Stand: 05.08.2021 12:00 Uhr

Busreisen kommen nicht in Gang - erste Insolvenzen in SH

Eine Rundreise ins Ausland mit dem Reisebus? Zu heikel, sagen viele Schleswig-Holsteiner. Leidtragende sind die Busunternehmen. Der Omnibusverband spricht von einer "ernüchternden Lage".

"Die Zurückhaltung der Fahrgäste ist das Problem", sagt der Geschäftsführer des Omnibusverbandes, Joachim Schack. Viele möchten nicht die ganze Zeit mit Maske im Reisebus sitzen. Gerade ältere Menschen, die bereits geimpft sind, seien dazu nicht bereit. Aber noch viel schlimmer ist laut Schack die Unsicherheit bei Auslandsreisen. "Was passiert im Corona-Fall? Wie reagieren beispielsweise die unterschiedlichen Hotels bei einer gebuchten Rundreise? Juristisch gibt es viele ungeklärte Fragen." Der Busunternehmer streckt das Geld vor - doch bekommt er es am Ende wirklich wieder? "Einige kleinere Unternehmen haben bereits Insolvenz angemeldet", berichtet Schack.

Dehn in Neumünster: Viele Busse abgemeldet

Wer sich weiterhin durch die Corona-Pandemie durchkämpft, ist beispielsweise das traditionelle Busunternehmen Dehn aus Neumünster. Es wurde bereits im 19. Jahrhundert als Fuhrunternehmen gegründet - seit 1954 gibt es zusätzlich die Reisebusse. Joachim Dehn, einer der beiden Geschäftsführer, ist frustriert über den Stillstand. "Aber ich lasse das emotional nicht mehr so an mich heran. Sonst verliert man die Motivation." Dankbar ist er für die staatlichen Hilfen, die seine Firma erhalten hat. Dennoch: Es geht nicht voran. Vier seiner acht Reisebusse sind abgemeldet, drei der vier kleineren Fahrzeuge ebenfalls. Das Personal ist zum großen Teil in Kurzarbeit.

Ein bisschen was geht Dehn zufolge in Norddeutschland. "Tagesfahrten funktionieren." Die Auslandsreisen, die normalerweise einen großen Anteil am Umsatz ausmachen, liegen ansonsten brach - bis auf Österreich. Schwierig auch die Werbung für Touristik-Reisen: Kataloge, die gerade erst gedruckt wurden, sind schon wieder hinfällig, geschaltete Anzeigen "schon wieder verpufft".

AK Touristik in Kiel: Im Moment läuft es

Geschäfsführer Guido Gröpper steht in einem leeren Reisebus der Firma AK Touristik und lächelt in die Kamera.  Foto: Andrea Schmidt
Schwieriges Geschäft mit Busreisen, aber AK-Touristikchef Guido Gröpper bleibt optimistisch.

AK Touristik, ein Reisebusunternehmen aus Kiel, steht zumindest zur Zeit ganz gut da. Jetzt im August finden auch Auslandsreisen statt, zum Beispiel nach Norwegen und Italien. "Allerdings gelten überall in Europa andere Regeln", stöhnt Geschäftsführer Guido Gröpper. Norwegen beispielsweise lasse nur Geimpfte und Genesene ins Land, und für Italien sei es "unglaublich schwierig, sich als Reisender dort anzumelden." AK Touristik hat zurzeit keine Kurzarbeit mehr. "Aber wir haben Angst, dass sich genau das wiederholt vom letzten Jahr." Dass die Corona-Inzidenzen wieder so hochgehen, dass ab Oktober nichts mehr geht.

Fallen auch wieder Adventsfahrten aus?

Der Omnibusverband blickt ebenfalls mit Sorge auf die zweite Jahreshälfte. Auch das anstehende Advents- und Weihnachtsgeschäft könnte wieder ins Wasser fallen, befürchtet Geschäftsführer Joachim Schack. Erste große Weihnachtsmärkte werden bereits wieder abgesagt. Noch gibt es laut Schack Überbrückungshilfen - aber wie lange noch?

 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 05.08.2021 | 17:00 Uhr

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