Coronasorgen und Schnupfenzeit - Hausarztpraxen am Limit

Stand: 23.10.2020 10:18 Uhr

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt in vielen Regionen Schleswig-Holsteins. Parallel dazu beginnt die Erkältungszeit. Für Hausarztpraxen heißt das: mehr Patienten, mehr Organisation und mehr Kosten.

Jeder Patient, der mit Infektionssymptomen, seien es Husten, Schnupfen oder Halsweh, kommt, könnte theoretisch ein Corona-Fall sein. Deswegen, so Dr. Thomas Maurer, Vorsitzender des Hausärzteverbands Schleswig-Holstein, müssen diese Patienten strikt von solchen Patienten getrennt werden, die mit Rückenschmerzen, Fußpilz oder einer entzündeten Wunde in die Sprechstunde kommen. Maurer warnt: "Wir haben mehr Patienten, wir haben aufwändigere Patienten, wir arbeiten schlicht und ergreifend am Limit."

15 Prozent mehr Auslastung in den Hausarztpraxen

Viele Hausärzte bieten Infektionssprechstunden an, das ist auch in Maurers Praxis in Leck (Kreis Nordfriesland) so - und zwar dreimal täglich. Heißt auch: Danach muss jedes Mal alles gründlich desinfiziert werden, das kostet Zeit und Geld. Thomas Maurer schätzt, dass in dieser Zeit, in der die Praxen ohnehin aufgrund der Erkältungssaison am meisten ausgelastet sind, zehn bis 15 Prozent mehr zu tun sei, als üblicherweise: "Das bedeutet auch, noch weniger Zeit für den einzelnen Patienten, das wiederum sorgt für Unmut." Der Hausärzteverbands-Chef Maurer wünscht sich, dass die Patienten anrufen, bevor sie in die Praxis kommen - auch wenn es nur darum geht, ein Rezept abzuholen. Das ermögliche den Praxen die verschiedenen Patientengruppen zu trennen. Und Maurer würde sich freuen, wenn seine Mitarbeiter trotz der frustrierenden Bedingungen freundlich behandelt werden. Das sei im Moment leider nicht immer der Fall, so Mauer.

Von der Politik wünscht sich Maurer moralische oder auch finanzielle Unterstützung, denn so Maurer, 99 Prozent der Patienten mit Erkältungen, Grippe oder Corona tauchen in den Praxen auf. Es könne nicht sein, dass immer nur über Krankenhäuser gesprochen werde.

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