An einem Stand auf einem Wochenmarkt im Berliner Stadtteil Steglitz werden Mund-Nasenbedeckung zum Kauf angeboten. © Kay Nietfeld/dpa Foto: Kay Nietfeld

Corona: Inzidenzwerte in mehreren Kreisen nahe an kritischer Marke

Stand: 23.10.2020 17:11 Uhr

In mehreren Kreisen in Schleswig-Holstein steigen seit Tagen die Corona-Neuinfektionen deutlich an. Der Kreis Dithmarschen und der Kreis Stormarn melden mittlerweile Inzidenzwerte von knapp 50.

Die Neuinfektionen der vergangenen sieben Tage dienen als Grundlage für diesen sogenannten Inzidenzwert. Dieser gibt die Zahl der registrierten Neuinfektionen je 100.000 Einwohner in einer Woche an und liegt nach neuesten Angaben der Dithmarscher Kreisverwaltung bei 47,3. Der Kreis Stormarn meldet 23 Neuinfektionen und einen Inzidenzwert von 48.

Das Kreishaus Dithmarschen. © NDR Foto: Sven Jachmann

AUDIO: Steigende Corona-Infektionszahlen unter anderem in Dithmarschen (1 Min)

Maskenpflicht und Sperrstunde nun in ganz Dithmarschen

Der Kreis Dithmarschen weitet nun seine Schutzmaßnahmen aus. Bisher galt eine Maskenpflicht und Sperrstunde nur für die Stadt Heide, wo bisher die meisten Fälle zu verzeichnen waren. In einer neuen Allgemeinverfügung des Landrats werden diese Maßnahmen jetzt auf den gesamten Kreis ausgeweitet. Allein 30 Ansteckungen in den vergangenen zwei Tagen trieben den Inzidenzwert in Dithmarschen nach oben. Zunächst waren für die steigenden Zahlen Ansteckungen im Westküstenklinikum und in Pflegeeinrichtungen verantwortlich. Warum die Zahlen trotzdem immer weiter steigen, ist für Landrat Stefan Mohrdieck (parteilos) jetzt nicht mehr zu erklären: "Wenn man in Hamburg arbeitet und in Marne beispielsweise wohnt, dann kann es natürlich sein, dass man sich auch am Arbeitsplatz etwas eingefangen hat. Das lässt sich bei der weiter fortschreitenden Ausbreitung überhaupt nicht mehr zuordnen."

Wird der Inzidenzwert von 50 überschritten, wären weitere Kontaktbeschränkungen im ganzen Kreis die Folge. Dann dürften sich nur noch zehn Personen aus zwei Haushalten treffen. Und bei Veranstaltungen wären nur noch 100 Teilnehmer erlaubt.

Maskenpflicht ab jetzt in Timmendorfer Strand

Die Kreise Ostholstein, Pinneberg und Stormarn hatten bereits die erste kritische Marke von 35 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner überschritten. Der Landrat des Kreises Pinneberg, Oliver Stolz (parteilos) geht davon aus, dass die Fallzahlen den relevanten Warnwert von 50 bald erreichen. Er rechnet damit, dass am Montag eine Allgemeinverfügung in Kraft treten wird.

Nach einem Corona-Ausbruch in einem Hotel in Timmendorfer Strand hat der Kreis Ostholstein deshalb nun eine Maskenpflicht und andere Beschränkungen für das Ostseebad erlassen. Der Ausbruch habe wesentlich dazu beigetragen, dass der Inzidenzwert überschritten worden sei, sagte der Landrat des Kreises, Reinhard Sager (CDU), am Freitag. Da es sich aber um einen lokal begrenzten Ausbruch handele, sei es ausreichend, die Beschränkungen nur für das Ostseebad zu verhängen. In dem Hotel in Timmendorfer Strand hatten sich nach neuestem Stand 37 von 101 Mitarbeitern mit dem Coronavirus infiziert. Von diesem Freitag an muss nun in Timmendorfer Strand auf besonders frequentierten Straßen und Plätzen ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden.

In Stormarn hatte sich die Lage zunächst entspannt, aber am Donnerstagabend meldet der Kreis einen Wert von 44,3. Deshalb muss nun in einigen Bereichen von Bad Oldesloe, Bargteheide und Ahrensburg knapp zwei Wochen lang ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden.

Herzogtum-Lauenburg und Segeberg kratzen an der 35er-Marke

Auch der Kreis Herzogtum-Lauenburg meldet steigende Infektionszahlen: Laut Kreis gab es elf weitere bestätigte SARS-CoV-2-Infektionen mehr als am Vortag, damit stehe man kurz vor der Warnschwelle von 35 Neuinfektionen je 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen. Landrat Christoph Mager (CDU) mahnte zur Vorsicht: "Ein Großteil der zuletzt ermittelten Infektionen geht auf Familienfeiern und ähnliche Großveranstaltungen zurück." Wie Dithmarschens Landrat Mohrdieck fürchtet auch Mager, dass die Kontaktverfolgung bald unmöglich wird, sollten die Zahlen ungebremst weiter steigen. Der Landrat des Kreises Segeberg, Jan Peter Schröder (parteilos), rechnet damit, dass der Schwellenwert von 35 Neuinfektionen schon bald überschritten wird. Da das Ausbruchsgeschehen auf ein Alten- und Pflegeheim in Norderstedt eingrenzbar sei, gebe es keine weiteren Einschränkungen für den gesamten Kreis. "Strengere Regeln für die gesamte Bevölkerung wären in diesem Fall nicht gerechtfertigt", so Schröder.

Günther mahnt zur Vorsicht

Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) rief die Schleswig-Holsteiner am Donnerstag erneut zur Einhaltung der Corona-Regeln auf. In einer Videobotschaft rief er alle auf, weiterhin umsichtig zu handeln und aufeinander acht zu geben. Die Lage sei ernst, die Infektionszahlen würden weiter steigen, sagte Günther. Die Politik der Landesregierung bleibe es, alles zu unternehmen, um eine weitere Ausbreitung des Virus zu verhindern, so Günther. Ohne die Mithilfe der Bevölkerung werde dies jedoch nicht gehen. Jeder solle eindringlich prüfen, ob private Reisen und Zusammenkünfte wirklich notwendig seien.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 23.10.2020 | 14:00 Uhr

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