Vor einem Altenheim sind Pavillions aufgebaut

Corona: Wie sich Alten- und Pflegeheime winterfit machen

Stand: 22.10.2020 05:00 Uhr

Wie schaffen es Alten- und Pflegeheime, ihre Bewohner bestmöglich vor dem Coronavirus zu schützen und sie gleichzeitig nicht völlig zu isolieren? Das Haus am Kurpark in Bad Oldesloe hat seinen Weg festgelegt.

von Hannah Böhme

Um Bewohner von Alten- und Pflegeheimen vor einer Corona-Infektion durch Besucher zu schützen, richteten viele Einrichtungen für Frühjahr und Sommer Begegnungsstätten außerhalb der Gebäude ein. So errichteten etwa die Betreiber des Alten- und Pflegeheims Haus am Kurpark in Bad Oldesloe ein "Begegnungszelt", in dem sich Bewohner und Angehörige treffen konnten. Doch nun ist es dafür zu kalt und zu nass. "Was nützt der Schutz vor Corona, wenn meine Bewohner alle eine Lungenentzündung bekommen?", fragt Heimleiter Daniel Schöneberg.

VIDEO: Corona: Pflegeheime wollen Besuche weiterhin ermöglichen (3 Min)

Universalkonzept nicht möglich  

Doch egal ob kalt oder nicht: Nach den aktuellen Vorgaben der Landesregierung müssen das Haus am Kurpark und die anderen Pflegeeinrichtungen in Schleswig-Holstein Besuche ermöglichen. Wie genau diese dann allerdings aussehen, haben die Einrichtungen in Abstimmung mit ihren Trägern und den Gesundheitsbehörden individuell festgelegt. "Ein Generalkonzept gibt es nicht", erklärt Mathias Steinbuck vom Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) in Schleswig-Holstein, die im Land rund 600 Einrichtungen betreuen. Dafür seien die Häuser zu unterschiedlich beispielsweise in ihrer Größe und Strukturierung.

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Sorge vor Isolation größer als vor Ansteckung

Daniel Schöneberg hat sich für einen isolierten Besucherraum innerhalb des Gebäudes entschieden, mit zwei Zugängen: einen von innen für die Bewohner und einen von außen, den die Angehörigen nutzen sollen. Hier dürfen Besucher nicht länger als 20 Minuten bleiben und müssen sich vorher anmelden. Bei den Treffen müssen zudem alle eine Mund-Nase-Bedeckung tragen. Doch trotz aller Schutzmaßnahmen: Ein Restrisiko bleibt. "Die Sorge ist immer da, und sie ist groß", sagt Schöneberg. Aber das Besuchsverbot zu Beginn der Pandemie habe gezeigt, wie wichtig es ist, dass Bewohner ihre Angehörigen empfangen dürfen. "Die Leute müssen ihre Angehörigen sehen, um einfach nicht allein zu sein. Das können wir nicht auffangen, wir sind nicht die Familie. Man darf diese seelische Komponente nie vergessen." Ähnlich sieht es auch Mathias Steinbuck vom bpa: "Die Sorge vor einer Isolation ist größer als die Sorge vor dem Virus", beschreibt er seine Eindrücke nach Gesprächen mit Bewohnern in den Einrichtungen des Verbandes.

Was bringen Schnelltests?

Um ein erneutes Besuchsverbot zu verhindern, will Daniel Schöneberg künftig auf die sogenannten Antigentests zurückgreifen, die Bund und Länder vergangene Woche für Pflegeeinrichtungen zugelassen haben. Ähnlich wie ein Schwangerschaftstest liefern diese Schnelltests bereits 15 Minuten nach dem Rachenabstrich ein Resultat auf einem kleinen Display. Vorgesehen sind die Antigentests laut Landesregierung zunächst für ein regelmäßiges "Personal-Screening" sowie stichprobenartige Tests unter den Bewohnern. Kritik daran kommt vom bpa. Es fehle an Fachkräften, die die Tests durchführen dürfen, erklärt Steinbuck. Ähnlich sieht es auch der kommunale Pflegeverband und fordert personelle Unterstützung für die Alten- und Pflegeheime, beispielsweise von Medizinstudenten oder der Bundeswehr.

Hinzu kommt: Eine hundertprozentige Sicherheit liefern die schnellen Tests nicht, denn bei Menschen ohne Symptome oder mit mildem Verlauf können sie negativ ausfallen, obwohl Menschen erkrankt sind. Für Daniel Schöneberg sind sie trotzdem eine gute Ergänzung: "Man fühlt sich ein kleines bisschen sicherer, wenn man diese Tests hat", findet der Bad Oldesloer Einrichtungsleiter. Die ersten 250 Antigentests hat er bereits bestellt.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Der Nachmittag | 22.10.2020 | 08:00 Uhr

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