Eine Einmalschutzmaske liegt auf einem Stapel Aktenordner. © Colourbox Foto: nito

CAU-Mitarbeiter besorgt: Lascher Corona-Schutz in Instituten

Stand: 13.02.2021 13:43 Uhr

Einige Institutsleiter der Uni Kiel nehmen es offenbar nicht so genau mit den Corona-Bestimmungen. Einige Beschäftigte fühlen sich am Arbeitsplatz jedenfalls nicht ausreichend vor Covid-19 geschützt.

von Julian Marxen

Zu viele Mitarbeiter im Büro oder im Labor, keine versetzten Schichten, ein lascher Umgang mit der Maskenpflicht und Homeoffice ist offenbar nicht gerne gesehen. Sogar Präsenz-Weihnachtsfeiern soll es gegeben haben. Sicheres Arbeiten unter Pandemie-Bedingungen sollte anders aussehen. Doch an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) scheint es in manchen Bereichen, vor allem in den Naturwissenschaften, genau so zu laufen. Das berichten jedenfalls einige Mitarbeiter im Interview mit NDR Schleswig-Holstein. Sie bemängeln, dass ihre Vorgesetzten die Corona-Schutzbestimmungen eher lax auslegen und sich kaum um den Arbeitsschutz kümmern würden.

Ein Türgriff wird mit einem Spray desinfiziert. © photocase Foto: macroart

AUDIO: CAU-Beschäftigte kritisieren laschen Covid-19-Schutz (1 Min)

Forschung wichtiger als Arbeitsschutz?

Auch der Vorsitzenden des Personalrats, Heinke Gier, ist das Problem sehr wohl bekannt. Manche Mitarbeiter seien stark verängstigt, weil zu viele Wissenschaftler zur gleichen Zeit im Institut seien, so Gier. Dabei könnte ein Teil der Beschäftigten auch von zu Hause aus arbeiten. "Auf Vorschläge, in versetzten Schichten zu arbeiten, geht unser Vorgesetzter leider nicht ein - und das seit fast einem Jahr", berichtet eine Beschäftigte, die anonym bleiben möchte. "Es gibt Professoren, denen die Forschung anscheinend wichtiger ist als das Wohl ihrer Mitarbeiter", kritisiert Gier.

Institute entscheiden individuell

Manche Beschäftigte fragen sich: "Warum greift die Uni-Leitung nicht ein? Muss es erst zu einem Coronaausbruch kommen, bis gehandelt wird?" Die Kanzlerin der Kieler Universität, Claudia Meyer, verweist auf NDR-Nachfrage darauf, dass sich zum Beispiel "Homeoffice aufgrund der Vielfältigkeit der Arbeitsplätze nicht pauschal anordnen" lässt. Die Vorgesetzten in den Instituten sollen entscheiden, wie gearbeitet wird. Schließlich könnten sie am besten bewerten, "wie die Tätigkeiten organisiert werden müssten, um die Beschäftigten zu schützen und gleichzeitig den Betrieb sicherzustellen." Alles unter Berücksichtigung der Hygiene- und Abstandsregelungen, wie die Kanzlerin betont. Und nach ihrer Darstellung kommt "der weit überwiegende Teil der Vorgesetzten seiner Verantwortung vorbildlich nach."

Beschäftigte sollen sich melden

Doch es läuft eben nicht überall vorbildlich. Damit Vorgesetzte gezielt in die Pflicht genommen werden können, rät die Uni-Kanzlerin den Beschäftigten, sich bei Problemen offiziell zu melden. Aber genau das ist ein weiteres Problem. Wie Mitarbeiter NDR Schleswig-Holstein sagten, fürchten sie Konsequenzen, wenn sie sich kritisch äußern. Personalratschefin Gier ruft deshalb alle Institutsleiter auf: "Kümmern Sie sich um die Sicherheit der Beschäftigten!" Und von der Politik wünscht sich der Personalrat klarere Regeln beim Arbeitsschutz: zum Beispiel, dass Vorgesetzte eine Begründung vorlegen müssen, wenn sie der Meinung sind, dass Homeoffice in ihrem Bereich nicht möglich ist.

Weitere Informationen
Eine Frau sitzt zu Hause an einem Schreibtisch. © picture alliance, dpa Foto: picture alliance, dpa

Corona in SH: So viel Homeoffice gibt es in den Behörden

Eine Abfrage von NDR Data zeigt, dass die Quote je nach Kreis unterschiedlich ist. Segeberg, Ostholstein und Plön liegen oben. mehr

Eine Frau, Mitte 50, arbeitet mit einem Laptop von zu Hause aus und kommuniziert per Headset mit Kollegen - Homeoffice auf dem Sofa, © picture alliance / Jochen Tack | Jochen Tack Foto: Jochen Tack

Zur Sache: Homeoffice in Zeiten von Corona

In der Sendung Zur Sache am Sonntag ging es um das Thema Homeoffice und um die neue Verordnung der Bundesregierung dazu. mehr

Bundesminister Hubertus Heil © BMAS / Dominik Butzmann Foto: Dominik Butzmann

Arbeitsminister Heil: "Homeoffice, wo immer es geht!"

Der SPD-Politiker dringt auf das Einhalten der Corona-Regeln am Arbeitsplatz. Einen Lockdown der gesamten Wirtschaft will Heil vermeiden. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 13.02.2021 | 08:00 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Keeper Ioannis Gelios (l.) von Holstein Kiel rettet vor Simon Terodde vom Hamburger SV © Witters Foto: Valeria Witters

Kiel entführt 1:1 im Nordduell beim HSV und bleibt Zweiter

Die Schleswig-Holsteiner müssen gegen starke Hamburger Schwerstarbeit in der Abwehr verrichten. Mit Glück gelingt ihnen der Punktgewinn. mehr

Videos