssen auch Restaurants schließen. Touristen müssen Hotels verlassen. Supermärkte dürfen weiter öffnen. mehr

Coronavirus: Wirtschaft fordert "klares Signal"

15.03.2020 15:00 Uhr

Die Ausbreitung des Coronavirus trifft die Wirtschaft. Viele Firmen im Land haben schon auf Kurzarbeit umgestellt. Michael Thomas Fröhlich vom Unternehmensverband Nord fordert Unterstützung. mehr

Coronavirus in SH: Videos, Infos, Hintergründe

Die Zahl der bestätigten Infektionen mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 in Schleswig-Holstein steigt weiter an. Hier finden Sie Videos, Informationen und Hintergründe zu dem Thema. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 17.03.2020 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

01:14
Schleswig-Holstein Magazin

Abschlussprüfungen mit Mindestabstand

Schleswig-Holstein Magazin
02:26
Schleswig-Holstein Magazin

Immobilienpreise weiter gestiegen

Schleswig-Holstein Magazin
04:11
Schleswig-Holstein Magazin