Stand: 28.05.2020 10:41 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Schulöffnungen: Schleswig-Holstein im Länder-Vergleich

Täglich feste Unterrichtszeiten und Pausen, die Lehrer stehen vorne an der Tafel, die Schüler sitzen an ihren Tischen. Diesen normalen Schulalltag gibt es in Schleswig-Holstein seit Mitte März nicht mehr. Seitdem lernen die Schüler meistens per Homeschooling. Am Mittwoch (27.5.) hat die Landesregierung nun bekanntgegeben, dass sich das bald ändern soll. Schon ab dem 8. Juni soll der reguläre Betrieb in den Grundschulen wieder aufgenommen werden. Das neue Schuljahr soll dann am 10. August für alle Schüler unter möglichst normalen Bedingungen starten.

Im Vergleich war SH bislang eher zögerlich

Auch andere Länder haben ihr Pläne konkretisiert. Besonders die ostdeutschen Bundesländer haben in Sachen Regelunterricht nach den Sommerferien schon konkrete Pläne gefasst. Ein Vergleich zeigt: Bislang ließ Schleswig-Holstein die Schüler relativ zögerlich zurück in die Klassen. In vielen anderen Ländern sind schon jetzt alle Kinder wieder in der Schule - zumindest tageweise.

Schulöffnungen: So gehen andere Länder vor

  • Dänemark: Seit Mittwoch (27.5.) haben alle Schüler bei unseren Nachbarn im Norden wieder Unterricht, viele von ihnen ganz regulär - also den gesamten Schultag über. Bisher wurden bereits die Jahrgänge eins bis zehn unterrichtet, nun dürfen auch die Klassen elf und zwölf wieder täglich in ihre Klassenräume - und zwar die gesamten Klassen und nicht nur einzelne Gruppen. Wie mittlerweile überall im Königreich, entfällt die Maskenpflicht und es muss ein Mindestabstand von einem Meter eingehalten werden. Bereits seit Mitte April haben die Grundschüler wieder Unterricht.

  • Hamburg: Die Schulen in der Hansestadt sind seit dieser Woche generell wieder für die Schüler aller Jahrgänge geöffnet. Von einem normalen Schulalltag kann trotzdem nicht die Rede sein: Nur für mindestens 5-6 Stunden pro Woche soll jeder Schüler in seine Klasse. Die Kinder wurden entsprechend aufgeteilt und auch die Pausenzeiten finden versetzt statt, damit nicht zu viele Kinder gleichzeitig auf den Schulhöfen sind. Die meiste Zeit muss weiter von zu Hause aus gelernt werden, heißt es aus dem Hamburger Rathaus. Und das soll auch noch einige Zeit so bleiben: Nach den Sommerferien könnte Hamburg zum ganz normalen Schulbetrieb zurückkehren, sagte Schulsenator Ties Rabe (SPD) dem NDR.

  • Mecklenburg-Vorpommern: Seit Montag dürfen auch die Schüler bei unseren östlichen Nachbarn wieder in ihre Klassen. Allerdings nicht alle Kinder an jedem Tag: Die Klassen werden aufgeteilt, da sich nicht mehr als 15 Kinder gleichzeitig in einem Raum aufhalten dürfen. Das ist so geregelt, damit die Abstandsregeln einhalten werden können. Beim Thema Hygiene geht Mecklenburg-Vorpommern allerdings einen eigenen Weg: Bildungsministerin Bettina Martin (SPD) möchte nicht, dass Desinfektionsmittel an den Schulen benutzt werden: "Uns haben Mediziner sehr klar und deutlich gesagt: 'Macht das bitte nicht, die Gefahren sind weitaus größer als der Nutzen von Desinfektionsmitteln'", so Martin in einem NDR-Interview. Außerdem sollen der Bildungsministerin zufolge keine Alltagsmasken an den Schulen getragen werden. Allerdings gibt es eine Ausnahme: Sollte es regnen und die Schüler können während der Pause nicht raus, müssen sie einen solchen Mund-Nasen-Schutz tragen.

  • Sachsen: Seit gut einer Woche (18. Mai) haben generell alle Grundschüler im Freistaat wieder regulären Unterricht. Kinder dürfen Masken tragen, müssen es aber nicht. Mindestabstände in den Klassenzimmern müssen nicht eingehalten werden. Das hat auch die Justiz beschäftigt: Das Verwaltungsgericht Leipzig gab einer Klage von Eltern statt - daraufhin setzte das Kultusministerium die Schulpflicht für Grundschulen zunächst bis zum 5. Juni aus. Eltern, die ihre Kinder die Schulpflicht zuhause erfüllen lassen möchten, müssen die Schule darüber informieren. Für die weiterführenden Schulen in Sachsen gilt im Moment ein Notbetrieb, also ein Wechselsystem mit verschiedenen Gruppen. Das soll sich nach dem Willen von Ministerpräsident Kretschmer (CDU) nach den Sommerferien ändern: Er möchte, dass dann alle Schüler wieder regulären Unterricht haben.

  • Thüringen: Ministerpräsidenten Bodo Ramelow (Linkspartei) will, dass nach den Sommerferien wieder normaler Unterricht für alle Schüler stattfindet. Allerdings sollen die Lehrkräfte dann regelmäßig auf Covid-19 getestet werden: „Das Land Thüringen ist ihr Arbeitgeber, daher sorgen wir für ihre Sicherheit“, so Ramelow in einem MDR-Interview. Momentan ist der Unterricht in Thüringen noch ein komplizierter Flickenteppich: Die weiterführenden Schulen entscheiden selbst, an welchen Tagen welche Schüler in den Unterricht kommen sollen. Spätestens ab dem 2. Juni sollen alle Grundschüler wieder in den Unterricht kommen, zumindest zwei Tage die Woche. An den anderen beiden Wochentagen sollen sie weiter zu Hause lernen. Was an dem fünften Wochentag passiert, ist bisher unklar.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 27.05.2020 | 19:30 Uhr

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