Gisela B. in einem schwarz-weiß Portrait © LKA SH

Cold Case Lübeck: Wer ermordete vor 40 Jahren Gisela B.?

Stand: 03.12.2021 11:13 Uhr

Vor 40 Jahren wurde die damals 65-jährige Arztwitwe Gisela B. erdrosselt in ihrer Lübecker Wohnung aufgefunden. Die Tat wurde nie aufgeklärt. Nun sucht die Cold Case Unit des LKA SH nach neuen Hinweisen.

Schwarz-weiß Foto eines Hauses © LKA SH
Das Tatorthaus 1981: Die Wohnung des Opfers befand sich im zweiten Stock dieses Hauses in der Lübecker Krähenstraße 34.

Es war ein Abend im September 1981. Im Fernsehen wurde ein Fußball-Länderspiel zwischen Deutschland und Polen übertragen. Aus der Wohnung von Gisela B. in der Lübecker Krähenstraße 34 seien polternde Geräusche gekommen, berichteten Nachbarn später, wie das Landeskriminalamt (LKA) Schleswig-Holstein ausführt. Zu diesem Zeitpunkt schreckte das jedoch niemanden auf. Das Haus war insgesamt sehr hellhörig.

Polizei findet Leiche

Hausecke eines Backsteingebäudes © LKA SH
So sieht das Tatorthaus in der Lübecker Krähenstraße 34 heute aus.

Am nächsten Morgen bemerkten Anwohner die aufgebrochene Wohnungstür und alarmierten die Polizei. Doch für Gisela B. war das zu spät. Am Morgen des 3. September 1981 fanden Beamten Gisela B. unbekleidet und erdrosselt auf dem Bett ihres Schlafzimmers. Die Wohnungstür wies Einbruchsspuren auf. Es fehlten Schmuck und Bargeld. Sowohl ein Raubmord als auch ein Sexualmord sind - nach Angaben des Landeskriminalamtes Schleswig-Holstein - nicht auszuschließen. Anhand von Zeugenaussagen und kriminaltechnischen Untersuchungen konnte die Tatzeit auf Mittwoch, 2. September 1981, zwischen 19 Uhr und 20.30 Uhr eingegrenzt werden. Wer Gisela B. getötet hat, konnte jedoch nie ermittelt werden.

"Alte Hinweise von vorne aufgerollt"

Nun hat die Cold Case Unit des Landeskriminalamtes Schleswig-Holstein den ungeklärten Mordfall wieder auf dem Tisch liegen. Seit einem halben Jahr ermittelt sie wieder - unter anderem mithilfe einer verbesserten DNA-Spur. Katrin Tönsfeldt aus dem Ermittlungsteam erklärt: "Im Kern muss man ja erst mal sagen, dass wir alte Hinweise auch noch mal von vorne aufgerollt haben, auch alte Zeugen noch mal dazu befragt haben und aus diesen Befragungen und Vernehmungen haben sich tatsächlich auch noch mal neue Ermittlungsansätze ergeben, denen wir natürlich jetzt nachgehen."

Viele Bekanntschaften aus Kneipen

Gisela B. galt - laut LKA - als offen, lebenslustig und sehr gepflegt. Sie verbrachte viel Zeit in ihren Stammlokalen, wo sie dafür bekannt war, dass sie auch flüchtige Bekanntschaften mit in ihre Wohnung nahm und dort bewirtete. Ein erster Tatverdacht gegen den 20 Jahre jüngeren Exfreund von Gisela B. erhärtete sich nicht.

Zusammenhang mit Mord an Bärbel K.?

Goldfarbene Kette mit durchbohrter Dollarmünze © LKA SH
Das Opfer soll eine solche Kette mit einer durchbohrten Dollarmünze besessen haben (Beispielfoto). Doch am Tatort wurde die Kette nicht gefunden.

Ein Zusammenhang mit dem Mord an Bärbel K. im Jahr 1978 am Lübecker Marquardplatz kann nach derzeitigem Ermittlungsstand nicht ausgeschlossen werden. Auch Bärbel K. wurde unbekleidet und erdrosselt auf dem Bett gefunden, ein größerer Geldbetrag wurde aus der Wohnung entwendet. Durch ihre Arbeit als Bedienung in der Gaststätte ihrer Mutter, "Lilly II", war auch Bärbel K. in der Lübecker Kneipenszene präsent.

Fragen der Cold Case Unit

Die Cold Case Unit wendet sich nun mit folgenden Fragen an die Öffentlichkeit:

  • Gibt es noch Kontaktpersonen, die Gisela B. kannten, die nach der Tat im Jahr 1981 und bis heute nicht zum Tatopfer oder zum Mord befragt wurden?
  • In welchen Bars hielt sich Gisela B. auf? Bereits bekannt sind Rathaushof, Kachelofen, Gartenzwerg, Old Inn, Why Not?, Jägerklause, Wienerwald, Mühlenberg, Schiffergesellschaft, Herzbube
  • Wer war in den oben genannten Lokalitäten Stammgast?
  • Wer kann Angaben zu weiteren Kontaktpersonen machen?
  • Wer hat Gisela B. am Nachmittag bzw. am Abend des 2. September 1981 gesehen? War sie in Begleitung?
  • Gab es im Bereich Krähenstraße/ An der Mauer/ Krähenteich 1981 auffällige Personen? Kam es in diesem Bereich 1981 und davor zu Sexualstraftaten?
  • Nach Angaben von Zeugen ist bekannt, dass das Opfer im Besitz einer Kette mit einer durchbohrten Dollarmünze war (siehe Beispielfoto). Diese Kette ist am Tatort nicht aufgefunden worden. Wer kann Angaben zum Verbleib der Kette machen? Ist diese möglicherweise in An- und Verkauf-Geschäften oder auf Flohmärkten veräußert worden?
  • Gisela B. zog Anfang 1980 von der Krähenstraße 1-3 in die Krähenstraße 34. Welches Umzugsunternehmen half hierbei?

Sachdienliche Hinweise nehmen die Ermittler unter folgender Telefonnummer entgegen: (04 31) 16 04 28 56

 

Weitere Informationen
Auf dem Bild ist im unteren linken Bildrand ein Kettenanhänger zu sehen, in den ein M, W oder V reingeritzt wurden. Rechts daneben ist die Zahl 34 abgebildet und über den beiden Sachen liegt ein Lineal, was die Größe des Kettenanhängers messen soll. Er ist circa 2,5 Zentimeter breit. © LKA SH

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 03.12.2021 | 12:00 Uhr

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