Stand: 01.07.2020 12:08 Uhr

Corona in Erkältungszeit: "Weicheier gibt es nicht"

Prof. Dr. Helmut Fickenscher, Leiter Institut für Infektionsmedizin an der Uni Kiel blickt in die Kamera. © NDR Foto: Pavel Stoyan
Prof. Helmut Fickenscher: "Ich habe mich früher auch krank zur Arbeit geschleppt - da war ich ein Vorbild in die falsche Richtung."

Die Zahl der Corona-Neuinfektionen ist in Schleswig-Holstein auf einem niedrigen Niveau - auch wenn an den vergangenen beiden Tagen mit sieben und fünf wieder etwas mehr Fälle gemeldet wurden. Insgesamt aber hat sich das Virus im nördlichsten Bundesland im Mai und Juni weit geringer verbreitet als in den beiden Monaten zuvor. "Die Epidemie ist durch die Maßnahmen effizient abgewürgt worden", sagt der Direktor des Instituts für Infektionsmedizin der Universität Kiel, Prof. Helmut Fickenscher. Die Gefährdung sei jedoch weiter vorhanden. "Die zweite Welle kommt dann, wenn wir mit unserer Disziplin nachlassen", sagt der Virologe. Mund-Nasen-Bedeckung und Abstand halten seien nach wie vor erforderlich.

"Menschen mit Schnupfen werden daheim bleiben"

Spannend werde es in der Erkältungszeit, wenn sich viele Menschen wieder in geschlossenen Räumen aufhielten, so Fickenscher: "Alle Menschen mit Schnupfen werden dann daheim bleiben" - anders als zuvor. Das "Weichei", das einfach zu Hause bleibt, gebe es dann nicht mehr, rechnet der Virologe mit zahlreichen Krankmeldungen.

Unter anderen hatte der Vorstandschef des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) vor einer zweiten Corona-Infektionswelle im Herbst gewarnt. "Ich habe mich früher auch krank zur Arbeit geschleppt - da war ich ein Vorbild in die falsche Richtung", sagt Fickenscher.

Fickenscher: Tagestouristen sind ein Risiko

Im kräftig hochgefahrenen Tourismus sieht der Virologe aus Kiel das größte Risiko im Tagestourismus. "Im Hotel fällt es auf, wenn jemand erkältet ist." Mit Tausenden Tagestouristen werde es in Orten wie Scharbeutz (Kreis Ostholstein) aber viel enger, als wenn nur gebuchte Gäste dort wären. Insofern sei es klug, in solchen Situationen keine weiteren Besucher mehr hereinzulassen - wie am vergangenen Wochenende geschehen.

Weitere Informationen
In einem Labor wird eines von mehreren Glasröhrchen angehoben. © picture alliance Foto: Hendrik Schmidt

Coronavirus in SH: 3.159 bestätigte Fälle

Seit Beginn der Pandemie sind in Schleswig-Holstein 3.159 Coronavirus-Infektionen nachgewiesen worden. Damit sind im Vergleich zum Vortag fünf Infektionen hinzugekommen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 01.07.2020 | 15:00 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Der Firmenschriftzug von Nobiskrug.

Trotz Insolvenz - Hoffnung für Nobiskrug?

Die Nobiskrug Werft für Luxusjachten ist pleite - wegen Fehlern im Management und Corona. Der neue Geschäftsführer sieht trotzdem Chancen. mehr

Videos