Stand: 04.09.2020 12:02 Uhr

Corona-Lockerung: Freie Fahrt nach Dänemark

von Peer-Axel Kroeske

Heute früh gegen 9 Uhr: Das Abbauteam am Wilmkjerweg bei Ellund in Dänemark packt gerade zusammen. Die rot-weißen Absperrbaken und Durchfahrtsverbotschilder liegen auf ihrem Anhänger. Die Sandsäcke haben die Männer an den Straßenrand geschoben. Seit Mitte März war hier kein Durchkommen mehr – so wie auch an den anderen zwölf kleineren Übergängen an der deutsch-dänischen Grenze. Entgegen erster Meldungen teilte die dänische Polizei nun mit, dass ein Überqueren der Grenze abseits der Übergänge aber nicht erlaubt sei. Hierzu sollen noch Details folgen. Einreisen darf zudem nur, wer keine Symptome hat.

Keine langen Wartezeiten mehr an der Grenze

Berufspendler konnten am Vormittag erstmals seit langer Zeit ohne Staus nach Dänemark kommen. An den bekannten Übergängen, etwa in Krusau, Pattburg und an der A7, wird zwar noch kontrolliert. Allerdings müssen nur wenige Autos anhalten. Die dänische Polizei und der Zoll haben offenbar auch ihr Personal reduziert. Ein Unterschied zu der Zeit vor Corona ist für Beobachter nun nicht mehr erkennbar. Denn Dänemark kontrolliert seit 2016 wieder an mehreren Übergängen, obwohl das Land Teil des Schengen-Raums mit freiem Grenzverkehr ist. Die Regierung begründete dies zunächst mit der Flüchtlingskrise, später mit der allgemeinen Terrorismusgefahr.

Kontrollen werden laufend angepasst

Deutsch-Dänischer Grenzübergang Ellund/Frøslev an der A7 © NDR Foto: Peer-Axel Kroeske
Berufspendler atmen auf. Die Staus an den Grenzübergängen sind vorerst wahrscheinlich vorbei.

Die dänische Polizei betont dabei, die Lage werde laufend beobachtet. Sobald mehr Reisende aus Quarantäneländern zu erwarten sind, könnten die Kontrollen auch wieder ausgeweitet werden. Nach der aktuellen dänischen Regelung gibt es Einreisebeschränkungen für alle Länder, die den Wert von 30 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einer Woche überschreiten.

Aufatmen im Grenzgebiet

Lockerungen bei den Grenzkontrollen waren von den Minderheiten, Politikern aus dem Grenzland und Pendlern lange Zeit gefordert worden. Zuletzt hatten auch viele Landwirte beklagt, dass sie mit ihren Erntefahrzeugen kilometerlange Umwege fahren müssen. Der Landesvorsitzende des SSW, Flemming Meyer, hatte die Vermutung geäußert, dass die sozialdemokratisch geführte dänische Regierung die Kontrollen allein deshalb aufrecht erhalte, um den politisch rechten Parteien den Wind aus den Segeln zu nehmen. Meyer ist nun erleichtert, dass endlich wieder freie Fahrt herrscht. Auch Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther zeigte sich erfreut.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 04.09.2020 | 10:00 Uhr

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