Stand: 24.08.2020 19:06 Uhr

Corona: Verschärfte Suche nach Reiserückkehrern

In den Landkreisen in Schleswig-Holstein suchen die Behörden weiterhin nach Reiserückkehrern aus Corona-Risikogebieten. Laut Landesverordnung sind diese verpflichtet, sich bei den Gesundheitsämtern zu melden. Das klappt allerdings nur zum Teil. Ende vergangener Woche hieß es zum Beispiel vom Kreis Herzogtum Lauenburg, dass sich 200 Menschen nach ihrer Rückkehr nicht beim Amt gemeldet hätten. Seit Freitag haben nun knapp 40 Menschen beim Gesundheitsamt in Ratzeburg angerufen oder sich per E-Mail gemeldet, heißt es vom Kreis.

Besuch von den Behörden

Demnach gibt es aber immer noch etwa 160 Reiserückkehrer, die ihrer Pflicht nicht nachgekommen sind. Sie könnten jetzt Besuch von den Behörden kommen. Der Kreis verwies noch einmal auf die hohen Bußgelder, die drohen. Für diejenigen, die sich nicht gemeldet haben, können bis zu 2.000 Euro Strafe fällig werden. Wer gegen die Quarantäne-Pflicht verstößt, dem drohen bis zu 10.000 Euro Strafe.

Kreis Rendsburg-Eckernförde stellt Strafanzeige

Auch andere Kreise beklagen, dass Urlauber sich nach der Rückreise aus Risikogebieten nicht melden. Der Kreis Rendsburg-Eckernförde hat nach eigenen Angaben Strafanzeige gegen zwei Familienmitglieder gestellt, die aus der Türkei zurückgekommen waren. Denn anstatt wie vorgeschrieben in Quarantäne zu bleiben, hätten sie mit Freunden Fußball gespielt oder Bekannte vom Flughafen abgeholt. Ein Test ergab, dass beide mit dem Corona-Virus infiziert sind. Der Kreis Rendsburg-Eckernförde kündigte an, ab sofort mit Hilfe der Polizei verstärkt zu kontrollieren, ob sich Rückkehrer aus Risikogebieten an die Quarantäne halten. Im Kreis Segeberg haben die Behörden am Montag die Abteilung aufgestockt, die die entsprechenden Rückkehrer-Scheine von Flughäfen prüft.

Meldung beim Amt ist Pflicht

Vergangene Woche hatten die Kreise bereits darauf hingewiesen, dass es nicht ausreicht, im Flieger die sogenannte Aussteigerkarte auszufüllen. Die Meldung beim Amt ist genauso Pflicht wie eine 14-tägige Quarantäne, die nur mit zwei negativen Corona-Tests verkürzt werden kann. Land und Kassenärztliche Vereinigung weisen darauf hin, dass sich Reiserückkehrer aus Risikogebieten bei den zusätzlichen Teststationen in Schleswig-Holstein vorrangig testen lassen können.

Garg: In Zukunft Test erst nach fünf Tagen

Auch die Gesundheitsminister der Länder haben über den Umgang mit Reiserückkehrern beraten. Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) bestätigte, dass in Zukunft ein Corona-Test für Rückkehrer aus Risikogebieten frühestens nach fünf Tagen möglich sein soll. Die Zeit bis dahin soll in Quarantäne verbracht werden. Laut Garg sei das sinnvoller als zwei Tests innerhalb von fünf Tagen. Denn der erste sei nicht aussagekräftig genug.

Test oder Quarantäne

Er sei froh, dass sich die Gesundheitsminister der Länder nun mehrheitlich auf diese "intelligenten" Rückreiseregelungen einigen konnten, so Garg. Nach der neuen Regelung, die die Gesundheitsminister nun den Ministerpräsidenten für die Konferenz am Donnerstag mitgeben wollen, wäre der Test dann auch nicht verpflichtend - alternativ wären 14 Tage Quarantäne einzuhalten. Uneinigkeit herrscht noch darüber, wer die Kosten trägt. Garg ist der Meinung, dass Rückkehrer den Test selbst bezahlen sollten. Ab wann die neuen Regeln gelten, ist noch nicht entschieden. Möglicherweise könnte es ab dem 15. September so weit sein.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 21.08.2020 | 18:00 Uhr

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