Stand: 31.10.2017 13:49 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Bye bye Torfabbau in Schleswig-Holstein

Der feuchte Boden unter den Füßen gurgelt und schmatzt bei jedem Schritt, aus schwarzen Tümpeln recken sich kahle Äste - und mit etwas Glück hört man den Ruf einer seltenen Sumpfohreule: Das ist das Himmelmoor in Quickborn, das größte Hochmoor in Schleswig-Holstein, mit seinen ursprünglich rund 600 Hektar. Bald soll die Natur hier wieder ganz ungestört sein. Auch kein Torfabbau soll mehr die Idylle stören.

Der verwertbare Torf ist fast abgebaut

"Spätestens im Jahr 2020 wird der industrielle Torfabbau dort beendet", sagt Martin Schmidt vom Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR). Vermutlich aber schon viel früher. Denn das Himmelmoor ist fast vollständig ausgebeutet. Hermann Hornung ist hier mit seinem Betrieb in dritter Generation für den Torfabbau zuständig: "Was verwertbar ist, haben wir im Wesentlichen schon abgebaut", erklärt der 77-Jährige. Wenn Hornung seinen Betrieb dicht macht, endet in Schleswig-Holstein eine rund 150 Jahre alte Tradition. Denn nur hier findet in Schleswig-Holstein noch Torfabbau im größeren Umfang statt.

Aus Torf wird Kompost

Ein Moor ist - einfach gesagt - ein sehr nasses Stück Land, in dem Pflanzenreste wegen Sauerstoffmangels nicht vollständig zersetzt werden können. Diese werden zu Torf. Schleswig-Holstein gehört mit Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Bayern und Baden-Württemberg zu den moorreichen Bundesländern Deutschlands. Diese Moore sind bis zu 12.500 Jahre alt.

"Es gibt keine Alternative für Torf"

Seit den 1870er Jahren wird in Himmelmoor Torf abgebaut. In der Vergangenheit holte Hornung jährlich rund 40.000 Kubikmeter davon heraus, mischte in seinem Werk angelieferte Zusatzstoffe wie Lehm, Ton, Kompost bei, um das Gemisch dann als hochwertige Gartenerde an Baumschulen in der Region zu verkaufen. "Trotz immer lauter werdender öffentlicher Kritik von Umweltschützern am Torfabbau wuchs die Nachfrage stetig", sagt der Unternehmer. "Es gibt noch keine Ersatzprodukte, es wurde noch keine Alternative für Torf gefunden."

Früher war Torfstechen viel Handarbeit

Vor hundert Jahren war Torfabbau noch schwere, schweißtreibende Arbeit. "Er wurde gestochen und gelegt, umgesetzt und in einer Miete gestapelt - drei Arbeitsgänge mit viel Handarbeit", erklärt Hornung. Während der beiden Weltkriege wurden Straf- und auch Kriegsgefangene als Zwangsarbeiter in dem Torf-Werk eingesetzt, erzählt er.

Mittlerweile geht Torfstechen maschinell

Heute kommt beim Torfstechen maschinell eine "Fräse" zum Einsatz. Zunächst wird der Torf einige Zentimeter tief mit Zinken aufgelockert, um danach mit einer Art Schneepflug zu Haufen zusammengeschoben zu werden. Nach zwei, drei Tagen ist der Torf lager- und versandfähig. Dann kann er in die Loren der Torfbahn geladen und zum Mischen ins Werk gefahren werden. "Torf-Gewinnung ist je nach Wetter bis in den September hinein möglich", erzählt Hornung. Der Ertrag aus dem Himmelmoor reicht übrigens schon lange nicht mehr, um den Bedarf der Kunden zu befriedigen. "Seit 2007 müssen wir Torf aus dem Baltikum dazukaufen", sagt Hornung.

Umweltschützer gegen Torfabbau

Umweltschutzverbände lehnen den Abbau und den Gebrauch von Torf ab. So ruft zum Beispiel der NABU Gärtner dazu auf, auf den Torf zu verzichten und damit etwas für den Arten- und Klimaschutz zu tun. Als Alternative eigne sich Kompost. Der belebe den Boden und gebe ihm wichtige Nährstoffe zurück.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Der Nachmittag | 31.10.2017 | 15:20 Uhr

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