Stand: 02.05.2020 12:23 Uhr

Bundespolizei-Schiffe bekommen Geschütz

von Sebastian Baak und Christian Wolf

Vor eineinhalb Jahren hat die Bundespolizei damit begonnen, die neuen Flaggschiffe der sogenannten Potsdam-Klasse in Dienst zu stellen. Schnell war klar, dass die drei mehr als 86 Meter langen Boote bewaffnet werden sollen - zum ersten Mal wieder nach Jahrzehnten. Auf Nachfrage von NDR Schleswig-Holstein hat die Behörde bestätigt, dass die Fassmer Werft im niedersächsischen Berne als erstes die "Bad Düben" mit einem 57mm Geschütz ausrüstet. Dieses Waffensystem kommt normalerweise auf Marineschiffen zum Einsatz, wie beispielsweise auf Kriegsschiffen der US-Navy. Dabei wird es aber nicht bleiben. Nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein wird außerdem auf jeder Bordseite ein 12,7mm Maschinengewehr montiert.

Neue Aufgaben und weltweiter Einsatz

Künftig werden die Schiffe nicht mehr so häufig in ihrem Heimathafen in Neustadt in Holstein (Kreis Ostholstein) liegen. Denn der Aktionsradius der Schiffe hat sich deutlich erweitert und beschränkt sich nicht mehr auf die Überwachung der deutschen Küstenlinie. Das Bundesinnenministerium teilte auf Nachfrage mit: "Die neuen Schiffe der Potsdam-Klasse sind für weltweite Einsätze und Fahrten ausgelegt. Das heißt, der Einsatzradius liegt technisch auch über den Einsatzbereichen der derzeitigen Frontex-Einsatzräume." Frontex ist die Europäische Agentur für die Grenz- und Küstenwache. In Zusammenarbeit mit den EU-Mitgliedsstaaten ist sie für die Kontrolle der Außengrenzen der EU zuständig. Nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein dienen die Schiffe künftig auch als Basis für die GSG 9. Die Spezialeinheit der Bundespolizei ist neben der Terrorismusbekämpfung auch auf die Befreiung von Geiseln spezialisiert.

Auf einem Schnellboot proben Beamte der Spezialeinheit GSG 9 ihren Einsatz. © dpa picture alliance Foto: Boris Roessler
Zwischen 2018 und 2019 hat die GSG 9 verschiedene Szenarien der Geiselbefreiung auf dem Wasser in und um Kiel geübt.
Training in Kiel und auf der Ostsee

Als der deutsche Containerfrachter "Hansa Stavanger" 2009 vor der Küste Somalias von Piraten gekapert wurde, gab es anfangs ein Kompetenzgerangel darum, wer für die Befreiung der Geiseln zuständig war. Damals beanspruchte die Deutsche Marine diese Aufgabe für sich, obwohl die GSG 9 schon nach Kenia worden war. Mittlerweile ist klar, dass die Antiterroreinheit aus dem nordrhein-westfälischem Sankt-Augustin für solche Einsätze zuständig ist. Zwischen 2018 und 2019 trainierte die GSG 9 deshalb entsprechende Szenarien unter anderem im Kieler Hafen sowie auf der Förde und der Ostsee. Geübt wurde unter anderem das Entern einer Fähre bei voller Fahrt und das Erstürmen eines Terminals.

Potsdam-Klasse bietet auch Platz für Ausrüstung

Die neue Bewaffnung der Potsdam-Klasse ist dazu geeignet, Schiffe zu stoppen und bei Einsätzen der GSG 9 Feuerunterstützung zu geben. Außerdem können die drei Schiffe der Bundespolizei in einer Art Garage im Rumpf zusätzlich zwei Boote der Spezialeinheit aufnehmen. Im Inneren des Schiffes können zudem Räume für die Bedürfnisse der GSG 9 umgebaut werden. Noch ist die Montage der Waffen nicht bei allen Schiffen der Potsdam-Klasse abgeschlossen. Das soll im Laufe des Jahres 2021 passieren, heißt es von der Behörde. "Dann sind auch die Besatzungen der Einsatzschiffe mit den neuen Einsatzmitteln und Waffen vertraut und einsatzbereit", sagte ein Sprecher.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 02.05.2020 | 08:00 Uhr

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