Stand: 21.10.2019 05:58 Uhr

Kochtopf und Schwarzpulver: Chronologie der Ermittlungen

Im Januar hatten Spezialkräfte der Polizei in Dithmarschen drei Terrorverdächtige festgenommen. Sie sollen einen Anschlag in Deutschland vorbereitet haben. Von heute an müssen sich die Männer, die als Flüchtlinge aus dem Irak nach Deutschland gekommen waren, in Hamburg vor dem Oberlandesgericht verantworten. Um welche Vorwürfe geht es eigentlich? Wir geben bei NDR.de einen chronologischen Überblick über die bisher bekannten Ereignisse.

von Sven Jachmann und Jörg Jacobsen

November 2018: Erste Pläne für den Anschlag

Bild vergrößern
In diesem Haus in Meldorf lebte mindestens einer der Beschuldigten.

Laut Bundesanwaltschaft entschließen sich die beiden Cousins Shahin F. und Hersh F. Ende November 2018 dazu, in Deutschland einen Anschlag zu verüben. Anfang Dezember beginnen die beiden 23-Jährigen mit den Vorbereitungen. Shahin F. beschafft sich nach Angaben der Ermittler über das Internet verschiedene Anleitungen für den Bau eines Sprengsatzes.

Dezember 2018: Festnahme in Großbritannien

Shahin F. und Hersh F. haben Kontakt ins Ausland - laut Ermittlern zu ebenfalls islamistisch gesinnten Personen, die ihnen logistische Unterstützung für das Anschlagsvorhaben zusagen und sie bei der Herstellung eines Sprengsatzes anleiteten. Eine der beiden Kontaktpersonen ist Fatah A. in Großbritannien. Nach Angaben britischer Ermittler stachelt der 33-jährige Iraner zwei Personen an, in Deutschland einen Anschlag zu verüben. Es geht demnach darum, ein Auto in eine Menschenmenge zu fahren, Passanten mit einem Fleischerbeil anzugreifen und Bomben zu zünden. Für die Kommunikation nutzen sie die App Telegram, berichtet "Sky News". Nach Erkenntnissen deutscher Ermittler soll Fatah A. auch vorhaben, eine Zündvorrichtung für den Bau des Sprengsatzes nach Deutschland zu übersenden. Dazu kommt es aber nicht. Spezialkräfte der Polizei nehmen Fatah A. bei einem Großeinsatz am 11. Dezember in Newcastle an der Ostküste Englands fest.

Schnellkochtopf aus dem Fachgeschäft

Erkenntnisse der Ermittler deuten darauf hin, dass Shahin F. und Hersh F. einen ähnlichen Sprengsatz bauen wollen wie die Attentäter vom Boston-Marathon 2013, bei dem drei Menschen starben. Damals wurden mit Nägeln gefüllte Schnellkochtöpfe als Bomben genutzt. Nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein erkundigen sich zwei junge Männer im Dezember in einem Geschäft in Meldorf nach einem solchen Kochtopf. "Das ist uns aufgefallen, weil es etwas Besonderes ist", sagt der Inhaber des Ladens im Gespräch später mit dem NDR. Die Mitarbeiter hätten sich damals aber nichts weiter dabei gedacht, so der Inhaber. Wie das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" später berichtet, bekam der Verfassungsschutz den Besuch von Shahin F. und Hersh F. in dem Laden mit.

Observation rund um die Uhr

Nach Angaben des Bundeskriminalamtes überwachen zeitweise bis zu 200 Beamte die Verdächtigen - auch deren Telekommunikation. Laut "Spiegel" hören die Ermittler unter anderem mit, wie einer der Verdächtigen sagt, nur "mindestens 100 Tote" würden ihn zufriedenstellen.

Schwarzpulver aus Silvesterböllern

Am 29. und 30. Dezember 2018 unternehmen Shahin F. und Hersh F. laut Bundesanwaltschaft erste Sprengversuche. Dazu verwenden sie Schwarzpulver aus Silvesterböllern. Mit den Ergebnissen sind sie nach Informationen der Ermittler aber nicht zufrieden.

Pistole ist angeblich zu teuer

Außerdem wollen sie eine Schusswaffe erwerben. Die beiden Cousins bitten Sarkawt N., ihnen die Waffe zu besorgen. Sarkawt N. ist ein Bekannter der beiden und lebt ebenfalls in Dithmarschen. Nach NDR Informationen nimmt Sarkawt N. Kontakt zu Walid Y. in Ludwigslust (Mecklenburg-Vorpommern) auf und verhandelt über den Kauf einer Waffe vom Typ Makarov, Kaliber 9 Millimeter. Die Waffe ist Shahin F. und Hersh F. aber zu teuer, heißt es von der Bundesanwaltschaft.

Januar 2019: Besuch einer Fahrschule

Spätestens seit dem 4. Januar 2019 planen Shahin F. und Hersh F. nach Angaben der Ermittler, zehn Kilogramm des Sprengstoffs TNT und ein Fahrzeug für ihren geplanten Anschlag zu verwenden. Einen Führerschein haben beide aber nicht. Nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein beginnen sie an einer Fahrschule in Meldorf mit dem theoretischen Unterricht. Sie nehmen aber nur ein einziges Mal am Unterricht teil, sagt der Fahrlehrer später dem NDR.

Festnahme im Morgengrauen

Ein Großaufgebot der Polizei durchsucht in der Kleinstadt Meldorf und dem nahegelegenden Dorf Elpersbüttel mehrere Wohnungen und nimmt insgesamt drei Personen fest: Shahin F., Hersh F. und Sarkawt N. Schwer bewaffnete Beamte bringen Shahin F. und Hersh F. mit einem Hubschrauber der Bundespolizei nach Karlsruhe. Ein Ermittlungsrichter beim Bundesgerichtshof entscheidet noch am Abend, dass Shahin F. und Hersh F. in Untersuchungshaft kommen.

Weitere Informationen

Dithmarschen: Bombenbau mit Kochtopf und Nägeln?

08.03.2019 18:00 Uhr

Ende Januar hatte die Polizei drei terrorverdächtige Iraker in Dithmarschen festgenommen. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie eine Bombe mit einem Kochtopf und Nägeln bauen wollten. mehr

Dithmarschen: Dritter Tatverdächtiger in U-Haft

31.01.2019 09:00 Uhr

Gegen drei Iraker, die gestern im Kreis Dithmarschen festgenommen worden waren, ist Haftbefehl erlassen worden. Den Männern wird vorgeworfen, einen Terroranschlag in Deutschland geplant zu haben. mehr

Terrorverdächtige in Dithmarschen festgenommen

30.01.2019 17:00 Uhr

In Meldorf und Elpersbüttel sind drei Iraker festgenommen worden, die einen Anschlag in Deutschland geplant haben sollen. Die Bundesanwaltschaft bestätigte "Bezüge" zum IS - aber keinen Auftrag. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 21.10.2019 | 08:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

02:54
Schleswig-Holstein Magazin

Lehrermangel - vor allem auf dem Land

Schleswig-Holstein Magazin
03:31
Schleswig-Holstein Magazin

Elektrofischen für den Arterhalt

Schleswig-Holstein Magazin
01:09
Schleswig-Holstein Magazin